Clemens Tönnies hält ein Paket Fleisch
Anne-Maria Revermann | am

Umgeht Tönnies das Verbot von Werkverträgen?

Kritiker befürchten, Tönnies unterlaufe mit der Gründung von 15 Tochtergesellschaften das Werkvertragsverbot. Tönnies dementiert das.

Tönnies weist die Vorwürfe zurück, mit Firmenneugründungen die Abschaffung von Werkverträgen und Leiharbeitern, die in der Fleischbranche ab 2021 gelten sollen, umgehen zu wollen.

Tönnies hatte zuvor 15 sogenannte Vorratsgesellschaften am Amtsgericht Gütersloh für Rheda-Wiedenbrück ins Handelsregister eintragen lassen. Die Gründung dieser Firmen sorgt nun für Empörung.

Tönnies und die Tochtergesellschaften

Hintergrund: Werkvertragsarbeiter und Leiharbeiter dürfen ab 2021 nicht mehr beschäftigt werden. Ausgenommen sind Fleischerhandwerksbetriebe mit maximal 49 Mitarbeitern. Wird gegen das Verbot verstoßen, droht ein Bußgeld.

Als Unternehmensgegenstand der 15 Tönnies-Tochtergesellschaften gilt:

"Herstellung und Vertrieb von Fleischwaren aller Art, einschließlich der Schlachtung, Zerlegung und Kommissionierung sowie Be- und Verarbeitung zu handelsfähigen Endprodukten aus Fleisch und Fleischbestandteilen".

Damit ist all das inbegriffen, was Tönnies momentan vor allem noch durch Werkvertragsarbeiter und Subunternehmer erledigen lässt. Der Verdacht drängt sich auf, Tönnies wolle mit der Gründung das geplante Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit umgehen.

Das sagt Tönnies

Clemens Tönnies selbst dememtiert die Vorwürfe vehement. Die Gründung dieser Vorratsgesellschaften sei ein völlig normaler Vorgang in einem internationalen Konzern. Momentan sei noch unklar, welche Organisationsformen das geplante Gesetz vorsieht, so ein Unternehmenssprecher.

Vorsorglich habe Tönnies deshalb diese Gesellschaften gegründet. Mit diesen könne Tönnies Direkteinstellungen an verschiedenen Standorten und für die verschiedenen Gesellschaften im Konzern schnell umsetzen.

Gleichzeitig kritisierte Clemens Tönnies in der "Lebensmittelzeitung" die geplanten schärferen Regeln für die Fleischindustrie. Er beklagte, dass dem Unternehmen durch das neue Gesetz die Möglichkeit der Spezialisierung und die Möglichkeit, auf Marktereignisse zu reagieren, genommen werde.

 

Das sagen Tönnies-Kritiker

Zweifel an Tönnies Aussagen äußert die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). "Die Fleischindustrie hat in der Vergangenheit sehr viel kreative Energie aufgebracht, um Gesetze zu umgehen. Herr Tönnies hat das menschenverachtende System der Werkverträge über fast zwei Jahrzehnte in seinen Unternehmen perfektioniert", heißt es hier.

Es sei wenig glaubhaft, dass es sich bei den Gründungen von Tochtergesellschaften lediglich um Vorsorgemaßnahmen handeln solle.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagt, Tönnies könne das Werkvertragsverbot gar nicht umgehen. Auf Twitter schrieb er dazu: "Nein (...) Die 50er Regelung gilt nur für HANDWERKSUNTERNEHMEN."

Wie die 15 neu gegründeten Tochtergesellschaften von Tönnies letztendlich wirklich genutzt werden, wird wahrscheinlich erst nach der Einführung des Werkvertragsverbots im Jahr 2021 zu beurteilen sein.

Mit Material von Lebensmittelzeitung, SZ, dpa, Spiegel
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