Tag des deutschen Bieres: Verbraucher müssen mit höheren Bierpreisen rechnen

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Christel Grommel | am

Wird Bier zum Luxus? Der Bierpreis steigt um 10 %

Die hohen Energiepreise sind eine Herausforderung für Brauer. Dazu noch hat die Branche mit den Nachwirkungen der Pandemie zu kämpfen. Verbraucher müssen höhere Bierpreise in Kauf nehmen.

Keine schönen Aussichten am heutigen Tag des Bieres (23. April): Die Feierstimmung ist in diesem Jahr getrübt. Die gefallenen Corona-Regeln und der bevorstehende Start in die Biergartensaison wären ein Grund zum Feiern gewesen. Doch die Brauereien befürchten, dass das Jahr leider als Preistreiber im Gedächtnis bleiben wird. "Das Jahr 505 nach Gründung des Reinheitsgebotes wird sich als Kostenbooster in die Geschichte der Brauwirtschaft einbrennen", sagt Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins.

Kostendruck bei den Brauern ist höher als im Braukessel

Die Verbraucher müssen mit Bierpreiserhöhungen im Handel rechnen, so die Branchenexperten. Dass Bier teurer wird, war schon länger bekannt. Doch damit reagiert die Braubranche noch nicht auf die aktuell explodierenden Energiepreise. „Lieferengpässe und Kostensteigerungen sind wir leider gewohnt. Bereits die Corona-Krise hat der Braubranche schwer zugesetzt. Aber was gerade passiert, sprengt alle Dimensionen: Wir sehen bei Rohstoffen, Verpackungen, Energie und Logistik nie gekannte Preiserhöhungen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele. Auch in der Braubranche hat man Sorge, dass Energiepreise und Gaslieferstopp einen Dominoeffekt verursachen könnten. Besonders massiv seien die Einkaufspreise von Braumalz und Neuglas gestiegen. Das betreffe aktuelle und neue Lieferverträge.

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Kein Bier mehr bei einem Gaslieferstopp?

Vor allem kleine Brauereien ohne langfristige Verträge und Preiszusagen sind schwer von der Kostenwelle getroffen, sie kämpfen ums Überleben. Für die kleineren Brauereien ist es schwer, überhaupt an die benötigten Rohstoffe zu kommen. Die Nachfragekrise durch die Corona-Einschränkungen in der Gastronomie ist in eine Versorgungskrise und vor allem eine Kostenkrise übergegangen.

In den vergangenen Jahrzehnten hätten die allermeisten Brauer ihre Sudkessel auf Gas umgestellt, so der Herausgeber des Magazins "Inside", Niklas Other. Die Sorge sei groß, dass ein Gaslieferstopp sofort die Bierherstellung zum Erliegen bringen könnte, weil Brauer nicht zur kritischen Infrastruktur gehörten.

Die Bierpreise steigen nach Ostern

Der Deutsche Brauer-Bund wagt keine Prognose, wieviel Bier die deutschen Brauereien in diesem Jahr im In- und Ausland verkaufen werden. Die Absätze von Brauern und Gastronomen seien noch weit von dem Niveau vor Corona entfernt., sagt Eichele. Immerhin jedoch: In der Gastronomie steigen die Gästezahlen, das ist wichtig für das Geschäft mit Fassbier. 

Nach Ostern kommen die Bierpreise im Handel nach Einschätzung von Branchenbeobachtern bei einer Reihe von Marken in Bewegung. Dabei geht es aber nur um die Preiserhöhungen, die etliche große Brauer bereits im Herbst angekündigt hatten. Nach den Feiertagen werden sie auch für den Konsumenten sichtbar, prognostiziert Marktforscher Marcus Strobl von NielsenIQ. Er schätzt, dass bei großen Pilsmarken der Bierkasten mit 20 Halbliterflaschen um etwa 1 Euro teurer werden könnte. Vorerst dürfte die Preiserhöhung mit weniger als zehn Prozent beim Normalpreis (noch) moderat ausfallen.

Russland bricht als wichtiges Exportland weg

Russland war ein wichtiges Land für den Bierexport aus Deutschland - es war zum zweitgrößten Absatzmarkt für deutsches Bier im Ausland nach Italien aufgestiegen. In der Braubranche galt es als einer der aussichtsreichsten Wachstumsmärkte. Rund 2 Millionen Hektoliter Bier sind im vergangenen Jahr laut Deutschem Brauer-Bund nach Russland exportiert worden, knapp 13 Prozent des deutschen Bierexports.

Dies ist aber flächendeckend zum Erliegen gekommen, schätzt Eichele. Große Brauer etwa hätten darauf wegen des Krieges bewusst selbst verzichtet, zudem seien Exporte infolge der massiven Rubel-Abwertung oder durch Transportprobleme auch gar nicht mehr realisierbar.

Man wolle "die aktuelle Sanktionspolitik mit unseren Mitteln unterstützen", sagt Axel Dahm, Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe.

Mit Material von dpa
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