Regal im Bioladen
Janina Schuster | am

Bio-Lebensmittel: Vom Nischen- zum Massenprodukt

Der Weg der Bio-Lebensmittel in die Supermärkte war lang und verhältnismäßig steinig. Bioland, der größte Bio-Anbauverband in Deutschland, trug seinen Teil zum Imagewandel der Öko-Landwirtschaft bei.

"Wir waren die Körnerfresser. Die Durchgedrehten" erinnern sich Gertrud und Albert Pfeifer an ihre Anfänge als "Bio-Bauern". Ende der 1970er Jahre entschieden sie sich, ihren Bauernhof nach ökologischen Kriterien auszurichten und somit auf Kunstdünger und Pestizide zu verzichten. Das traf auf viel Unverständnis im Ort. "Drei Jahre gebe ich euch, dann seid ihr weg, sagte uns damals ein anderer Bauer" erzählt die 74-jährige Hofbesitzerin. So wie ihr erging es wohl vielen Bio-Landwirten, besonders in den Anfängen. Um so drastischer der Kontrast zu heute: im Dorf der Pfeifers gibt es heute keinen einzigen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb mehr. Dafür erweiterten die Bio-Landwirte ihre eigenen Flächen von 10 auf 70 Hektar.

Kunden schätzen Ganzheitlichkeit

Pfeifers schlossen sich 1980 dem Bioland-Verband an und gehören damit zu den Pionieren des deutschen Bio-Anbauverbands, der in diesen Tagen 50 Jahre alt wird. In ihrem Hofladen bieten sie heute diverse Getreideprodukte, aber auch Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus eigener Schlachtung an. Sämtliche Produkte kommen aus der eigenen Erzeugung, auch das Futter für die Tiere. Und die Kunden honorieren diesen ganzheitlichen Ansatz. Der Hof der Pfeifers liegt im Taunus, in der Nähe von Frankfurt am Main. Und von dort kommt auch die treue Stammkundschaft.

Bio gefragt während Corona-Krise

Kundenzuwächse verzeichneten sie vor allen Dingen, wenn Lebensmittelskandale die Verbraucher verunsichere, erzählt Gertrud Pfeifer. Und auch zum Höhepunkt der Corona-Krise war das Interesse an Bio so hoch wie nie. Diesen Trend bestätigt der deutsche Bio-Spitzenverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). "Viele Menschen arbeiten im Homeoffice und kochen selbst", sagt Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik und Kommunikation bei Bioland. "Dabei achten Sie immer mehr auf die Qualität und Herkunft der Lebensmittel und landen bei Bio, möglichst aus dem Umfeld." Für den Verband eine erfreuliche Entwicklung, wachse damit auch der Bio-Landbau stetig.

Bio-Milch fester Bestandteil im Kühlregal

Im Jahr 2020 haben die Deutschen 15 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel und -Getränke ausgegeben, teilte der Verband mit. Der Umsatz stieg in diesem Zusammenhang um 22,3 Prozent. Das macht sich auch im Supermarktregal bemerkbar: die Vielfalt der Bio-Produkte ist deutlich angestiegen. So eroberte sich beispielsweise Bio-Milch und Weidemilch einen festen Platz im Kühlregal. Der Absatz von Bio-Milch stieg bundesweit in den ersten zwei Monaten 2021 um 17,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Laut Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalens waren die Zuwachsraten 2020 zweistellig. Der konventionell erzeugten Milch konnte das Bio-Pendant jedoch noch nicht den Rang ablaufen, nach wie vor ist das Segment mit 31,8 Millionen Litern gegenüber knapp 611 Millionen Litern eher klein.

Bioland wünscht sich Rückenwind durch Politik

Bioland trug stets dazu bei, das Thema der ökologischen Erzeugung in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. So starteten sie vor einigen Jahren eine Zusammenarbeit mit dem Discounter LIDL und profitierten von der gestiegenen Bekanntheit, da ein deutlich größerer Kundenkreis erreicht werden konnte. Bioland-Präsident Jan Plagge erhofft sich auch von der künftigen Bundesregierung "echten Rückenwind für den Ausbau und die Weiterentwicklung des Bio-Landbaus". "Was wir momentan von der Bundesregierung in Teilbereichen haben, ist Windstillstand bis Gegenwind" und bezieht sich auf die Tierwohlstandards oder die Unterstützung in den Bereichen Forschung und Entwicklung. "Es muss künftig darum gehen, konventionellen Betrieben neue Angebote zu machen, damit sie sich in Richtung ökologische Landwirtschaft entwickeln können."

Mit Material von dpa
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