Hühner auf einer Wiese

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Janina Schuster | am

Bio auf dem Prüfstand: wie ökologisch ist unsere Landwirtschaft?

Immer mehr Menschen greifen zu Nahrungsmitteln, die aus ökologischer Erzeugung stammen. Bio liegt im Trend. Das hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Niedersachsen. Doch wie hoch ist der Bio-Anteil bei uns im Norden wirklich?

Der Verbraucher interessiert sich mehr und mehr dafür, wo sein Essen herkommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Die regional angebauten Kartoffeln oder die Eier vom Hof mit Biosiegel aus dem Nachbardorf – die Regale in den Supermärkten füllen sich vermehrt mit Nahrungsmitteln aus ökologischer Landwirtschaft. Der Trend ist auch in Niedersachsen erkennbar. Kürzlich veröffentlichte das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz seinen Bericht "Die niedersächsische Landwirtschaft in Zahlen 2021". Darin enthalten: die neuen Daten zur ökologischen Landwirtschaft.

Großer Zuwachs in den letzten sechs Jahren

Tatsächlich setzen immer mehr Landwirte auf biologische Landwirtschaft, das besagen Zahlen des Berichts. Seit Anfang 2000 verdreifachte sich die Anzahl ökologisch wirtschaftender Betriebe in Niedersachsen demnach. Insbesondere die letzten sechs Jahre brachten noch einmal einen großen Zuwachs. 2014 waren es knapp 1.400 Betrieben, im Jahr 2020 bereits 2.250. Absolut gesehen jedoch, war die Anzahl der Bio-Betriebe in diesem Jahr noch eher gering. Insgesamt lag die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen bei 33.400. Die Öko-Höfe machten somit 7 Prozent aus.

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Landwirtschaftliche Flächennutzung - ökologisch und konventionell

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Niedersachsen beträgt 2,5 Millionen Hektar. Niedersachsen selbst ist 4,7 Millionen Hektar groß. Die von den Ökolandwirten genutzte Fläche liegt mit 134.000 Hektar bei rund 5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzungsfläche und ist somit verhältnismäßig klein. Wollte man dieselbe Menge an ökologisch hergestellten Nahrungsmitteln erzeugen, wie sie derzeit in konventioneller Landwirtschaft produziert wird, wären mehr Öko- als konventionelle Flächen nötig. In der Bio-Landwirtschaft ist bei Pflanzen der Ertrag pro Hektar geringer, wie auch der Vergleich von Weizen und Kartoffeln zeigt. Pro Hektar liegt der Weizenertrag in der ökologischen Landwirtschaft bei 3.750 Kilogramm, in der konventionellen bei 7.870. Bei Kartoffeln sieht es ähnlich aus: 25.730 Kilogramm pro Hektar in der Bio-Landwirtschaft, 40.908 Kilogramm in der Konventionellen.

Einer Studie zufolge weisen Lebensmittel wie Möhren, Äpfel und Kartoffeln wenig bis keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf

Mehr Schweine als Niedersachsen

Im vergangenen Sommer sorgte der Discounter ALDI für Furore, als er ankündigte Fleisch nur noch von Tieren aus Haltungsstufe drei und höher verkaufen zu wollen. Die ersten beiden Haltungsstufen sehen reine Stallhaltung vor, ab Stufe 3 haben die Tiere Zugang zu frischer Luft und Tageslicht. Bio stellt mit Stufe 4 die höchste Stufe dar. In Niedersachsen lebten zum Stichtag am 01. März 2020 2,4 Millionen Rinder. Der Anteil von Bio-Rind lag jedoch bei lediglich bei 2 Prozent, also 54.207 Tieren. Bei Schweinen macht der Anteil von Bio-Tieren gerade einmal 0,3 Prozent aus - wobei Schweinefleisch in Niedersachsen am meisten verzehrt wird. Mit 8,6 Millionen Tieren gibt es mehr Schweine in Niedersachsen, als Menschen die hier leben (8 Millionen).

Jede vierte Ziege ist Bio

Eine andere Verteilung zeigt sich bei Schafen und Ziegen. Das begründet sich auch darin, dass die meisten Schafe in Norddeutschland auf dem Deich leben. Zudem werden verhältnismäßig wenig Fleisch- oder Milchprodukte beider Tierarten konsumiert. Im Jahr 2020 wurden von 179.887 Schafen 29.124 Tiere in Biobetrieben gehalten, was einen Ökoanteil von 16 Prozent macht. Rund 28 Prozent aller in Niedersachsen lebenden Ziegen stammen aus ökologischer Landwirtschaft. Von 9.789 Tieren sind das 2.765. Mit Fug und Recht kann man daher behaupten: mehr als jede vierte Ziege ist Bio.

Mit Material von haz
In der Diskussionsrunde sprachen (v. li.) Dr. Stephan Kruse (Vion), Jan-Gerd Ahlers (LAND & FORST), Bernd Lüttmann (Lely), Christa Diekmann-Lenartz (LAND & FORST), Dr. Holger Hennies (Landvolk), Maren Diersing-Espenhorst (LAND & FORST), Eduard Eissing (Topigs), Axel Escher (CRV) und Christian Schmidt-Hamkens (dlv) über die Zukunft der Tierhaltung.

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