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Christian Mühlhausen | am

Borkenkäfer: Niedersachsens Fichten in Gefahr

Den Fichtenwäldern in Niedersachsen droht eine „Kalamität ungeahnten Ausmaßes“: Massiv auftretende Borkenkäfer zerstören das Holz.

Nichts weniger als „die zweite Naturkatastrophe dieses Jahres“ bezeichnet Michael Degenhardt, Leiter des Forstamtes Südniedersachsen der Landwirtschaftskammer (LWK), das derzeit im Wald herrschende „große Fressen“. Nach den Sturmschäden im Januar durch Orkantief Friederike bot das Windwurfholz beste Bedingungen für die Borkenkäfer.

Die grassierende Borkenkäferplage sei eine Folge des Dürresommers und eine „Kalamität ungeahnten Ausmaßes“, sagte er vergangene Woche am Rande einer Waldbesitzerfortbildung in Lamspringe. Europaweit spricht man von 20 Millionen (Mio.) Festmeter „Käferholz“.

220.000 Festmeter Käferholz in Niedersachsen

Das Käferholz drängt auf einen ohnehin übersättigten Markt, die Holzpreise sind im Keller. Erste Sortimente können bereits nicht mehr kostendeckend aufgearbeitet werden.

Das bedeutet: Die Waldbesitzer legen drauf beim Holzeinschlag. Zudem sind forstliche Lohnunternehmer und Holzfuhrleute wegen noch nicht abgeschlossener Sturmholzaufarbeitung schwierig zu bekommen.

  • Die LWK Niedersachsen rechnet derzeit mit 220.000 Festmetern Käferholz in den von ihr betreuten Wäldern.
  • Davon befinden sich allein 100.000 Festmeter im Forstamt Südniedersachsen.
  • Die Landesforsten Niedersachsen beziffern ihr Käferholz auf 300.000 bis 500.000 Festmeter.
  • Auch hier ist Südniedersachsen mit Harz und Solling besonders betroffen.
  • Hinzu kommen noch 200.000 Festmeter von anderen Waldbesitzern (Klosterforst, Stadtforste sowie nicht über die LWK betreuter Privatwald).
  • Für Niedersachsen ist insgesamt mit etwa einer Million Festmeter Käferholz zu rechnen. Betroffen ist überwiegend die Fichte, aber auch Lärchen.

Waldbesitzer resigniert

    „Die massiven Schadensbilder durch den Borkenkäfer in den südniedersächsischen Wäldern führen zu einer schweren materiellen, vor allem aber auch emotionalen Betroffenheit der Waldbesitzer“, sagt Dr. Bernd von Garmissen, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Südhannover.

    Der Waldbesitzer ist im Solling selbst stark betroffen. Die Kombination der Sturmereignisse, der Dürre und des aktuellen Käferbefalls führe vielfach zu tiefer Resignation. „Wir müssen erreichen, dass die Waldbesitzer nicht die Hoffnung verlieren und an der Erhaltung und dem Wiederaufbau ihres Waldes glauben.“

    Hilfen für Borkenkäfer-Monitoring, Bekämpfung und Fangvorrichtungen

    Kurzfristig würden daher erhebliche Hilfen bei der Käferbekämpfung im kommenden Frühjahr benötigt, etwa für das Monitoring, die Bekämpfung und für Fangvorrichtungen. Außerdem brauche man nachhaltige und unkomplizierte Unterstützung bei der Wiederherstellung eines ökonomisch und ökologisch stabilen Waldes.

    Der Anbau der Fichte sollte jedoch nicht grundsätzlich verteufelt werden, warnte von Garmissen: „Wir hatten in diesem Jahr eine sehr unglückliche Verkettung einzigartiger Wetterkonstellationen. Diese können aber keinen verlässlichen Rückschluss auf das Wetter und damit auf den Waldbau von morgen geben, auch wenn man grundsätzlich einen Klimawandel erwartet.“

    Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 39/18.

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