Baumstamm mit typischen Spuren von Borkenkäfern
Janina Schuster | am

Mit Duftstoffen gegen den Borkenkäfer

Der Borkenkäfer befällt und beschädigt weite Teile unserer Wälder und hat Auswirkungen auf ganze Wirtschaftszweige. Wie man ihn bekämpfen kann, ohne zu chemischen Insektiziden greifen zu müssen, zeigen nun Forscher auf.

Vier Jahre lang lief das Waldklimafonds-Verbundprojekt namens "bioProtect". Dort entwickelte und testete ein Forscherteam verschiedene Verfahren der insektizidfreien Borkenkäferregulation. Die Ergebnisse zeigen teilweise hohe Wirkungsgrade von naturnahen Verfahren auf. Insektizide zur Bekämpfung des Borkenkäfers erfahren in der Gesellschaft immer weniger Akzeptanz, weshalb die Erforschung alternativer Möglichkeiten eine unumgängliche Konsequenz war. Das Forschungsteam, bestehend aus Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität Dresden, der Georg-August-Universität Göttingen und der Ostdeutschen Gesellschaft für Forstplanung mbH konzentrierte sich vor allen Dingen auf die Adressierung eines Sinnesorgans: der "Nase" der Borkenkäfer und seiner Gegenspieler.

Vergrämen und Locken

Die Idee: mit Duftstoffen Nützlinge anlocken, die als natürliche Feinde des Borkenkäfers gelten sowie diesen mit anderen Lockstoffen vergrämen. Alles ganz natürlich. Das Team erprobte Vergrämungs- und Lockstoffpräparate für verschiedene Borkenkäferarten und deren Gegenspieler. In Freilandversuchen wurde deren Wirkungsgrad ermittelt. Lockstoffe dienten dazu, Fressfeinde des Käfers anzuziehen, die dann wiederum zur Eindämmung des Borkenkäfers beitragen würden. Auf der anderen Seite wurden Vergrämungsstoffe getestet, die anfliegende Borkenkäfer verwirren sollte, um beispielsweise Holzlager im Wald zu schützen.

Nützlinge anziehen, Borkenkäfer abschrecken

Es ist bekannt, dass Insekten über chemische Botenstoffe kommunizieren und sich an ihnen orientieren. Das können Pheromone sein, die innerartlich genutzt werden oder aber flüchtige Pflanzenduftstoffe, die pflanzenfressende Insekten anlocken. Das funktioniert dementsprechend auch auf der Seite der Gegenspieler. Dieses Prinzip macht sich das Forschungsteam zunutze. So genannte Allochthone Kairomone, also art- und lebensraumfremde Lockstoffe, sollen Gegenspieler anziehen. Dazu gehört unter anderem der Ameisenbuntkäfer. Gleichzeitig darf der Lockstoff keine weiteren Borkenkäfer anlocken.

Käfer mittels Botenstoff lenken

Ein weiteres Ziel der Forscher ist die die Vergrämung der Borkenkäfer. Dabei werden bestimmte Botenstoffe eingesetzt, um die Käfer zu lenken. Die Methode wurde in einem Vorgängerprojekt entwickelt. Im aktuellen Projekt konnte die Palette an Wirkstoffen erweitert werden. Dabei werden die Duftstoffe eingesetzt, um die Borkenkäfer zu verwirren und ihnen vorzuspielen, dass der anvisierte Brutraum ungeeignet ist. Der behandelte Baum würde somit gar nicht erst befallen.

Forscher hoffen auf Marktreife in wenigen Jahren

Projektleiter Professor Dr. Michael Müller hofft, dass die Weiterentwicklung in "bioProtect" dazu beiträgt, dass umweltverträgliche Methoden zur Regulierung von möglichen Schadinsekten demnächst marktreif werden können. "Dann kaufen Waldbesitzer im Fachhandel keine Insektizide, sondern naturnahe Stoffe, die sie an Rohholzlagern im Wald anbringen", so der Leiter der Professur für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden. Ein großer Vorteil der entwickelten Verfahren ist ihre einfache Handhabung: statt großflächig sprühen zu müssen, lassen sich die Stoffe mittels Ampullen an den jeweilig gewünschten Ort anbringen und auch wieder entfernen.

Mit Material von Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
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