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Emsland: Schafwolle für den Waldboden

Der Waldboden ist das vielleicht wichtigste Kapital der Forstwirtschaft. Um ihn zu nähren und sein Wasserhaltevermögen zu verbessern, wagen Waldbesitzer/innen im Emsland im Zuge von Aufforstungen ein wolliges Experiment.

Was tun, wenn sich der Waldboden nicht nur als nährstoffarm, sondern auch als schlechter Wasserspeicher entpuppt? Diese Frage stellt sich nicht erst seit nunmehr drei heißen und trockenen Jahren. Aktuell war dieses Problem im Grunde schon immer, große Kalamitätsflächen und weitere zu erwartende Trockenjahre machen die Suche nach Antworten aber so dringend wie nie zuvor.

Auf den armen Waldstandorten der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Lohne-Elbergen dominiert aus gutem Grund bisher die trockenheitstolerante Kiefer. Vor allem den Lärchen haben die Extremsommer in 2019 und 2020 stark zugesetzt. Die Schadflächen sollen nun im Laufe der nächsten Jahre wieder aufgeforstet werden.

Baumarten müssen zum Standort passen

Dazu werden vorbereitend die folgenden Überlegungen angestellt und Schritte unternommen:

  • Standortkartierung und Baumartenwahl: Besonders in den ersten Jahren einer Kultur kann Wassermangel zu hohen Ausfällen führen – umso häufiger, wenn der Standort nicht für die jeweilige Baumart geeignet ist. Deshalb wird die Wahl der passenden Baumarten gründlich geplant und zwar auf der Basis einer stichhaltigen Standortkartierung.
  • Pflanzverfahren: Bei der Pflanzung selbst gewinnt im Zuge des Klimawandels eine alte Regel noch mehr an Bedeutung: Pflanzverfahren und Pflanzgerät sind an die Pflanze (vor allem die Wurzeln) anzupassen, nicht umgekehrt; denn nur ein intaktes und gesundes Wurzelwerk kann die Versorgung eines Baumes mit Nährstoffen und vor allem mit Wasser über mehrere Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte sicherstellen.

Wollige Humusnahrung speichert Wasser

Im Gartenbau finden schon längere Zeit Wollpellets Anwendung, entweder direkt ins Erdreich eingemischt oder nur auf die Erde gestreut. Ihr Vorteil: Die Wolle enthält Nährstoffe und kann etwa das Drei- bis Vierfache ihres Eigengewichts an Wasser speichern, noch dazu ist es ein "nachwachsender" Rohstoff. Warum sollten diese Eigenschaften nicht auch im Wald ihre Wirkung entfalten?

Variante Wollpellets: Um dies herauszufinden, bezog die FBG Lohne-Elbergen eine Probelieferung dieser Pellets über einen Hersteller aus Süddeutschland. Bei zwei kleinen Douglasienplanzungen (40 bis 70 cm) Ende 2020 wurde ein Teil des Materials in die Pflanzlöcher eingebracht. Gepflanzt wurde entweder mit dem Hohlspaten oder dem Bagger.

Wollpellets lassen sich besser dosieren

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  • Variante lose Wolle: Versuchsweise wurde bei einigen Pflanzen auch lose Wolle ins Pflanzloch eingebracht, die über den Schäfer Gerfried de Lange aus Neerlage bezogen werden konnte. De Lange züchtet erfolgreich Bentheimer Landschafe und Coburger Fuchsschafe, steht aber wie viele andere Schäfer vor dem Problem, dass der Verkauf der Wolle kaum die Kosten für die Schur deckt.

Schnell wurde deutlich, dass sich die Wollpellets wesentlich besser dosieren lassen als die rohe Wolle und die Arbeit dadurch schneller von der Hand geht.

Nullvariante: Um später einen Vergleich herstellen zu können, blieben einige Douglasien bei der Pflanzung „ohne Wollzugabe“.

Sämtliche Pflanzen wurden mit einem Tonkinstab vor etwaigen Fegeschäden geschützt. Gleichzeitig wurde der Stab genutzt, um die drei Versuchsvarianten farbig zu markieren und später unterscheiden zu können.

Fazit

Im kommenden Frühjahr wird sich hoffentlich erstmalig zeigen, ob und wie stark sich die Zugabe von Wollpellets auf das Wachstum und vor allem etwaige Pflanzenausfälle auswirkt.

Aus dem Feldversuch lassen sich eventuell erste Erkenntnisse für die Praxis vor Ort ziehen, die bei zukünftigen Projekten berücksichtigt werden können. 

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