Drei Personen Besprechung im Wald
Heidrun Mitze | am

Forstfachliche Beratung auf dem Prüfstand

Bisher haben LWK- und Landesforsten-Förster alle privaten Waldbesitzer und Genossenschaften Niedersachsens kostenfrei beraten. Eine Beihilfe des Landes machte dies möglich, doch EU-Beihilferegeln verbieten nach Ansicht der Landesregierung diese Praxis.

Die Zukunft der forstlichen Beratung in Niedersachsen ist ungewiss. Bislang können sich Privatwaldbesitzer durch die Förster der Landwirtschaftskammer und der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) kostenfrei fachlich beraten lassen, weil das Land Niedersachsen für diese Dienstleistung eine erhebliche Beihilfe gewährte. Die Möglichkeit, die Försterin oder den Förster vor Ort um Rat bitten zu können, hat sich besonders in Zeiten anhaltender Waldkrisen als wichtige Stütze erwiesen.

Kostenfrei ist allerdings nur die Beratungsleistung; für die fachliche Betreuung beziehungsweise Beförsterung müssen Waldbesitzer ein Entgelt an LWK bzw. NLF entrichten.

Kürzungen der Mittel

Dass die Praxis der Beratungsbeihilfe durch das Land so nicht bleiben könne, erklärte Ina Abel vom Forstreferat des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums anlässlich der Bezirksversammlung des Waldbesitzerverbandes in Hannover. Dort kündigte sie drastische Kürzungen der Mittel an.

Ab dem Jahr 2022 soll die bisherige Offizialberatung auf das Niveau einer Telefonberatung zurückgefahren und die freiwerdenden Mittel als direkte Förderung an die Waldbesitzer ausgezahlt werden.

Insgesamt 7,4 Millionen Euro pro Jahr betragen bisher die Zuschüsse des Landes. Davon erhält die Landwirtschaftskammer 4,5 Millionen Euro. Deren 131 Bezirksförsterinnen und -förster gewährleisten die Beratungsleistung für insgesamt 560.000 ha Privatwald. Der Rest geht an die Niedersächsischen Landesforsten, die die Beratung weiterer 80.000 ha Privatwald im Eigentum von Genossenschaften wahrnehmen.

Beratungsbeihilfe nicht EU-konform?

Die bisherige Praxis der Beratungsbeihilfe soll deshalb nicht beibehalten werden, weil sie nach Ansicht des Landwirtschaftsministeriums eine indirekte Förderung des Privatwaldes darstellt. Das sei nicht EU-konform.

Die speziellen Bedingungen des EU-Beihilferahmens würden nicht eingehalten. Es drohten ein förmliches Prüfverfahren der EU sowie hohe Rückzahlungsforderungen. Daher wird nach Ministeriumsauffassung eine Umgestaltung in eine direkte Förderung unumgänglich.

Vertreter des Privatwalds (Waldbesitzerverband Niedersachsen, Forstbetriebsgemeinschaften) und der LWK sind da anderer Meinung. Ziel des Waldbesitzerverbandes ist eine neue Förderrichtlinie, die allen Privatwaldbesitzern weiterhin eine kostenfreie Beratung ermöglicht. Deshalb hat der Verband inzwischen ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben.

 

 

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