Sägewerk
Heidrun Mitze | am

Holzabnehmer: Des Waldbesitzers Kunde

Das Unternehmen Egger in Brilon gehört zu den großen Playern der holzverarbeitenden Branche. Mit dem technischen Leiter des Sägewerks, Paul Lingemann, sprachen wir über Anpassung und Partnerschaft in stürmischen Zeiten.

Ihre Lieferanten, die Waldbesitzer, stecken in großen Schwierig-keiten. Mengen an Kalamitätsholz müssen auf dem Markt zu sehr niedrigen Preisen abgesetzt werden. Was tun Sie, um Ihren Geschäftspartnern zu helfen?

Unser Unternehmen sieht die Waldbesitzer als Partner. Wir suchen deshalb nach bestmöglichen Lösungen für beide Seiten. All jene, die uns auch in Zeiten beliefert haben, als Mangel an Nadelholz herrschte, wollen wir nicht hängenlassen. Des- halb übersteigt derzeit die Holzabnahme unsere Sägekapazitäten.

Für einen Teil der Mengen haben wir am Werk ein Trockenlager geschaffen. Wegen der Entwertung kann das Holz hier aber höchstens ein halbes Jahr gelagert werden. Die Preise werden meist für die zu erwartende Qualität ausgehandelt. Zudem haben wir Nasslager für 40.000 m³ errichtet, die aber derzeit auch an ihre Grenzen stoßen. Und nicht zuletzt haben wir einen Teil des überschüssige Holzes nach Österreich durchgehandelt, ohne selbst daran zu verdienen. Auf diese Weise konnten wir den Abfluss des Holzes beschleunigen.


 

Sie leiten ein Fichte und Kiefer verarbeitendes Sägewerk, das derzeit riesige Kapazitäten benötigt. Auf absehbare Zeit könnte Ihnen aber zumindest hierzulande der Rohstoff ausgehen. Wie gehen Sie mit solchen Angebotsschwankungen um?

In Deutschland haben wir seit Jahren einen Überhang an Sägewerkskapazitäten. Viele Betriebe konnten die Kapazitäten nicht auslasten und mussten größere Transportentfernungen in Kauf nehmen. Auch unser Einkaufsradius wird wohl wieder steigen, gegebenenfalls bis hin zum Import von Kalamitätsholz aus dem nahen Ausland. Das Sortiment werden wir um weitere Holzarten erweitern müssen, damit eine Auslastung gegeben ist. Auch werden mehr Lagerkapazitätspuffer zur Konservierung in Kalamitätszeiten notwendig werden.

Gibt es weitere Zukunftspläne?

Ja, wir entwickeln eine exaktere Vorsortierung am Rund- holzplatz, um eine höhere Wertschöpfung zu generieren – die optimalen Produkte für jeden Stamm. Des Weiteren beteiligen wir uns an Forschungsprojekten, z.B. mit der HAWK Göttingen, die auf die Nutzung weiterer Nadelbaumarten abzielen. Der Boom im Holzbau wird zu weiteren Innovationen führen. Besonders der klimaschützende Aspekt, dass verbautes Holz CO2 speichert, wird die stoffliche Nutzung von Holz unterstützen. Diese Entwicklung wollen wir im Sägewerk und in unserer gesamten Produktpalette mitgestalten.

Sehen Sie ein Ende des Preistals?

Aufgrund der katastrophalen Entwicklung der Käferpopulation in vergangenen Wochen ist das Überangebot nochmals gestiegen, bei sich gleichzeitig eintrübenden Absatzmöglichkeiten. Ich sehe die Gefahr, dass eine weitere Absenkung der Preise die Motivation der Waldbesitzer zur erwerbswirtschaftlichen Nutzung der Wälder nachhaltig belastet. Vor diesem Hintergrund hoffe ich auf eine nachhaltige Preisgestaltung durch die holzverbrauchende Industrie.

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