Durch Trockenheit geschädigte Fichten
Christel Grommel | am

Holzindustrie besorgt: Dürrejahr und Waldbrandgefahr

Die Holzindustrie in Deutschland fürchtet ein massives Baumsterben durch Trockenheit. Zudem ist die Waldbrandgefahr extrem hoch, und das bereits im Frühling.

Der so dringend fehlende Regen gefährdet nach Einschätzung der deutschen Holzindustrie die langfristige Rohstoffgrundlage der Branche. "Sollte die Trockenheit anhalten, kann es zu massivem Baumsterben in Deutschland kommen", warnte der Hauptgeschäftsführer Ohnesorge vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie. Forstwirtschaft und Holzindustrie seien deshalb "extrem besorgt".

Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes sind im April bisher nur rund fünf Prozent der üblichen Regenmenge gefallen. Und schon in den letzten beiden Jahren hätten die Wälder unter extrem hohen Temperaturen, Niederschlagsmangel und Schädlingsbefall gelitten, so Ohnesorg. "Ein weiteres Dürrejahr würde den Wald und die Waldbesitzer als Lieferanten der Holzindustrie umso härter treffen und könnte tragische Konsequenzen haben."

Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) befürchtet in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Waldschäden aufgrund von Trockenheit, den zwei zurückliegenden Hitzesommern und Schädlingen, die wegen des Wetters ideale Bedingungen für ihre Vermehrung haben. 

Die Schäden aus 2018 und 2019 sind bereits hoch: 245.000 Hektar sind geschädigt, rund 90 Prozent des Schadholzes entfielen dabei auf Nadelholz, vorwiegend Fichten. Vor allem in den Mittelgebirgen werde sich damit das Landschaftsbild massiv ändern und die ökologische Leistungsfähigkeit der Wälder sinken, mahnte der Nabu.

Sowohl der Nabu als auch der Verband fordern, Maßnahmen "konsequent auf Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaftsweisen" auszurichten. Neue, angepasste Laubmischwälder seien notwendig. 

Otte-Kinast: Passen Sie auf den Wald auf

Ministerin Otte-Kinast ist ebenfalls besorgt um den Wald, denn die Waldbrandgefahr steigt durch Trockenheit und Wind. In einigen Bereichen Niedersachsens gilt bereits die höchste Warnstufe 5. Noch nie gab es so früh im Jahr so viele Warnmeldungen bei der Waldbrandzentrale in Lüneburg.

Forstministerin Barbara Otte-Kinast appelliert eindringlich an Waldbesucher: „Bitte passen Sie auf unseren Wald auf! Wer gegen das Rauchverbot verstößt, setzt mutwillig die Natur aufs Spiel und gefährdet Mensch und Tier."

Prävention sei besonders wichtig. Otte-Kinast dankte den zahlreichen freiwilligen Feuerwehrleuten, die sich für einen Einsatz bereithalten und auch den Landwirten, die zum Beispiel ihre Güllefässer befüllen und so beim Wassertransport helfen.

Die Waldbrandzentrale in Lüneburg ist seit dem 16. März wieder besetzt. Dort laufen die Bilder des kameragestützten Waldbrandfrüherkennungssystem (AWFS) zusammen. Der Harz wird verstärkt aus der Luft überwacht.

Landwirtschafts- und Innenministerium haben gemeinsam mit dem Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) die Waldbrandeinsatzkarten (WBEK) für die mittel- und hochwaldbrandgefährdeten Gebiete in Niedersachsen und damit für ein Drittel der Waldfläche aktualisiert. 2019 wurde durch das Innenministerium auf Landesebene eine Expertenkommission eingerichtet, um Gesamtsystem und die sich ergebenden Wechselwirkungen (Waldbrandvorsorge und -bekämpfung) zu analysieren und Empfehlungen daraus abzuleiten.

Als Baustein zur Waldbrandvorsorge startete man vor 25 Jahren mit einem Strategiewechsel zum naturnahen Waldumbau. Ziel ist die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern. So wird auch die Waldbrandgefahr gemindert, die in Nadelwäldern erhöht ist. Der Nadelwaldanteil im Ostniedersächsischen Tiefland liegt derzeit noch bei 70 Prozent.

Mit Material von dpa und ML
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