on_Fichtenrundholz_Holzpolter_Stirnholz
Christel Grommel, Michael Degenhardt | am

Holzknappheit verschärft sich trotz steigender Preise

Noch vor Kurzem war der Markt überschwemmt mit Nadelholz zu Niedrigstpreisen. Jetzt aber herrscht eine Knappheit auf dem Holzmarkt mit sehr hohen Preisen.

Der Markt für Bauholz ist in Deutschland leer, die Preise für Konstruktionsholz haben sich verdoppelt. Sogar Preisanstiege zwischen 100 und 300 Prozent bei Sparren, Brettern und Balken sind dabei keine Seltenheit. Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz (AGR) warnt nun davor, dass die Situation noch schlimmer werden könnte. 

Der Grund ist eine vom Bundesrat im März beschlossene Verordnung. Durch sie wird der Fichteneinschlag im Forstwirtschaftsjahr 2021 auf 85 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 begrenzt. Die Einschlagsbeschränkung gilt rückwirkend ab dem 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021.

Das politische Instrument, eigentlich gedacht zur Beruhigung des Marktes und zur Stabilisierung der Preise nach dem sehr hohen Anfall von Schadholz in den vergangenen Jahren, wird nach Einschätzung der AGR wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte wirksam. Dann werden viele Forstbetriebe ihre Quote ausgeschöpft haben. Gleichzeitig zur hohen Marktnachfrage käme es dann zu einer künstlichen Verknappung des Rohstoffangebots.

Einschlag kann nur begrenzt gesteigert werden

Aus Sicht der AGR hat sich die Lage am Holzmarkt gedreht: In vielen Waldgebieten seien die Schäden der letzten Jahre mittlerweile aufgearbeitet. Die im Wald eingerichteten Zwischenlager leerten sich schnell. Ebenso schnell leeren sich die Vorratslager der verarbeitenden Industrie, die unter Hochdruck versucht, auf die große Nachfrage nach ihren Produkten zu reagieren.

Durch die gesetzliche Einschlagsbeschränkung können die Forstbetriebe den Einschlag von Frischholz aber nur begrenzt steigern.

"2018 oder 2019, als sich die großen Waldschäden abgezeichnet haben, hätte die Einschlagsbeschränkung vielleicht noch etwas gebracht, nun greift der Staat zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt in den Markt ein", warnt AGR-Präsident Leonhard Nossol. Forstbetriebe könnten trotz hoher Preise bald kein Fichtenholz mehr verkaufen und der Industrie werde die Rohstoffversorgung abgeschnitten. "Noch könnte man gegensteuern und sollte die Einschlagsbeschränkung schnellstmöglich aufheben", fordert Nossol.

Das führt zur Holzknappheit

Der Holzmarkt in Deutschland ist wesentlich von der gesamtwirtschaftlichen Lage unseres Landes abhängig. Die wiederum steht weiterhin stark unter dem Einfluss der Coronavirus-Pandemie. Einige Branchen befinden sich dennoch im Aufwind. Hierzu gehört die inländische Baubranche – unter anderem aufgrund der niedrigen Darlehens- und Kapitalmarktzinsen. Auch die Holzindustrie profitiert – nicht nur vom Bauboom und einem steigenden Anteil an Holzhäusern, sondern auch vom derzeit besonders gut laufenden Exportgeschäft, vor allem mit China, das ein nie dagewesenes Wirtschaftswachstum erlebt, sowie ebenfalls mit den USA. Deutsche Sägewerke verzeichnen einen starken amerikanischen Nachfrageanstieg für Nadelschnittholz und das hat mehrere Gründe:

  • Die Bautätigkeit wird durch staatliche Hilfsprogramme gestützt.
  • Aufgrund des Lockdowns boomt der DIY-Bereich (Do-it-yourself, Baumärkte).
  • Die Lieferungen von üblicherweise aus Kanada importiertem Nadelschnittholz sind ins Stocken geraten. Gründe sind eine extreme Vermehrung des Bergkiefernborkenkäfers in Kanada, dem allein in British Columbia eine Fläche von 180.000 ha zum Opfer gefallen sein soll, sowie Produktionseinbrüche der kanadischen Sägewerke wegen der Coronavirus-Pandemie.

Aufgrund dieses Engpasses können deutsche Sägewerke in den USA für Schnittholz mehr erlösen, als bei Lieferungen in den heimischen Markt – und das bei geringeren Qualitätsanforderungen. Die Folge: eine Verknappung des Nadelschnittholzes für Bauunternehmen und Zimmereien in Deutschland und extrem lange Lieferfristen von bis zu 28 Wochen. Viele Bauprojekte werden wegen des Holzmangels nicht fristgerecht begonnen oder fertiggestellt werden können. Die Preisspirale bewegt sich zugunsten der Sägewerke weiter nach oben. 

imago0114596032h.jpg

Holz nur zu fairen Preisen verkaufen

Angesichts dieser Situation ruft der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) Georg Schirmbeck die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in Deutschland dazu auf, ihr Holz nur zu fairen Preisen zu verkaufen. "Es kann nicht sein, dass Waldbesitzer seit längerem unter einem schlechtem Holzmarkt leiden, teilweise drauf gezahlt haben und steuerfinanzierte Hilfsprogramme benötigen, um den Wald an den Klimawandel anzupassen, um auch in Zukunft den Rohstoff Holz langfristig bereitstellen zu können. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage sehr hoch und die Marktpreise für Schnittholz sind stark gestiegen, die bei den Waldbesitzern aber einfach nicht ankommen", betont Schirmbeck.

Die Sägeindustrie und der Holzhandel generierten in der aktuellen Situation zusätzliche Einnahmen, die sie nicht an die Waldbesitzer weitergäben, so Schirmbeck. Dabei würden Marktgerechte Holzpreise besonders jetzt helfen, den Wald und seine Funktionen für die Gesellschaft zu erhalten und ihn an den Klimawandel anzupassen. 

Mit Material von AGR, LWK Niedersachsen
Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert

Mehr zu diesem Thema

 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Die Zuckerrübenernte ist gestartet!
  • Vorstellung der Waldstrategie 2050
  • Kartoffelfeldtag in Dorstadt: Anbauverfahren und Pflanztechnik
  • Digitalisierung im Kuhstall

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen