Vom Borkenkäfer befallener Wald
Heidrun Mitze | am

Die Jungkäfer sind reif für den Ausflug

Wie erwartet, sind im Frühling große Massen an Borkenkäfern in die Bestände eingefallen. Der verbleibende kurze Zeitraum bis zum Ausflug der Jungkäfer kann noch genutzt werden, um die Vermehrung zu entschleunigen.

Die Prognosen der Waldschutzexperten der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) sind eingetroffen. Nachdem sehr viele Borkenkäfer in Fichtenwäldern überwintert hatten, ist es auch in diesem Frühjahr zu einem starken Befall, vor allem mit Buchdruckern (Ips typographus), gekommen. Wie die Wissenschaftler in ihrer jüngsten Waldschutzinfo berichten, setzten nach kältebedingten Verzögerungen vor allem um Pfingsten herum starke Schwärmflüge ein. Extreme Mengen vitaler Käfer trafen auf Fichten, die gegenüber den Vorjahren immerhin besser wasserversorgt und damit abwehrbereiter waren.

Harzen ist deutliches Merkmal

Das Harzen, als Reaktion der Bäume auf Befall, dürfte deshalb bei der Kontrolle in den Beständen ein wieder deutlich häufiger auftretendes Merkmal sein und besser erkennbar als lediglich die Spuren von Bohrmehl. Trotz der wiedergewonnenen baumeigenen Gegenwehr kam es binnen weniger Tage zu sehr umfangreichem frischem Stehendbefall, der sich von Beginn an nicht nur auf die Bestandesränder beschränkte, sondern sehr schnell ins Innere der Bestände verlagerte.

Massive Überbesiedlung

Buchdrucker-Brutbild-Überbesiedlung

Die Wissenschaftler beobachteten eine massive Überbesiedelung der meisten Bäume schon in den ersten Befallstagen und in der Folge Geschwisterbruten. (Dabei versuchen die Weibchen, noch nicht gelegte Eier in Brutsystemen von Bäumen unterzubringen, die weniger überbesiedelt sind.) Trotz dieser Verhältnisse wird insgesamt mit großen Bruterfolgen und vielen Jungkäfern gerechnet.

Stellenweise wurden Überflüge größerer Mengen schwärmender Käfer (zumeist passive Verdriftungen mit dem Wind) in bisher weniger betroffene Gebiete beobachtet. Aus einigen Revieren erhielt die NW-FVA Berichte von Stehendbefall "aus dem Nichts" in historischem Ausmaß und das trotz intensiver und erfolgreicher Sanierung der Schäden aus 2020. In einigen Befallsschwerpunkten weichen die Käfer auch auf jüngere Fichtenaltersklassen und sogar auf junge Kulturen aus, weil sie keine besiedelbaren Altfichten mehr finden. Mancherorts werden auch andere Baumarten wie Douglasie, Lärche und Kiefer befallen.

Den Befall erkennen

Buchdrucker-Brutentwicklung-Julil

Laut der Waldschutzinfo ist in den wärmeren Lagen mit dem Ausflug der ersten Jungkäfer etwa ab Mitte Juli zu rechnen, die großen Käfermengen werden eher Ende Juli erwartet. Um die exponentielle Vermehrung zu verhindern, sollten sich, soweit es die Arbeitskapazitäten erlauben, bis dahin alle Maßnahmen darauf konzentrieren, befallene Bäume aufzuspüren und die Bruten unschädlich zu machen, vor allem durch Einschlag und Räumung aus dem Wald oder, wo möglich, durch Entrindung, rät die NW-FVA. Da sich der Großteil der Käfer im Bestandesinneren orientiere, sei der Einsatz von Fangsystemen in der Regel jetzt nicht mehr effektiv.

Erfolglose Kupferstecher

Eine bedeutende Unterstützung durch natürliche Regulatoren und Gegenspieler der Borkenkäfer gibt es offenbar nicht, denn anders als im vergangenen Jahr, kommen Parasitierungen beziehungsweise kränkelnde Larven (wegen schlechter Nahrungsqualität der Fichtenrinde) so gut wie nicht vor. Häufiger zu finden sind allerdings Jagdkäfer; doch die Wissenschaftler gehen nicht davon aus, dass sie den Bruterfolg der Borkenkäfer wesentlich beeinflussen.

Etwas sonderbar ist das von den Experten festgestellte Verhalten der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus). Trotz enormer Mengen schwärmender Käfer scheinen häufig keine erfolgreichen Besiedlungen stehender Bäume zu gelingen. Dagegen wird gefälltes (Buchdrucker-)Holz oft nach wenigen Tagen im unteren Stammbereich zum Teil massiv durch Kupferstecher besiedelt.

Kernbohrende Arten

Borkenkäfer sind bei Weitem nicht die einzigen Schädlinge, mit denen es unsere Waldbäume zu tun bekommen. Immer häufiger treten auch kernbohrende Käferarten auf.

Derzeit schwärmt massiv die Sommergeneration des Eichenholzbohrers (Xyleborus monographus) – gut erkennbar an den kleinen weißen Bohrmehlhäufchen und etwa 1,2 mm große Löchern an Eichen-Resthölzern aus dem Wintereinschlag. Die sich jetzt einbohrende Käfer dürften sich vorerst auf den Splintbereich beschränken, der technische Schaden ist noch begrenzt.

Schwärmbeginn Eichenkernkäfer

Auch der Schwärmbeginn des Eichenkernkäfers (Platypus cylindrus) steht bevor. Die Flugzeit zieht sich bis in den September. Außer Eichen besiedelt er auch das Holz von Buchen, Ulmen, Eschen, Walnuss und Esskastanie. Sicher zu Erkennen ist die Besiedlung (stehend wie liegend!) etwa ab Ende Juli/Anfang August. Bis dahin ist das Bohrmehl noch körnig und damit ähnlich dem anderer Arten. Sobald die Rinde durchdrungen ist, treten größere Mengen weißes, oft faseriges, feinspaniges Bohrmehl aus. Erkannter Stehendbefall sollte gekennzeichnet und zunächst beobachtet werden, rät die NW-FVA. Bei starkem Befall könne die Entnahme zur Sicherung der Holzqualität sinnvoll sein.

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