Mischwald aus Froschperspektive
Meinung | Heidrun Mitze | am

Kein Klimaschutz ohne Wald

In der vergangenen Woche stellte Julia Klöckner eine geplante Waldklimaprämie vor und kommt damit den lange gehegten Forderungen von Eigentümerverbänden nach. Doch damit sind nicht alle Probleme gelöst.

Liebe Waldfreundinnen und Waldfreunde, es hat Jahre und Waldkatastrophen gebraucht, bis sich auch in der Bundesregierung die Erkenntnis durchsetzen konnte, dass beim Kampf gegen die Erderwärmung CO2-Einsparungen allein nicht ausreichen, sondern der Wald unverzichtbarer Teil der Lösung ist. Das offenbart auch eine im Jahr 2019 erschienene Klimastudie der Technischen Hochschule Zürich, nach der massive globale Aufforstungen das Potenzial haben, zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aufzunehmen.

Honorierungsmodell für den Klimaschutz Wald

Nachdem der Wald in den vergangenen Jahren selbst zum Opfer wurde und zahlreiche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer für Jahrzehnte kaum noch Einnahmen aus dem Holzverkauf zu erwarten haben, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Julia Klöckner reagiert und ein Honorierungsmodell für die Klimaschutzleistungen des Waldes vorgelegt.

Geld für Pflege klimaresilienter Wälder

Beim zweiten nationalen Waldgipfel in der vergangenen Woche stellte sie eine geplante Waldklimaprämie vor und kommt damit den lange gehegten Forderungen von Eigentümerverbänden nach. Wird das Modell umgesetzt, was für die laufende Legislaturperiode nicht mehr zu erwarten ist, kann in Zukunft nicht nur mit dem Holzverkauf Geld verdient werden, sondern auch mit der Entwicklung und Pflege klimaresilienter Wälder. Für diese Leistungen soll ein Sockelbetrag in Form einer Flächenprämie gezahlt werden. Dieser kann durch Nachweis einer erhöhten CO2-Speicherleistung – beispielsweise bei der Holzverwendung in langlebigen Holzprodukten – weiter aufgestockt werden.

Nicht bis zum Ende gedacht

Mit der wichtigen Unterstützung hat das Ministerium zwar noch rechtzeitig reagiert, den Plan jedoch nicht bis zu Ende gedacht. Denn für den Erhalt der Prämie benötigen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer nicht mehr als ein Zertifikat für eine nachhaltige Bewirtschaftung, etwa auf Grundlage der Systeme PEFC oder FSC.

Was deren Regelwerke aber nur bedingt leisten, sind beispielsweise differenzierte Vorgaben für eine standortangepasste Baumartenwahl, wie sie die niedersächsische Waldbaurichtlinie vorschreibt. Wenn jetzt auf diese Erkenntnisse aus Forstwissenschaft und Klimaforschung verzichtet wird, verringern sich die Chancen, dass die Kulturen auch in einigen Jahrzehnten noch den dann herrschenden Bedingungen standhalten und die investierten Fördermittel könnten in der Hitze des Klimawandels vergehen.

Es fehlt an Fachkräften

Daraus resultiert eine weitere Schwäche des Referentenentwurfs. Es mangelt an geschulten Fachkräften, die den notwendigen Wissenstransfer in die Praxis gewährleisten und den klimastabilen Waldumbau erst möglich machen. Der Forstpersonalabbau der vergangenen Jahrzehnte rächt sich jetzt, doch ein Gegensteuern, wie beim Waldgipfel 2019 angekündigt, ist nicht geplant.

Im Gegenteil, in Niedersachsen soll wegen EU-rechtlicher Bedenken das bewährte Betreuungsmodell mit LWK-Förstern aufgegeben werden. Waldbewirtschafter werden deshalb künftig eine weitere bürokratische Hürde nehmen müssen und sich per Förderantrag selbst um qualifizierte Beratung und Betreuung bemühen.

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