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Heidrun Mitze | am

Kettensägenkurse für Frauen

In Fortbildungen, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind, haben diese mehr eigenes Zutrauen und fragen sich hemmungsloser schlau – eine Erfahrung, die auch zehn Teilnehmerinnen eines Kettensägenkurses machten.

Sie stehen in den unterschiedlichsten Berufen ihre Frau, sind Physiotherapeutin, Kauffrau, Lehrerin oder Gartenbaufachfrau; doch in der Forstwirtschaft, besonders im forsttechnische Bereich, sind sie fast immer in der Minderheit. Das ist umso weniger verständlich, als es beim Einsatz moderner Technik besonders auf Geschick, Besonnenheit und Reaktionsvermögen ankommt und nur bedingt auf die Muskelkraft.

Mut zur Frage!

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Annegret Wahlers-Dreeke, deren Alltag vom Umgang mit Forsttechnik geprägt ist, kennt Gründe für die Zurückhaltung der Frauen: „Viele Frauen scheuen sich in Gegenwart von Männern Fragen zu stellen, weil sie sie für zu banal halten und Kommentierungen befürchten.“

Aus Niedersachsen bis nach Bayern

Die Förderung von Frauen im Forstbereich liegt der Unternehmerin besonders am Herzen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ralf Dreeke und Sohn Marius leitet sie die Geschäftsstelle der Wahlers Forsttechnik GmbH & Co. KG im bayerischen Uffenheim und engagiert sich nebenberuflich mit Leidenschaft für die „Forstfrauen“ – seit 2002 in Form eines speziellen Schulungsprogramms mit Kettensägenkursen und Forwarderschulungen im Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrum Münchehof.

„Nach langer Covid-Auszeit konnten wir in diesem Frühling erstmalig wieder einen Motorsägenkurs veranstalten“, freut sich Wahlers-Dreeke und zwar am eigenen Unternehmensstandort im bayerischen Uffenheim. Dafür nahmen mehrere Teilnehmerinnen aus Niedersachsen eine 500 km weite Anreise auf sich. Eine davon ist Sophia Sieger aus Melle. Sie schätzt die Möglichkeit reiner Frauenschulungen: „Ich finde es besonders angenehm, in Frauenrunden zu lernen und besser nachfragen zu können“. Die 31-Jährige führt zusammen mit Ehemann Falko das Forstlohnunternehmen Wald & Wild in Melle und möchte ihren Mann bei Bedarf auch an der Kettensäge unterstützen.

Kettensägenkurse für Frauen in Niedersachsen

Auch die Landwirtschaftskammer in Osnabrück bietet zweitätige Kettensägenkurse für Frauen mit Theorie- und Praxisteil an; der Titel: „Holz für die Hütte“. Ein nächster Termin soll im Herbst stattfinden; zudem ist ein Auffrischungskurs im Frühsommer geplant sowie eventuell ein mehrtätiger Qualifikationskurs zum „Großen Motorsägenschein“. Vereinzelt werden Kettensägenlehrgänge für Frauen auch von anderen LWK-Dienststellen angeboten; so auch bei der Bezirksstelle Northeim, wie die Leiterin der Fachgruppe Bildung Katrin Arnemann noch für dieses Jahr ankündigt.

Die Nachfrage nach dem rein weiblichen Bildungsangebot ist groß. Die Erfahrung zeige, dass Frauen, so sie unter sich sind, in der ersten Handhabung mit der Kettensäge wesentlich offener miteinander umgehen, sich mehr zutrauen und sich rundum wohler fühlen, berichtet LWK-Beraterin Katrin Busch von der Bezirksstelle Osnabrück.

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Fundierte Ausbildung

Wichtige Inhalte des Kurses sind die Unfallverhütung und Notfallversorgung. „Manuelle Forstarbeit darf niemals ohne Schutzkleidung durchgeführt werden“, lautet die erste Regel, die Forstwirtschaftsmeister Daniel Redlingshöfer den Teilnehmerinnen vermittelt. Dazu gehören Schutzhelm, Arbeitsjacke, Schutzhandschuhe, Schnittschutzhose und Sicherheitsschuhe.

Das gehört zur Unfallvorsorge

Damit der Schnittschutz der Sicherheitskleidung für lange Zeit gewährleistet bleibt, gibt der Ausbilder wichtige Tipps: Beim Waschen niemals Weichspüler verwenden. Zum Trocknen am besten hinlegen, damit die Schnittschutzeinlage nicht verrutscht. Risse im Oberstoff können zwar genäht werden, aber auf keinen Fall den Schnittschutz an den Oberstoff annähen; sonst würden die Beweglichkeit beeinträchtigt und die Schutzfunktion verringert.

Zur Unfallvorsorge gehöre sowohl das Mitführen von Ersthelfer-Mullbinden und Pflastern, als auch eines Mobiltelefons, auf dem möglichst eine „Hilfe im Wald“-App zur Bestimmung des Aufenthaltsortes installiert ist. Eine Regel hebt Redlingshöfer besonders hervor: „Waldarbeit nie allein durchführen, sondern am besten zu Dritt, sodass im Falle einer Verletzten, eine zweite Person den Notruf absetzen und eine dritte bei der Verletzten bleiben kann!“ Angesichts aktueller Waldschäden ist darüber hinaus die Sturmholz-Einschätzung und die Beurteilung von Druck- und Spannungszuständen ein unverzichtbarer Sicherheitsaspekt der Schulung.

Infos zu Kursangeboten für die Kettensäge in Niedersachsen

Katrin Arnemann, Bezirksstelle Northeim, Tel. 05551-6004-126, Mail: katrin.arnemann@lwk-niedersachsen.de;

Katrin Busch, Bezirksstelle Osnabrück, Tel. 0541-56008-138, Mail: katrin.busch@lwk- niedersachsen.de

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