Julia Klöckner beim Waldgipfel
Christel Grommel | am

Nationaler Waldgipfel: Klöckner stellt Honorierungsmodell vor

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellte heute auf dem 2. Nationalen Waldgipfel ein Modell zur Honorierung der Klimaschutzleistung der Wälder vor.

Das Modell für eine Bundesinitiative "Klimaschützer Wald" hat zwei Stufen.

  • Erste Stufe (Sockelbetrag): Es soll ein Sockelbetrag an die Waldbesitzer gezahlt werden, mit dem der Erhalt, die Entwicklung und die Bewirtschaftung besonders klimaresilienter Wälder honoriert wird. Voraussetzung soll die Vorlage einer Nachhaltigkeitszertifizierung sein. Die Höhe und die Staffelung dieses Sockelbetrages werden wissenschaftlich hergeleitet (nach Art und Zustand des Waldes).
  • Zweite Stufe (Aufschlag): Wer durch weitere Maßnahmen die CO2-Speicherleistung des Waldes erhöht oder sicherstellt, dass sein geerntetes Holz in langlebigen Holzprodukten verwendet wird, soll einen Aufschlag erhalten. So trägt insbesondere das Bauen mit Holz zum Klimaschutz bei. Die Erhöhung der CO2-Bindungsleistung soll durch entsprechende Zertifikate nachgewiesen werden.

Geplant ist, dass die Vergütung über mehrere Jahre erfolgt. In dieser Zeit soll es Überprüfungen geben, ob die Voraussetzungen weiter erfüllt werden.

Klöckner hob die Bedeutung des Waldes heraus: "Der Wald ist unser bester Mitkämpfer gegen den Klimawandel: Land- und Forstwirtschaft sind die beiden einzigen Sektoren, die CO2 speichern können. Jährlich entlastet der deutsche Wald die Atmosphäre um etwa 62 Millionen Tonnen Kohlenstoff, das sind sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland. Wenn wir CO2- Emissionen einen Preis geben, dann müssen wir umgekehrt auch diejenigen unterstützen, die unseren Wald als maßgeblichen Klimaschützer erhalten, pflegen und bewirtschaften."

1,5 Milliarden für den Wald

Auf dem Bundeswaldgipfel zog die Bundesministerin eine positive Zwischenbilanz zu ihrem 1,5 Milliarden-Hilfsprogramm für den Wald – dem größten in der Geschichte der Bundesrepublik. Auf dem ersten Nationalen Waldgipfel 2019 hatte die Bundesministerin damit schnell auf die massiven Waldschäden reagiert.

Die Summe gliedert sich in:

Bund-Länder-Hilfen (800 Millionen im Zeitraum 2020-2023)

Rund 228 Millionen Euro sind daraus bereits abgeflossen und auf die Fläche gebracht:

  • Für die bestands- und bodenschonende Räumung,
  • für die Aufarbeitung von Schadholz,
  • für die Wiederaufforstung,
  • für Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel,
  • für Maßnahmen zur Waldbrandvorbeugung.
  • Erstmalig wurde auch die Naturverjüngung förderfähig gemacht.

Konjunkturpaket des Bundes (700 Millionen)

Aus dem Konjunkturpaket gehen 500 Millionen Euro in die Bundeswaldprämie.

Die Prämie wird herausragend angenommen:

  • Bislang wurden ca. 116.000 Anträge gestellt, davon 5.180 von Städten und Gemeinden:
    • Das entspricht 65 Prozent der bundesweiten Privat- und Kommunalwaldfläche (etwa fünf Millionen Hektar Wald).
  • Bis Ende Mai 2021 sind bereits 240 Millionen Euro an die Waldbesitzer ausgezahlt worden.
  • Auf Grund der Prämie ist die zertifizierte Waldfläche bereits jetzt um über 900.000 Hektar im Privat- und Kommunalwald angestiegen (Anstieg um knapp 20 Prozent).

Niedersachsens Wälder schwer betroffen

Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast begrüßte den Vorstoß des Bundes: "Niedersachsen wurde schwer von den Extremwetterereignissen der vergangenen drei Jahre getroffen. Auf diese Notlage hat Niedersachsen schnell reagiert! Klar ist aber: Die Lage ist weiterhin sehr angespannt. Unser gemeinsames Ziel ist eine zügige Wiederaufforstung und eine langfristige Stabilisierung unserer niedersächsischen Wälder. Für die Zukunft ist außerdem wichtig, dass die vielfachen Leistungen des Waldes mehr Anerkennung finden. Deshalb begrüße ich die Initiative des Bundes, die Klimaschutzleistungen des Waldes honorieren zu wollen!"

Auch Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW - Die Waldeigentümer, äußerte sich positiv: "Diese Unterstützung hat den Waldbesitzern sehr geholfen. Sie war dringend nötig, um die Unmengen Schadholz zu beräumen, die nach drei Dürrejahren angefallen sind, und um die Flächen mit klimaresilienten Baumarten wieder zu bewalden." Eine zentrale Forderung der AGDW ist, einen Teil der Mittel, die aus der CO2-Bepreisung der Sektoren Verkehr und Gebäude in den Energie- und Klimafonds (EKF) fließen, dem Wald zugutekommen zu lassen.

Max von Elverfeldt, Vorsitzender des Verbandes Familienbetriebe Land und Forst, hatte im Vorfeld des Nationalen Waldgipfels gefordert, eine Prämie in Höhe von 112,50 Euro pro Hektar Wald einzuführen. Elverfeldt schlug vor, das Geld aus dem Klimafonds an die Waldbesitzer fließen zu lassen.

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