Eichenprozessionsspinner
Anne-Maria Revermann | am

Niedersachsen: Eichenprozessionsspinner ist auf dem Vormarsch

Der Eichenprozessionsspinner macht sich in Nordwest-Niedersachsen breit. So auch auf den Hofeichen von Reinhard und Margret Mönch aus der Grafschaft Bentheim.

Reinhard und Margret Mönch haben ein Problem, das zurzeit viele Menschen im Nordwesten Niedersachsens umtreibt: Der Eichenprozessionsspinner auf den Hofeichen.

Schöne alte Eichen prägen das Hofbild auf dem Betrieb von Reinhard und Margret Mönch aus Engden (Landkreis Grafschaft Bentheim). Doch genau da sitzt wahrsten Sinne des Wortes das Problem: In den alten Eichen hat es sich der Nachwuchs des Eichenprozessionsspinners (EPS) bequem gemacht.

Nester deutlich zu sehen

Deutlich sind die Nester zu sehen.

Deutlich sind die Nester zu sehen. „Bei uns sind die Raupen zum ersten Mal vor zwei Jahren aufgetaucht. Am Teich war eine Eiche mit zwei Nestern“, erinnert sich Reinhard Mönch. „Bis vor etwa fünf Jahren kannte ja noch niemand diese Tierchen,“ ergänzt seine Frau Margret.

Bekämpfung für mehrere hundert Euro

Ganz anders dann die Lage im vergangenen Jahr. Gleich acht alte Hofeichen waren befallen. Insgesamt 15 Nester wurden im Umfeld der Terrasse von einem Unternehmer aus Emsbüren abgesaugt und unschädlich gemacht.

„Das hat uns mehrere hundert Euro gekostet. Leider war es damit noch nicht vorbei. Dieses Jahr ist die Zahl der Nester regelrecht explodiert“, sagt Reinhard Mönch.

Privatleute: HohenBekämpfungskosten

Gerade Privatleuten mache das aufgrund der hohen Bekämpfungskosten zu schaffen. Ein Bekannter aus Schüttorf habe allein dieses Jahr 1.300 Euro für die Entfernung der Nester ausgeben müssen. „Wir haben mittlerweile an fast jeder Eiche auf unserem Hof Nester und müssten für die Bekämpfung mehrere tausend Euro ausgeben, schätzt Mönch.

Der Landwirt will diesen Schritt nicht gehen, auch, weil das Absaugen der Raupen keine Garantie für das Ausbleiben eines erneuten Befalls im kommenden Jahr darstellt.

Nester in unerreichbarer Höhe

Ein Rundgang zwischen den Dutzend Hofeichen zeigt schnell, dass auch das Ausbringen von Meisenkästen keine Lösung ist – davon hängen bereits seit Jahren mehr als 40 Stück an den Bäumen, ohne spürbaren Effekt. Wo immer möglich, hat Mönch die Nester bereits entfernt. Ohne kostspieligen Hubsteiger ist aber schon nach einigen Metern Schluss, die Nester in unerreichbarer Höhe.

Eichen zum Schutz der Höfe gepflanzt

„Früher, vor etwa 200 Jahren, wurden die Eichen hier in der Region zum Schutz der Höfe gepflanzt. Nicht nur wir Menschen leiden unter den Brennhaaren der Raupen, ihr Fraß macht auch den Bäumen sehr zu schaffen“, sagt der Landwirt. Trotz der vielen kleinen Pusteln auf der Haut, die mittlerweile viele Grafschafter kennen, wollen Reinhard und Margret Mönch ihre Eichen unbedingt erhalten.

Befliegung richtiger Weg

"Eine Befliegung mit einem biologischen Mittel, wie sie für den Bentheimer Wald angedacht wurde, halten wir für den richtigen Weg.“ Das EPS-schädliche Bakterium bekämpft sollte auch in Privatgärten zum Einsatz kommen“, meint Mönch.

Es sei sonst unwahrscheinlich, dass die Population 2020 eingedämmt werden könne. Aufgrund der hohen Kosten sei eine mechanische Bekämpfung höchstens einmal durchführbar. „Dabei sollte betroffenen Bürgern geholfen werden, alleine ist das kaum zu bewerkstelligen“, finden die beiden Engdener.

Eichen gehören zum Hof

Da kommt die Frage auf, ob im Herbst oder Winter einzelne Eichen in Privatgärten oder Hofgehölzen weichen müssen, um die Gesundheit der Bewohner nicht dauerhaft zu strapazieren. Damit verschwinden zwar auf Dauer die Brennhaare im eigenen Garten, gleichzeitig geht aber auch ein wichtiger Lebensraum verloren.

Für Reinhard und Margret Mönch steht das nicht zur Debatte. Die Eichen gehören zu ihrem Hof, prägen sein Gesicht und sind Teil seiner Geschichte – wenn die kleinen Raupen die Hofbewohner auch auf eine harte Probe stellen.

Mit Material von Carl Hesebeck
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