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Peter Laufmann | am

Regenwürmer binden während Dürre weniger Kohlenstoff

Wenn es zu trocken ist, verweigern Regenwürmer die Arbeit. Damit verschärfen sie das Problem der CO2-Speicherung.

Regenwürmer gelten als beste Verbündete der Landwirte, Gärtner und Waldbesitzer; sie lockern den Boden durch ihr Graben und tragen Nährstoffe in tiefere Bodenschichten. Und damit auch CO2. Pro Jahr können zwischen 40 und 100 Tonnen Regenwurmkot pro Hektar anfallen - Basis für einen guten Boden und CO2-Speicher.

Doch wenn es zu trocken ist, ziehen sich die Würmer weiter in den Untergrund zurück oder verfallen sogar in eine Art Dürreschlaf. Auf diese Weise könnte mehr CO2 in die Atmosphäre gelangen. Das hat ein Forschungsteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersucht. Der Fokus lag dabei auf Wassermangel in Wäldern. Im Schweizer Pfynwald wird seit 2003 im Sommer ein Teil des Waldes künstlich bewässert, während ein anderer der natürlichen Trockenheit des Tals ausgesetzt ist. Dort zählten die Wissenschaftler die Bodentiere und vermaßen den Abbau organisches Materials sowie die Speicherung des Kohlenstoffs.

Trockenheit macht Wald als CO2-Speicher zunichte

Siehe da - feuchtere Böden enthalten mehr Regenwürmer und andere Bodenlebewesen. Und dementsprechend mehr CO2. Denn die Bodenorganismen bauen aus alten Blättern, Gras etc. Humus auf. Und der wiederum bindet CO2. In trockeneren Böden hingegen wurde viel mehr organisches Material im Boden bis hin zum CO2 abgebaut. Dazu haben die Forscher Laub in kleinen Netzen mit unterschiedlicher Maschenweite vergraben. Entsprechend ihrer Größe kamen da manche Tiere durch, andere nicht.

„Wenn Waldböden zu trocken werden, hemmt dies die Aktivität und Menge der Bodenlebewesen und die Wälder können langfristig weniger Kohlenstoff aufnehmen“, sagt Studienleiter Frank Hagedorn, Leiter der Gruppe Biogeochemie der WSL. Europaweit enthalten trockene Böden deutlich weniger Kohlenstoff als feuchte. „Unsere Studie hat gezeigt, dass die Bodenfauna ein wichtiger Grund dafür ist.“ Regenwürmer und andere Bodenlebewesen reagieren am empfindlichsten auf Trockenheit, noch mehr als Pilze oder Mikroorganismen.

Schnelle Effekte sind messbar

Die Forscher zeigen sich überrascht, dass der Einfluss der Bodenorganismen schnell nachweisbar ist. „Bodenhumus bildet sich über Hunderte bis Tausende von Jahren. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir schon nach zehn Jahren Unterschiede beim gespeicherten Kohlenstoff nachweisen können“, so Hagedorn. Beim Waldmonitoring sollten Bodenorganismen stärker berücksichtigt werden, Schon jetzt blicken Klimaforscher mit Sorge auf die Rolle der Wälder. Gerade die letzten trockenen Jahre und die Ausfälle hunderttausender Hektar allein in Deutschland bringen die CO2-Bank Wald arg in Bedrängnis.

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