Baumstämme werden gestapelt
Janina Schuster | am

Rohstoff-Engpass: Wer bekommt das Holz?

Die Holzknappheit macht sich bemerkbar, denn die Preise für den Rohstoff ziehen an und machen Handwerksbetrieben auf mehreren Ebenen zu schaffen. Nun fordern Teile der Politik einen Exportstopp. Das stößt auf Kritik.

"Die Preise für Holz und andere Rohstoffe steigen rasant, das wird zur Gefahr für Handwerk und Bauwirtschaft", so Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger. Sie plädiert gemeinsam mit Wolfgang Tiefensee, Wirtschaftsminister aus Thüringen, für eine zeitweilige Exportbeschränkung. Damit könne man das Problem in den Griff bekommen und die Engpässe bei den Unternehmen beheben. Doch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist dagegen. Aus seiner Sicht sei der Exportstopp nicht das geeignete Mittel, um der Knappheit zu begegnen und sprach sich für die Einführung eines "Runden Tisches" zu dem Thema aus.

Welche Auswirkungen die hohe Holznachfrage hat

Da sich in den USA und China die Konjunktur deutlich erholt hat, stieg die Nachfrage nach deutschem Holz rasant an. Mit dem Ergebnis, dass der Rohstoff nun auch für inländische Betriebe knapp und teuer wird. In der Folge rechnen Vertreter der Politik hierzulande mit steigenden Baupreisen, sowie Engpässe und Verzögerungen. "Verzögerungen oder gar Baustopp wären eine harte Bremse für den erhofften Aufschwung", sagt Rehlinger. "Lösungen für die Rohstoffknappheit fallen einzelnen Bundesländern schwer, es handelt sich unter anderem um ein Problem auf dem Weltmarkt."

Not macht erfinderisch?

Neben Peter Altmaier sprach sich auch der Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Andreas Pinkwart, gegen Exportbeschränkungen aus. "Hohe Rohstoffpreise sorgen kurzfristig dafür, dass die Lieferanten ihr Angebot ausweiten", weiß er. "In der Industrie wecken sie Kreativität, langfristig weniger rohstoffintensive Alternative zu entwickeln." Es müsse jedoch nun darauf geachtet werden, dass Lieferketten intakt bleiben und die Pandemie nicht zu weiteren Produktionsausfällen, Grenzschließungen und damit zu Engpässen führe, erklärt er weiter.

Staatlicher Eingriff in den Markt als Ultima Ratio

Laut Statistischem Bundesamt exportierte Deutschland im letzten Jahr die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmeter Rohholz. Davon sei mehr als die Hälfte in die Volksrepublik China gegangen. Doch auch in den USA herrsche eine hohe Nachfrage, denn hier stocke unter anderem der traditionelle Nachschub aus Kanada. Das Bundeslandwirtschaftsministerium führt die hohe Nachfrage auf eine Sonderkonjunktur im Holzbau, sowie ein „Do-It-Yourself-Boom“ in Corona-Zeiten zurück. "Grundsätzlich sind die Möglichkeiten des Exportes wie Importes von (Roh-)Holz und Holzprodukten für die Forst- und Holzwirtschaft - wie auch für andere Wirtschaftsbereiche - eine wichtige Handlungsoption", so eine ministeriumssprecherin. "Staatliche Eingriffe in die Märkte sollten immer als Ultima Ratio angesehen werden."
 

Mit Material von dpa
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