Holzbeladung auf einem Container
Heidrun Mitze | am

Rundholz-Container ausgebremst

Vermehrte Kontrollen von Holztransporten in Container-Lkw sorgen auch in Niedersachsen für Aufregung und verschärfen die ohnehin schwierige Holzmarktlage.

Anfang Oktober in Nordhessen: Verstärkt kontrollieren Polizei und Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Rundholztransporte in Containern, die für den Übersee-Export bestimmt waren, und lassen im schlimmsten Fall die Fracht wieder ausladen. Seither wurden die Kontrollen auf Niedersachsen und weitere Bundesländer ausgeweitet:

Auslöser für die behördlichen Kontrollmaßnahmen ist ein Regelwerk (CTU-Code) aus dem Jahr 2015, das sämtliche Verfahrensvorschriften zum Packen von „Güterbeförderungseinheiten“ (CTUs), besonders in Seecontainern, beinhaltet. Dieses besagt, dass Universal-CTUs sich nicht für unregelmäßig geformte Ladungsgegenstände wie Holzstämme eignen, da die Seitenwände nicht so ausgelegt seien, dass sie den Beschleunigungskräften solcher Ladungen standhalten. Polizei und BAG treffen in jedem Einzelfall Ermessensentscheidungen.

Verunsicherung unter Spediteuren

Unter den Spediteuren hat sich große Verunsicherung breitgemacht. Viele wollen das Risiko eines scheiternden Transportes nicht mehr eingehen und nehmen derzeit keine Aufträge an. So droht eine wichtige Schleuse im mit Käferholz überfluteten Markt geschlossen zu werden: der Export per Seecontainer vor allem nach China. Dort konnten in den vergangenen zwei Jahren große Mengen zu besseren Preisen als im heimischen Markt abgesetzt werden, der nicht mehr aufnahmefähig ist.

Die Situation könnte auch für den Waldschutz tragische Konsequenzen haben. Der weitere Käferholzeinschlag werde dann nicht mehr kostendeckend sein und womöglich zum Erliegen kommen, beklagt der Privatwald-Zusammenschluss Forstbetriebsgemeinschaft Südhannover, der etwa 60 % seines sägefähigen Holzes exportiert.

Diese Strategien kommen infrage

Die Landesforsten wollen zwar den Sanierungseinschlag aufrechterhalten, die stark gesunkenen Einnahmen reichen aber gerade noch aus, um die Aufarbeitung gegenzufinanzieren.

Folgende Strategien sind angelaufen oder kämen in Frage:

  • Einzelne Exporteure, Spediteure oder Landesforstbetriebe lassen Tests und Untersuchungen zur Ladungssicherheit von Rundhölzern in Containern durchführen (z.B. durch DEKRA), die dann in ein Gutachten münden können. Gutachten zertifizierter Sachverständiger stünden dann über den CTU-Code-Bestimmungen. Von der nicht ganz billigen Einzellösung könnten eventuell weitere Firmen durch Kostenbeteiligung partizipieren und Gutachten-Kopien nutzen.
  • Technische Entwicklungen zur Ladungssicherung, mit denen sämtliche Container ausgestattet werden müssten; dies ist sowohl eine Kostenfrage, wir auch eine logistische Herausforderung, die Zeit braucht.
  • Eine Anfrage an die Politik, die den Erlass einer neuen Richtlinie bzw. eine geänderte Bestimmung im CTU-Code zum Ziel hat, um sichere Rahmenbedingungen zu schaffen; kritischer Faktor ist auch hier der hohe Zeitbedarf.

Vorsichtiger Optimismus

Insider äußern unterdessen vorsichtigen Optimismus im Hinblick auf die Container-Kontrollen. Das Thema Ladungssicherung scheint an Priorität zu verlieren. Stärker in den Fokus der Kontrolleure sind demzufolge Mängel gerückt, die ohne Zweifel die Sicherheit im Straßenverkehr und auf See bedrohen können: eine mögliche Überladung der Lkw-Container oder auch verbeulte Containerwände.

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