Waldarbeit

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Janina Schuster | am

Wälder unter Druck: Nach dem Sturm kommen die Borkenkäfer

Unsere Wälder stehen unter immensem Druck. Lange Dürreperioden in den letzten Jahren und die Stürme der vergangenen Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. Und die nächste Herausforderung steht bereits vor der Tür.

Es sind vor allen Dingen Aufräumarbeiten, die die Waldbesitzer und Landesforsten unserer Wälder derzeit tagtäglich beschäftigt. Die Stürme der vergangenen Wochen haben dem Wald in Niedersachsen zugesetzt. Doch es ist nicht der Wunsch nach Ordnung zwischen den Bäumen, der die Waldarbeiter antreibt. „Unsere Sorge ist, wenn wir die gefallen Fichten nicht rechtzeitig aus dem Wald schaffen, haben wir das nächste Problem mit dem Borkenkäfer“, sagt Knut Sierk, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Er erklärt, dass der Schädling sich mit steigenden Frühlingstemperaturen ab 16 Grad breit macht. Dann legt er seine Brut in den vielen geschädigten Fichten ab. Ein denkbar ungünstiges Szenario, denn: „Die Brut ist nach vier bis sechs Wochen so weit, das geht schnell. In einem günstigen Jahr hat ein Pärchen 30 000 Nachkommen“, so der Sprecher.

Trockenheit lässt Widerstandsfähigkeit der Bäume bröckeln

Es ist nicht der einzelne Käfer, der zum Problem wird. Wohl aber die Scharen, die angeflogen kommen, wenn dieser einzelne Käfer seinen Lockstoff absondere. Der Trockenstress setze den Bäumen dann zusätzlich zu. Der Waldexperte stellt fest, dass der Regen der letzten Monate zwar ein Segen für den Wald war, doch auch da Freud und Leid nah beieinander lag, war es für den Waldboden zu viel Regen auf einmal. Dieser sei aufgrund des vielen Niederschlags sehr aufgeweicht, weshalb der Sturm leichtes Spiel hatte. Eine normale, gesunde Fichte sei mit genügenden Abwehrkräften ausgestattet, doch liegt sie einmal auf dem Boden, sei sie richtig lecker für die Borkenkäfer, sagt Markus Hecker über die Brutherde der Borkenkäfer. Hecker ist Geschäftsführer der Waldmärker und für den Privatwald der Landkreise Uelzen, Lüneburg, Ludwigslust-Parchim und Lüchow-Dannenberg zuständig.

Baumstamm mit typischen Spuren von Borkenkäfern

Schäden in Landesforsten und Privatwäldern ähnlich

Das Ausmaß der Schäden durch die Stürme verteilt sich bei Privatwäldern und Landesforsten etwa gleich. Letztere sind für rund 330.000 Hektar zuständig und stehen vor der Herausforderung, eine Million Kubikmeter Holz aus dem Wald zu holen, die in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ähnlich sieht es auch in den Privatwäldern aus, berichtet Hecker. Doch es gibt regionale Unterschiede: „Der Süden ist weniger belastet, südlich der A2 war kaum etwas.“ Dort machten die umgefallenen Bäume etwa so viel aus wie ein Jahreseinschlag.

Holzpreis macht sicht bemerkbar

Nun soll der planmäßige Einschlag eingestellt werden. Im Privatwald übernehmen das zu 80 Prozent Profis. Die privaten Waldbesitzer hätten dafür auch gar keine Zeit. Bis zu 60 Prozent der liegen gebliebenen Bäumen kämen in den Verkauf, doch könne nicht alles eingesammelt werden. Hecker erklärt, dass die Bäume sehr verstreut lägen und es in der Summe nicht wirtschaftlich wäre, jeden Baum einzusammeln. Doch der gute Holzpreis mache sich auch bei ihm bemerkbar: „Wir verspüren eine große Nachfrage.“

Nach wie vor appellieren die Landesforsten an Spaziergänger die Gefahr von oben nicht zu unterschätzen. Noch immer drohen Bäume umzustürzen und Äste aus großer Höhe zu brechen. Sprecher Sierk empfiehlt daher, den Blick nach oben zu richten.

Mit Material von dpa
Revierförster Eberhardt Guba leistet in seinem Forst in Harpstedt im Landkreis Oldenburg Pionierarbeit und pflanzt neue Baumarten.

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