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Madeline Düwert | am

Grüne Woche digital 2021: Die Landwirtschaft der Zukunft

Höher, schneller, weiter – oder nur digitaler? Julia Klöckner sprach mit dem Bauernpräsidenten und Vertretern der Ernährungsindustrie darüber, wie sich Landwirtschaft und Konsum künftig verändern werden.

Wenn Internethacker die Ernte vernichten können, jeder sein eigenes Gemüse in der Stadt anbaut und Drohnen die Aussaat übernehmen – in dem Politiktalk der Grünen Woche wagten Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Bauernpräsident Joachim Rukwied und Dr. Christian von Boetticher, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V., einen Blick in die Zukunft.

Landwirtschaft 2050 - es wird digital

Wie wird die Landwirtschaft 2050 aussehen? Vor allem digitaler, da waren sich die drei Teilnehmer einig. Und das sowohl auf der Verbraucherseite, die vermehrt Lebensmittel online bestellen wird, als auch auf der Produktionsseite.

"Fachleute werden weniger auf dem Trecker sitzen oder Gummistiefel anhaben", war sich die Bundesagrarministerin sicher, alles werde digitaler. Das gelte auf dem Acker genauso wie im Stall: In rund 40 digitalen Experimentierfeldern teste das Ministerium zu Zeit aus, welche digitalen Assistenzsysteme das Tierwohl am besten unterstützen.

"Die Menschen haben immer noch ein altes romantisches Bild im Kopf, dass ein Stall umso tierfreundlicher ist, je kleiner er ist", kritisierte sie. Dabei helfen moderne, digitalisierte Ställe, Tiere besser zu halten und die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Auch deshalb sei ihr Ministerium mittlerweile das digitalste in der Regierungswelt. "Wir sind keine Science-Fiction-Behörde, wir versuchen aber, unsere Ziele zu erreichen."

Know-how der Landwirte bleibt wichtig

Allerdings sei das größte Hindernis der Digitalisierung die fehlende Internetabdeckung auf dem Land, warf Rukwied ein. Er stimmte der Ministerin zwar zu, dass die Digitalisierung und seiner Ansicht nach auch moderne Züchtungsmethoden wie Crispr/Cas künftig helfen, nachhaltig zu wirtschaften, allerdings "werden wir auch weiterhin ein Gefühl für den Boden brauchen", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der auf das Know-how der Landwirte setzt.

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Klimagerecht anbauen

Von Seiten der Ernährungsindustrie vermutet von Boetticher, dass der Trend künftig zu stärker verarbeiteten Lebensmitteln gehen wird, um die Ernährung der Weltbevölkerung sichern zu können. Eine ausschließlich regionale Versorgung mit Lebensmitteln sei deshalb nicht mehr denkbar.

Ein "Urban Farming", bei dem Lebensmittel in der Stadt angebaut werden, hält der Bauernpräsident trotzdem für unwahrscheinlich. "Landwirte werden auch weiterhin die Menschen ernähren", war sich Rukwied sicher.

Dem stimmte die Bundesministerin zu. Der Boden in der Stadt sei viel zu teuer, als dass darauf Lebensmittel angebaut würden. Zudem stelle sich die Frage nicht, ob in der Stadt oder auf dem Land produziert werde: "Wir müssen viel mehr in Klimazonen denken", sagte sie. Künftig sei es wichtig, klimaresistente und ertragsstabile Pflanzenzüchtungen in den für sie richtigen Klimazonen anzubauen.

Es gehe in Zukunft mehr um Tier-, Umwelt- und Artenschutz, um bewusstes Konsumieren, aber vor allem um Ernährungssicherung, sagte Klöckner abschließend. "Denn Lebensmittel produzieren sich nicht von allein."

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