Schlepper auf Acker
Christel Grommel | am

Herausforderungen für die deutsche Landwirtschaft 2030

Laut der "Thünen-Baseline 2020-2030" muss sich die deutsche Landwirtschaft in den kommenden Jahren einigen Herausforderungen stellen.

Die Thünen-Baseline 2020-2030 beschäftigt sich mit den zu erwartenden Entwicklungen im deutschen Agrarsektor für die nächsten zehn Jahre. 

Die Baseline stützt sich auf bestimmte Annahmen zur Entwicklung äußerer Einflussfaktoren und stellt keine Prognose dar, sondern beschreibt ein Referenzszenario.

"Nicht nur die Corona-Pandemie stellt den deutschen Agrarsektor aktuell vor große Herausforderungen", sagt Marlen Haß, Agrarökonomin am Thünen-Institut in Braunschweig. "Auch steigende gesellschaftliche Erwartungen bei Tierwohl und Nachhaltigkeit, veränderte Ernährungsgewohnheiten und die Verschärfung von Umweltauflagen zu Düngung und Pflanzenschutz führen zu hohen Unsicherheiten für die deutsche Landwirtschaft. Dazu kommen noch die laufenden Verhandlungen zur EU-Agrarpolitik nach 2020 und der Brexit."

 

Mehr Ölsaaten und Milch, weniger Schweinefleisch

In der Thünen-Baseline 2020-2030 werden Ergebnisse für Agrarhandel, Preise, Nachfrage, Produktion, Einkommen und Umweltwirkungen dargestellt. Dafür wurden Daten und Informationen berücksichtigt, die bis Februar 2020 vorlagen.

Die Einschätzungen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Entwicklung des deutschen Agrarsektors im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2017-2019.

  • Ackerbau: Trotz aktueller Herausforderungen beim Rapsanbau, der die Rapsanbauflächen und Durchschnittserträge in den letzten Jahren sinken ließ, gewinnt der Anbau von Ölsaaten in der Projektion langfristig bis zum Jahr 2030 an Wettbewerbsfähigkeit und wird wieder deutlich ausgedehnt. Zurückzuführen ist das vor allem auf stärkere Preis- und auch Ertragssteigerungen im Vergleich zu Getreide.
  • Fleischproduktion: Mit Blick auf die Entwicklung im Fleischsektor lassen höhere Umwelt- und Tierwohlstandards erwarten, dass sich das Produktionswachstum der vergangenen Jahre abschwächt, insbesondere in der Schweinefleischerzeugung. Die Geflügelfleischerzeugung hingegen wird bis zum Jahr 2030 noch leicht wachsen.
  • Milchproduktion: Stabile Milchpreise und Milchviehbestände in Verbindung mit einer weiteren Steigerung der Milchleistung führen zu einem moderaten Anstieg der Milchanlieferungen.
  • Einkommen: Das durchschnittliche reale Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe entwickelt sich über die Projektionsperiode rückläufig, erreicht 2030 aber immer noch das mittlere Niveau der letzten zehn Jahre.
  • Agrarhandel: Mit Blick auf den weiter wachsenden globalen Agrarhandel verliert die EU zwar etwas an Bedeutung, kann ihre Exporte in Drittstaaten aber weiter steigern und so vom weltweiten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum profitieren. Dabei liegen wichtige Zielmärkte vor allem auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent. Auch die Exporte nach Nordamerika nehmen weiter zu.
  • Umwelt: Verschärfte Umweltauflagen führen bis zum Jahr 2030 zu einer rückläufigen Entwicklung der Stickstoffbilanzüberschüsse sowie der Treibhausgas- und Ammoniakemissionen.

Die Wissenschaftler hatten zudem die Auswirkungen einer EU-weiten Reduzierung des Fleischkonsums untersucht. Die Berechnungen zeigen, dass bei einer sinkenden heimischen Nachfrage die Mengen, die nicht mehr in der EU absetzbar sind, nur teilweise in Drittstaaten exportiert werden können. Die Folge: Sinkende Erzeugerpreise für Fleisch und eine rückläufige Fleischerzeugung. Der Rückgang der Erzeugerpreise gegenüber der Baseline trifft insbesondere schweinehaltende Betriebe hart, da diese bereits in der Baseline nur geringe Margen erzielen.

Mit Material von Thünen-Institut

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✔ Mehrleser-Funktion

✔ Artikel merken und teilen

✔ exklusiv: Audio und Video

✔ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✔ 3 Endgeräte
✔ Merkliste
✔ Audio und Video
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Schweinehalter unter Druck
  • Thema der Woche: Wolfsvergrämung mit Schafsglocken?
  • Pflanzenbau: Klimaschutz - Ackerbau gefordert
  • Tierhaltung: Wohin mit den Schweinen?
  • Betrieb: Vermarktungsalternative für Milch - Verbraucher entscheiden
  • Leben auf dem Land: Naturerlebnispfad in Butjadingen

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen