Eine Schar Hühner
Janina Schuster | am

Landleben: der Lärm gehört nun mal dazu!

Homeoffice, die Enge der Stadt und der Trubel sind für viele Menschen gute Argumente, um aufs Land zu ziehen. Was sie oft nicht bedenken: dort gibt es ebenfalls eine Geräuschkulisse. Und die kann es in sich haben.

Corona hat einiges verändert. Vor allen Dingen die Lebensgewohnheiten und Arbeitsprozesse vieler Menschen. Nicht wenige sehnten sich nach mehr Ruhe und Platz in Zeiten von Quarantäne und Ausgehverbot. Und so kommen mehr und mehr Städter aufs Land. Ihre Vorstellungen des Landlebens sind dabei nicht selten romantisiert. Viele verkennen jedoch, dass auch das Dorfleben geprägt ist von Arbeitsprozessen: der Landwirtschaft. Und die bringt so manches Mal Lautstärke in Form von Traktoren, Hühnern, Enten oder Kühen und Dreck von schweren Landmaschinen mit sich. Damit kann sich nicht jeder anfreunden. Und so schwelt völlig neues Konfliktpotential in den Dörfern.

Muhen und Gackern gehört dazu!

"Im ländlichen Raum gehören Gackern und Muhen dazu. Und wer dörflichen Sound oder den Duft von Mist nicht aushält, muss sich vielleicht drei Mal überlegen, ob er wirklich die Stadt gegen das Dorf eintauschen will", sagt Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr. Der Hintergrund für diese Aussage sind wiederkehrende Klagen gegen Landwirte und Gemeinden. Initiiert wurden sie von Menschen, die sich durch die Geräuschkulisse gestört oder gar belästigt fühlen.

Französischer Hahn erwirkt Gesetzeserlass

Was in Deutschland erst im Werden ist, ereilte Frankreich bereits vor einiger Zeit. Dort erlangte der Hahn Maurice Bekanntheit. Gegen den Hahn und seine Halterin wurde prozessiert. Am Ende wurde der Schutz typisch ländlicher Geräusche und Gerüche als Gesetz festgeschrieben. Ein Erfolg für Maurice also. Während in Frankreich nun also per Gesetz gemuht, gegackert und geblökt werden darf, fordern Landwirte hierzulande eine ähnliche Regelung. Ulrich Löhr hält davon jedoch nichts: "Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich normalerweise durch Zusammenhalt aus. Wir Landwirte freuen uns über neue Einwohnerinnen und Einwohner in den ländlichen Gebieten. Deshalb setze ich auf Dialog und Verständnis, wenn ich auch mal spätabends in der Ernte mit dem Trecker losmuss."

Dialogbereitschaft reicht manchmal nicht aus

Für den Schutz des Landlebens setzt sich auch Hühnerhalterin Sylvia Stengel aus Hofheim bei Frankfurt ein. Sie rief eine Petition ins Leben und begründet ihre Initiative damit, dass ein Gesetz wie in Frankreich die bäuerliche Nutztierhaltung und ortsübliche Emissionen unter "kulturellen Schutz" stellen würde. Das erspare auch den Gerichten viel Zeit. Die Petition kann noch sechs Monate mitgezeichnet werden. "Aufgrund von Corona ist die Frist verlängert worden", erzählt Silvia Stengel. Es fehlen noch 8.000 Unterschriften von insgesamt 50.000 erforderlichen Stimmen. "Meiner Erfahrung nach reicht es nicht, beim Thema Landlärm nur auf Dialogbereitschaft zu setzen", sagt sie.

Mit Material von LPD
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