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Kristina Wienand | am

High Tech im Stall könnte Zukunft der Landwirtschaft sichern

Schon jetzt nutzt eine Mehrheit der Landwirte digitale Anwendungen im Hofalltag. So könnten sie gut für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sein, legt eine Studie nahe.

Hohe Anforderungen an Tier- und Klimaschutz, hohe Futterkosten und Düngemittelpreise: Eine Kernfrage der Landwirtschaft ist derzeit, wie Betriebe ihre Produktion effizienter gestalten und gleichzeitig Umwelt und Klima schützen können. Dazu kann die Digitalisierung einen wichtigen Beitrag leisten, zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung unter 500 Landwirtinnen und Landwirten in Deutschland, wie der Branchenverband Bitkom mitteilte.

Demnach stimmen 92 Prozent der Aussage zu, dass digitale Technologien helfen, Dünger, Pflanzenschutzmittel und andere Ressourcen einzusparen. 81 Prozent sind überzeugt: Die Digitalisierung ermöglicht eine umweltschonendere landwirtschaftliche Produktion. Fast zwei Drittel (63 Prozent) betonen, dass die Höfe mit Hilfe der Digitalisierung langfristig ihre Kosten senken können. Auch eine Steigerung des Tierwohls ist für 62 Prozent ein wichtiger Aspekt der Digitalisierung.

Digitale Technologien bieten Chance

Die Befragung wurde im März 2022 durchgeführt und die Ergebnisse im Mai von Bitkom und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vorgestellt.

„Die Landwirtschaft steht vor einer riesigen Herausforderung: Sie muss gleichzeitig Erträge steigern, den Einsatz von Chemikalien senken, Umwelt und Klima schonen und gesunde Lebensmittel für eine stark wachsende Weltbevölkerung produzieren. Ein solcher Spagat lässt sich nur mit Digitalisierung schaffen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

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Digitale Lösungen längst auf Acker angekommen

Schon jetzt nutzen der Umfrage zufolge 79 Prozent der Betriebe digitale Technologien oder Verfahren. Am weitesten verbreitet sind GPS-gesteuerte Landmaschinen, mit denen große Felder sehr effizient bestellt werden können und die schon auf mehr als der Hälfte aller deutschen Höfe eingesetzt werden (58 Prozent). 39 Prozent arbeiten mit Agrar-Apps, die etwa den Pflanzenbau dokumentieren oder Echtzeitanalysen von Feldern erstellen können.

Ebenfalls ein Drittel (32 Prozent) hat Systeme zum Farm- oder Herdenmanagement im Einsatz und ein Viertel (24 Prozent) intelligente Fütterungssysteme, die zum Teil das Futter für einzelne Tiere so zusammenstellen können, dass diese weniger klimaschädliches Methan ausstoßen. 

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Potenzial bei Düngerausbringung

Besonders großes Potenzial liegt demnach in Anwendungen für die teilflächenspezifische Ausbringung von Dünger (30 Prozent) und Pflanzenschutzmitteln (23 Prozent): So werten etwa Algorithmen Satellitenbilder von Feldern aus, erstellen Ernteprognosen und berechnen den spezifischen Düngeraufwand, damit die Nährstoffe bei der Pflanze und nicht im Grundwasser ankommen.

In anderen Fällen analysieren Sensoren oder Künstliche Intelligenz Pflanzen auf dem Feld und können Unkraut von Nutzpflanzen unterscheiden. Eine großflächige Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist damit nicht mehr nötig. „Die Landwirtschaft ist Vorreiter bei der Digitalisierung. Wichtig ist, dass die vorhandenen Möglichkeiten noch stärker genutzt werden“, betont Rohleder.

Drohen gehören teilweise zur Ausstattung

Fast jeder fünfte Betrieb (19 Prozent) lässt bereits Drohnen fliegen. Sie helfen z.B. bei der Erkennung des Pflanzenzustandes oder entdecken vor der Ernte Wildtiere im Feld und bewahren sie damit vor dem Tod. Schon jeder siebte Betrieb (14 Prozent) hat Künstliche Intelligenz oder die Verarbeitung großer Daten – Big Data – im Einsatz.

„Landwirtschaftliche Produktionsprozesse sind von vielen Umwelt- und Klimafaktoren beeinflusst und haben immer mit Naturstoffen zu tun. Das prädestiniert sie zum Einsatz digitaler Methoden auf der Basis von Künstlicher Intelligenz und Big Data“, hebt DLG-Vizepräsident Prof. Till Meinel, der am Institut für Bau- und Landmaschinentechnik in Köln (IBL) arbeitet, hervor.

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Positiv gerichteter Blick in die Zukunft

Mehr als drei Viertel der Betriebe (78 Prozent) sehen die Digitalisierung als Chance für sich – 2020 waren es noch 73 Prozent und im Jahr 2016 lediglich 66 Prozent. 14 Prozent halten die Digitalisierung hingegen für ein Risiko. Nur 7 Prozent sehen keinerlei Einfluss der Digitalisierung auf ihren Betrieb.

Immerhin fast jeder sechste Hof (17 Prozent) hat fest geplant, in den kommenden 12 Monaten in digitale Technologien und Anwendungen zu investieren. Weitere 43 Prozent diskutieren noch darüber, 39 Prozent schließen dies aus. Gleichwohl empfindet die große Mehrheit der Betriebe (83 Prozent) die aus ihrer Sicht hohen Investitionskosten als Hemmnis, das die Digitalisierung der Landwirtschaft mit am stärksten bremst.

65 Prozent sorgen sich beim Einsatz digitaler Tools und Anwendungen auch um mehr Bürokratie, 58 Prozent bemängeln fehlende standardisierte Schnittstellen und 54 Prozent eine unzureichende Internetversorgung. 46 Prozent sehen insgesamt auch die mangelnde Digitalkompetenz auf den Höfen als Hemmnis für die Digitalisierung.

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Zeit sparen und mehr Work-Life-Balance

Unter den Vorteilen, die die Befragten in der Digitalisierung sehen, rangieren solche ganz oben, die den Landwirtinnen und Landwirten persönlich helfen: 64 Prozent loben vor allem die dadurch erzielte Zeitersparnis, 63 Prozent die körperliche Entlastung. 47 Prozent profitieren von einer flexibleren Arbeitsorganisation und 3 von 10 von einer insgesamt besseren Work-Life-Balance dank Digitalisierung. 44 Prozent betonen auch, der Beruf werde durch die Digitalisierung insgesamt attraktiver gemacht.

„Digitale Technologien setzen sich relativ schnell durch, wenn ihr Nutzen für den Anwender unmittelbar messbar ist. Beispiele hierfür sind Parallelfahrsysteme oder Ackerschlagkarteien. Für die Einführung und Nutzung komplexerer digitaler Systeme benötigen die Landwirtinnen und Landwirte entsprechende Beratungsangebote sowie wissenschaftlich fundierte, unabhängige Testergebnisse“, fordert DLG-Vizepräsident Prof. Meinel.

Aufbau einer zentralen Agrarplattform wünschenswert

Mehr als jeder zweite Betrieb (56 Prozent) wünscht sich von der Politik allerdings den Aufbau einer zentralen Agrarplattform für das eigene Datenmanagement. 95 Prozent sprechen sich auch für einen anwenderfreundlichen und kostenlosen Zugang zu Geo-, Betriebsmittel- und Wetterdaten aus.

Zu den wichtigsten politischen Maßnahmen aus Sicht der Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland zählen zudem ein besserer Mobilfunk- und Breitbandausbau im ländlichen Raum (96 Prozent) sowie Fördergelder für digitale Anschaffungen (80 Prozent). 

Mit Material von PM

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