Kartoffelzucht

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Kristina Wienand | am

Kartoffelzüchter suchen neue Sorten für trockene Zeiten

Zunehmende Hitze und Blattläuse stellen Kartoffelzüchter vor vielfältige Probleme. Ein Einblick in die Züchtung einer neuen Sorte.

Kartoffelzüchter in der Nähe von Lüneburg suchen nach Antworten auf den Klimawandel. Bei der Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion in Ebstorf im Landkreis Uelzen werden auf acht Hektar neue Kreuzungen angepflanzt. Es sei eine der größten Aufgaben, trocken- und stressresistente Sorten zu finden, sagte der Präsident der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft Unika, Olaf Feuerborn. „Wir müssen auf die fehlende Feuchtigkeit reagieren und Antworten finden.“ Derzeit bilden viele Sorten demnach in den zu trockenen Böden in Norddeutschland keinen guten Ansatz und setzten später zu wenige Knollen an.

Sorten kreuzen, die mehr Hitze vertragen

Nicht nur auf vielen Äckern im Norden, sondern auch auf dem Ebstorfer Kartoffelversuchsfeld staubt es mehr als in früheren Jahren. Dort sprießen Melissa, Laura oder Antonia mit neu gezüchteten Knollen. Die Aufgabe für die Tüftler bei Lüneburg: Sorten zu kreuzen, die mehr Hitze vertragen und resistenter gegen neue Viren sind, die durch den Klimawandel immer weiter nördlich auftauchen.

Die Kartoffelbauern in der Region dürften ihre Felder im ersten Halbjahr schon so stark künstlich bewässert haben wie sonst in einem ganzen Jahr. „Die 70 Millimeter Beregnung pro Jahr im siebenjährigen Schnitt haben die Landwirte wohl schon Ende Juni erreicht“, berichtet Hans-Reinhard Hofferbert, der Leiter der Züchtung. „Auch Blattläuse überwintern durch die Wärme besser, Resistenzzüchtungen sind ein Riesenthema“, bestätigt Justus Böhm. Er ist Geschäftsführer einer der größten Kartoffelzüchter Europas und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter.

Kartoffel

Hoffnungen ruhen auf erfolgreicher Forschung

Die Bauern müssen in Zukunft mit weniger chemischer Düngung und möglicherweise auch ohne das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auskommen, dessen Zulassung 2023 ausläuft. Vor vier Jahren wurde zudem die chemische Keimhemmung verboten. „Der Ball rollt immer wieder zur Züchtung, denn die chemischen Möglichkeiten werden den Kartoffelbauern mehr und mehr genommen“, sagt Hofferbert.

„Das ist ein Riesenaufwand, man muss gucken, dass das wirtschaftlich bleibt“, betont auch Unika-Präsident Olaf Feuerborn. Der Verband kämpft auf europäischer Ebene dafür, dass eine sogenannte Genschere eingesetzt werden darf. Anders als bei der klassischen Gentechnik werden dabei lediglich schädliche Gene ausgeschaltet und keine neuen eingebracht. Dann könnte die Züchtung schneller gehen und die mittelständischen Unternehmen in Deutschland besser mit dem Weltmarkt Schritt halten.

Aus 400 000 Setzlingen werden fünf Sorten

Jedes Jahr produziert der Zuchtbetrieb in der Heide 400 000 Setzlinge, bei der aufwendigen Forschung gehen daraus nach zehn Jahren fünf Kartoffelsorten hervor. „Wenn es einfach wäre, würden es noch mehr machen“, sagt Hofferbert. Bisher gibt es in Deutschland etwa 550 Sorten, weltweit sind es rund 5000. In den Gewächshäusern bei Ebstorf wird in Handarbeit mit der Pinzette gekreuzt. Der männliche Samen wird künstlich auf die Blüte aufgestäubt.

Zehn Jahre im voraus müsse man wissen, wie sich der Markt entwickele, schildert Hofferbert. Und dann soll eine Sorte im besten Fall auch etwa 30 Jahre nachgefragt werden, so lange läuft der Sortenschutz. Wie robust eine Kartoffel ist, wird auch bei Partner-Betrieben in Marokko, Frankreich und Spanien getestet.

Kartoffelpflanze auf dem Acker

Neue Sorten für Pommes und Chips

Derzeit wird viel an neuen Sorten für Kartoffelchips und Pommes geforscht. Die potenziell krebserregende Substanz Acrylamid kann bei starker Erhitzung entstehen. Je weniger Zucker eine Sorte enthält, umso weniger bräunlich wird sie beim Frittieren und damit auch nicht so schädlich, sagen die Fachleute. Damit müsse weiter an einer kälteresistenten Sorte geforscht werden, weil sie bei kühlerer Lagerung im Winter die Stärke nicht in Zucker umwandelt.

Ein Züchtungserfolg ist die Coronada, die 25 Prozent weniger Stärke beinhaltet und damit für Ernährungsbewusste und Diabetiker interessant ist. Unter dem Namen Linella vertreibt eine Supermarktkette die Low-Carb-Knolle. „Es ist ein Nischenprodukt und läuft gut“, sagt Böhm. 

Mit Material von dpa

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