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Dr. Andrea Feiffer, Franz Klüßendorf | am

Mähdrescher: Den Fahrer und die Technik optimieren

Trotz immer besserer Erntetechnik: Noch entscheiden die Fähigkeiten des Fahrers, ob der Mähdrescher seine volle Leistung bringt. Worauf sollte man achten?

Regelmäßige Wartung

Alles beginnt mit der Wartung. Eine verhaltene Reparatur, bei der Verschleißteile zu spät gewechselt werden, ist nicht nur teuer, sondern raubt auch noch wertvolle Erntezeit. Oft hört man: läuft doch noch.

Ist z. B. die Schlagleiste abgenutzt, läuft das Dreschwerk zwar noch eine Kampagne, aber es leistet mitunter nur noch 20 % weniger und zieht unter schwierigen Erntebedingungen nicht mehr durch. Ebenso ist es bei den Häckslermessern. Sie müssen nicht nur laufen, sondern Qualitätsarbeit für das Strohmanagement leisten. 

Vor dem Start richtig einstellen

  • Vor dem Start justieren: Bevor die Ernte richtig los geht werden alle Abstände, Toleranzen und Maße "geeicht".
  • Auf Parallelität des Dreschkorbes zur Dreschtrommel achten. Auf beiden Seiten wird der Korbein- und –auslauf in die richtige Grundposition und in parallele Stellung gebracht. Die am Monitor angezeigten Werte müssen mit den tatsächlichen Einstellpositionen übereinstimmen, sonst geht jede Einstellung schief.
  • Mut zum Schnellfahren: Rund 1 % Dreschwerks- und Reinigungsverluste bleiben ein guter Richtwert. Der Mähdrescher arbeitet im guten Lastbereich und das Erntetempo ist hoch. Viele Fahrer fahren aus falsch verstandener Verlustangst oder vielleicht auch aus Bequemlichkeit zu langsam. 

Verlustkontrollgeräte

Um den Mähdrescher am richtigen Verlustniveau zu führen, gibt es elektronische Verlustkontrollgeräte. Die Systeme sind zwar eine gute Hilfe, sie müssen aber auf die tatsächlichen Verluste kalibriert werden. Erst der Abgleich mit den tatsächlichen Verlusten im Schwad bringt den Nutzen und die Sicherheit. Ansonsten fährt man mit zu hohen Verlusten oder verschenkt Leistung. Also Prüfschale einsetzen und einen akzeptablen Verlust ansteuern. Fehlt die Abwurfautomatik: Beifahrer oder andere die Prüfschale werfen lassen.

Im Schwad bleiben

Bei paralleler Abfuhr unterliegen die Mähdrescherfahrer oft der Versuchung, mal eben beim Vorbeifahren den am Feldrand stehenden Abfahrer zu bedienen. Abbunkern am Feldrand raubt dem Mähdrescher etwa 25 % seiner Leistungsfähigkeit. Bei paralleler Abfuhr bleibt der Mährescher konsequent im Schwad und die Abfahrer müssen sich bewegen.

Bestand anfassen: Fühlen Sie ihren Bestand vor dem Start. Dadurch trifft man die optimale Mähdreschereinstellung schneller und besser.

1. Einige Ähren abreißen

2. Ähren ausreiben,

3. Körner zerbeißen und

4. Strohbündel verwinden:

So erfühlt man die Konsistenz. Wie fest hängt die Ähre am Stroh, wie fest sitzen die Körner in der Ähre. Den Kraftaufwand beim Ausreiben der Körner – die Hände fungieren als Dreschwerk – kann man auf die Dreschwerksintensität übertragen. Beim Zerbeißen der Körner in Verbindung mit der Kornfeuchte weiß man um die Bruchanfälligkeit und kann das auf die Eingriffsschärfe der Dreschtrommel ummünzen. Beim Verwinden eines Strohbüschels wird die Strohkonsistenz erfasst.

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Mit dem Bestand fahren

Über den Tagesverlauf verändern sich jedoch die Feuchteverhältnisse massiv.

  • Dreimal umstellen: Oft wird eine einmal gewählte Einstellung nicht verändert. Mähdrescher müssen dreimal am Tag umgestellt werden. Vormittags benötigt man Ausdrusch, Förderung und Abscheidung des noch feuchten Gutes, also schärfer dreschen. Nachmittags kommt es auf Kornschonung und Kurzstrohvermeidung an, also schonender dreschen.
  • Bruchkorn im Visier: Achten Sie auf Bruchkorn im Bunker. Der Schaden ist immer doppelt so hoch, weil im selben Verhältnis zum Bruchkorn auch Kleinkornanteile den Mähdrescher über die Reinigung „ungesehen“ verlassen. Die Dreschtrommel hat mit ihrer schlagenden Wirkung einen dreifach höheren Einfluss auf den Körnerbruch als der Korb mit der eher reibenden Wirkung. Deshalb heißt die Reihenfolge: 1. Schneller fahren für mehr Strohpolster, 2. Trommeldrehzahl reduzieren und 3. Korbspalt weiter öffnen
  • Rotordrescher: Axialmähdrescher werden oft mit zu geringer Geschwindigkeit gefahren. Die Rotoren müssen aber gut gefüttert werden, um auch gute Arbeit zu leisten. Die Verluste steigen bei Axialmaschinen mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit langsamer an als bei Tangentialdreschwerken. Deshalb gilt: flott fahren und den Korb nicht zu eng stellen.

Schneidwerk beschicken

Das Schneidwerk ist oft das Stiefkind. Mähdrescher müssen gleichmäßig beschickt werden, damit Dreschwerk, Reinigung und Häcksler effizient arbeiten können. Dazu gehört der richtige Freiraum unter der Einzugsschnecke von 20 bis 25 cm bei Getreide (und Raps, wenn man ihn hoch abschneidet), enge Abstreifer mit max. 5 mm Abstand zur Schnecke und die richtigen Schneckenflügel bzw. Wendellänge.

Wer an Messerklingen und Fingern spart, zahlt an Schnitt- und Flächenleistung drauf mit Kraft, Diesel, Leistung und Nerven. Jede Klinge durchtrennt etwa 200.000 Halme/Stunde. Da kommt es auf Schärfe an. Wenn die Förderschnecke die Halme mit den Ähren voran einzieht, gibt das einen spürbaren Leistungsschub. Ein häufiger Fehler ist dabei, die Haspel als "Heranholer" einzusetzen, sie hat jedoch nur Haltefunktion und soll den gewissen "Schubs" geben, damit die Halme, Ähren voran, zur Förderwalze fallen.

Überkehrmengen

Manche Mähdrescherfahrer nutzen die separate Nachdrescheinrichtung bewußt als zweites Dreschwerk, um die Leistung zu erhöhen. Jedoch Vorsicht, wird die Überkehrmenge zurück auf die Dreschtrommel geleitet, belastet der doppelte Rundlauf das Dreschwerk und führt zu Leistungseinbußen und Bruchkorn.

Grundsätzlich gilt, egal bei welchem Rückführsystem, die Überkehr soll moderat beschickt werden, und zwar mit Ähren, aber nicht mit sauber gedroschenen Körnern. Die Anzeige der Überkehrmenge muss mehr Beachtung finden.

Luftdruck senken

Luftdruck senken: Hochleistungsfähige Mähdrescher mit breiten Schneidwerken und großen Korntanks verursachen Radlasten über 10 t. Die Spuren bei feuchten Erntebedingungen kann man oft bis ins Frühjahr sehen.

Jedes Bar weniger Luftdruck, entsprechend der Lasten und der Reifendrucktabelle, bringt Bodenschonung. Das betrifft die Mähdrescher und die Abfuhrfahrzeuge.

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