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Martin Vaupel, LWK Niedersachsen | am

Die Multitalente auf Achsen und Rädern

Anhänger für Schüttgüter gehören zu den am häufigsten eingesetzten Fahrzeugen in landwirtschaftlichen Betrieben und Lohnunternehmen. Durch ihre vielseitigen Ausstattungen sind sie nützlich und leistungsfähig.

Bevor es um die verschiedenen Aufbauarten von Anhängern geht, zunächst einen Blick auf die Fahrwerke. Je nach Einsatzzweck und örtlichen Gegebenheiten kann es entsprechend ausgewählt werden.

Starrdeichselanhänger

Wo viel rückwärts rangiert werden muss, ist der Starrdeichselanhänger im Vorteil. Das Angebot reicht vom Einachsanhänger bis hin zum Tandem- oder Tridemfahrwerk. Mit den dreiachsigen Anhängern können je nach Achsabstand Gesamtmassen bis zu maximal 34 t bewegt werden. Dabei lasten 4 t Stützlast auf dem Schlepper. Vorausgesetzt dieser hat eine Kugelkopfkupplung und eine entsprechende Zulassung für diese Stützlast.

Durch die Stützlastübertragung auf den Schlepper verbessert sich die Zugkraft. Vor diesem Hintergrund werden Starrdeichselanhänger gerne bei Transportarbeiten auf Acker- und Grünland eingesetzt.

Um die unangenehmen Nickbewegung des Starrdeichselanhängers abzufangen, besteht die Möglichkeit die Deichsel mit Gummipuffern, hydraulischen oder pneumatischen Federungen auszustatten.

Bei den Fahraggregaten ist die Auswahl groß: Neben den typischen Federungen mit Parabelfedern werden Hydropneumatische und auch hydraulische Federungen angeboten. Zwei- und dreiachsige Starrdeichselanhänger werden vermehrt mit zwangsgelenkten Nachlaufachsen ausgestattet. Diese werden mechanisch oder auch elektronisch gesteuert. Das verbessert die Kurvenlaufeigenschaften und schont die Reifen, da sie bei Kurvenfahrten nicht so stark radieren. Auf dem Acker und Grünland wird der Boden und die Narbe geschont.

Gelenkdeichselanhänger

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Gelenkdeichselanhänger sind meist die Transportprofis für die Straße. Mit Straßenbereifung sind sie leichtzügiger, was zu einem geringeren Dieselverbrauch beiträgt. Im Zug mit zwei Anhängern kann die Ladekapazität optimal genutzt werden. Trotz relativ hoher Zulassungsgeschwindigkeiten ergeben sich ruhige Nachlaufeigenschaften.

Der Kipper – der Klassiker

Egal, in welcher Ausführung, ob als Zweiseiten-, Dreiseiten- oder Muldenkipper, der typische Kipper ist meist die erste Wahl, wenn es um landwirtschaftliche Transporte geht. Alle Arten von Schütt- und Stückgütern lassen sich mit dem Kipper transportieren und einfach entladen.

Weil landwirtschaftliche Kipper in relativ großen Stückzahlen hergestellt werden, gehören sie zu den kostengünstigsten Transportfahrzeugen. Der größte Nachteil von Kippern ist das Kippen selbst. Durch das Ankippen des Aufbaus verliert der Anhänger an Standfestigkeit. Insbesondere wenn nach hinten abgekippt wird, ist ein ebener Untergrund immer angeraten. Dadurch bedingt scheidet eine Entladung beispielsweise mit dem Muldenkipper auf dem Silohaufen aus, da das Risiko eines Umfallens zu hoch ist. Auch beim Abkippen in Gebäuden stößt man mit dem Aufbau nicht nur an Grenzen, sondern auch schnell mal gegen das Dach.

Abschiebewagen – der Standfeste

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Diese Anhängerform hat eine relativ hohe Verbreitung in der Praxis gefunden und viele namhafte Hersteller bieten dieses Entladeprinzip an.

Das Funktionsprinzip eines Abschiebewagens ist recht einfach: Nach dem Öffnen der Heckklappe wird die Stirnwand als Schiebeschild genutzt und nach hinten geschoben. Das Transportgut kann somit nur nach hinten ausgetragen werden. Die Hersteller verwenden für diesen Vorgang unterschiedliche Techniken. Meistens wird die Stirnwand über ein oder mehrere Hydraulikzylinder verschoben. Das Schiebeschild stützt sich dabei über Laufrollen, Führungsschienen oder Gleitplatten zum Boden und zu den Seitenwänden ab. Dadurch, dass der Fahrzeugaufbau fest mit dem Rahmen verbunden ist und auch kein Kippzylinder eingebaut werden muss, ist der Schwerpunkt eines Abschiebewagen wesentlich niedriger. Das bedeutet, dass er eine gute Standfestigkeit hat. 

Wird anstelle der Rückwand ein Streuaggregat eingebaut, kann der vorhandenen Abschiebewagen auch zum Mist- oder Kompoststreuen genutzt werden. Die Hersteller bieten auch Überladeschnecken und Dosierwalzen für die Häckselgutentladung an.

Rollbandwagen – für empfindliche Güter

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Insbesondere für das schonende Verladen von Kartoffeln und Gemüse hat sich der Rollbandwagen etabliert. Äußerlich sieht er dem Abschiebewagen ähnlich und viele Eigenschaften des Abschiebers treffen auch für den Bandwagen zu, wie beispielsweise die gute Standsicherheit.

Hauptmerkmal dieser Anhängerkonstruktion ist das Rollband, das über die ganze Breite des Muldenbodens vor- und zurückgefahren werden kann.

Bei der Technik gibt es seitens der Hersteller Unterschiede. Bei einigen wird das Band an der Vorder- und Rückseite des Anhängers aufgerollt. Es gibt auch Hersteller, die die Stirnwand fest mit dem Rollband verbunden haben und diese entsprechend verfahren. Andere Hersteller setzen auf ein umlaufendes Band, ähnlich eines Kratzbodens. Den Bandantrieb übernehmen je nach Hersteller Hydraulikmotoren, Kettentriebe oder auch Hydraulikzylinder in Verbindung mit Drahtseilen.

Häckselwagen – der Spezialist

Der Name beschreibt schon deutlich wofür der Wagen konzipiert ist. Jegliche Art von Häckselgut zu transportieren ist die einzige Aufgabe dieser Anhänger. Diese Spezialisten bestechen durch einen relativ einfachen und leichten Aufbau, der auf maximale Volumentransporte ausgelegt ist.

Die Entladung des Häckselgutes erfolgt über einen Kratzboden und ebenfalls einer großen Klappe. Die Hersteller bieten optional auch eine automatische Abladesteuerung an. Auf einen Knopfdruck werden alle Aggregate für den Abladevorgang in der richtigen Reihenfolge ein- und ausgeschaltet. Auch wenn diese Anhänger kein Getreide oder Erde transportieren können, hat die Verbreitung, bedingt durch die Ausweitung des Maisanbaus, zugenommen und Landwirte und Lohnunternehmer setzen auf diese schlagkräftige Transportlösung.

Ausstattung und Zubehör

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Die Hersteller bieten für jede Anhängerbauart eine Vielzahl von Ausstattungen und Zubehör an. Je nach Bedarf lässt sich der Anhänger entsprechend konfigurieren. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Bordwände in Stahl, Aluminium, glasfaserverstärkten Kunststoffplatten, Siebdruckplatten, etc.
  • Seitlich klappbare Aufsätze zur Verringerung der Beladehöhe und zur Erhöhung des Transportvolumens, auch hydraulisch teleskopierbar oder schwenkbar.
  • Hydraulische Abdecksysteme mit Planen, Netzen oder Festaufbauten.
  • Portaltüren zur einfachen Beladung von Stückgut, hydraulische Silagetüren und Silageaufsätze, senkrecht öffnende Heckklappen (hydraulisch) für schonende Kartoffelentladung.
  • Austauschbare Heckklappen für Überladeschnecken, Verladebänder, Dosierwalzen, Miststreuaggregate, etc.
  • Güllesäcke mit Pumpeinheit in der Heckklappe: Mit dieser Ausstattung wird aus einem Schüttgutanhänger ein Güllezubringer.
  • Bodenschonende Bereifung für den Feldeinsatz oder Straßenbereifung für dieselsparende Transporte.

Inhalte der Ausgabe

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