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Rainer Möller und Ludwig Volk | am

Neuer Traktor? So stellen Sie eine Schlepperkalkulation auf

Sie erwägen einen neuen Traktor zu kaufen? Dafür müssen Sie rechnen. Wir stellen Ihnen die Schlepperkalkulation für die Praxis vor und geben einen rationalen Überblick.

Ein niedersächsischer Landwirt mit Ackerbau und Schweinemast will seinen alten Schlepper ersetzen und sucht einen neuen Schlepper mit 150 bis 160 PS. Der Schlepper läuft 700 Stunden im Jahr (Ackerbau mit Getreide, CCM- Mais, Zuckerrüben, Gülle düngen, Transportarbeiten). Der Betriebsleiter spricht mit drei Händlern und vergleicht drei Schlepperneupreise:

  • Claas Arion 630, Preis: 145.500 €.
  • Fendt 716 Vario, Preis: 161.000 €.
  • John Deere 6155R, Preis: 142.000 €.

Schlepper kaufen: So ermitteln Sie die Preise

Die Angebote der Händler für die Inzahlungnahme des vorhandenen Schleppers sind unterschiedlich. Eine Preisermittlung für den zu ersetzenden Schlepper hat der Landwirt vorab mit den Gebrauchtmaschinenportalen www.technikboerse.com oder traktorpool.de durchgeführt. Aus einigen vergleichbaren Traktorangeboten hat er einen durchschnittlichen Gebrauchtschlepperpreis von 60.000 € herausgefiltert. So geht er mit einem durchschnittlichen Rücknahmepreis von 60.000 € in die einzelnen Kaufgespräche mit drei Landmaschinenhändlern.

60.000 Euro für den alten Traktor

Während der Claas-Händler für den Gebrauchten als Rücknahmepreis 71.000 € beim Neukauf des Arion 630 ansetzt, bietet der John Deere-Händler 65.000 € für den gebrauchten Traktor beim Neukauf eines John Deere 6155R. Der Fendt- Händler bietet 58.400 € beim Neukauf eines Fendt 716 Vario. Der Betriebsleiter hat nun drei Rücknahmepreise für den Gebrauchtschlepper auf dem Tisch:

  • Claas-Händler Rücknahmeangebot: 71.000 €.
  • Fendt- Händler Rücknahmeangebot: 58.400 €.
  • Deere-Händler Rücknahmeangebot: 65.0000 €.

Den Rücknahmewert von 60.000 € verrechnet er mit dem Neukaufpreis. Damit sinkt der angenommene Kaufpreis für den Arion 630 auf 134.500 € und die angenommene Zuzahlung für den Fendt 716 Vario steigt auf 162.600 €.

Schleppertest: Mitarbeiter vor Traktoren

Der Landwirt blickt acht Jahre in die Zukunft und plant mit acht Jahren Nutzungszeit bei 5.600 Schlepperstunden. Für unsere Kostenkalkulation nutzen wir die Formel zur Schlepperrestwertschätzung des KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft). Der Landwirt erhöht den errechneten Restwert um 20.000 € und begründet dies aus den Preissteigerungen der vergangenen Jahre, den höheren Wiederbeschaffungskosten in acht Jahren und den markenbestimmten Verkaufspreisen für den acht Jahre alten Schlepper.  Für den Fendt kalkuliert er den Restwert mit 85.817 €, beim Claas mit 79.480 € und den John Deere mit 78.050 €. Die Schätzung ist unsicher, aber der Landwirt will Preissteigerungen und zu erwartende höhere Restwerte bei der Entscheidung berücksichtigen.

KTBL-Werte: Daran sollten Sie sich beim Traktor-Kauf orientieren

Zu den Jahresfestkosten, vor allem Wertminderung durch Abschreibung, gehören Zinskosten und Versicherung. Der Claas hat die niedrigsten Fixkosten mit 8.447 €/Jahr (12,10 €/h), der John Deere kostet 8.944 € (12,80 €) und der Fendt 716 Vario hat Jahreskosten von 11.340 €/Jahr (16,20 €/h). Bei den variablen Kosten orientieren wir uns an den Richtwerten des KTBL. Die durchschnittlichen Reparaturkosten liegen bei 6,30 € je Schlepperstunde. Beim Dieselverbrauch orientiert sich der Betriebsleiter erneut an den Zahlen des KTBL auf Basis der Motorstärke, also der PS. Es wird bei den drei Traktoren mit je 14 Liter Dieselverbrauch je Stunde gerechnet, bei 1 € je Liter Dieselpreis beträgt die Dieselkostensumme je Stunde 14 €.

Männer testen Traktoren

Investition: Planen Sie auch Arbeitsteilung und Arbeitserledigung mit ein

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Zusätzlich gehören zu Investitionsplänen auch Gedanken zur rationellen Arbeitserledigung durch Arbeitsteilung. Die Einkommenskombination kann ein sinnvoller Weg sein, dass Familienvermögen zu erhalten. Um die gesamten Traktorkosten zu beziffern, werden die festen Jahreskosten mit den variablen Verbrauchs- und Reparaturkosten zusammengezählt und verglichen. Bei den Gesamtkosten des Schleppereinsatzes ist der Claas mit 52,40 €/h (36.646 €/Jahr), der kostengünstigste Traktor vor dem John Deere mit 53,10 €/h (37.142 €/Jahr) und dem Fendt 726 Vario mit 56,50 €/h (39.538 €/Jahr).

Vergleichen sie die Kosten für die Maschinen

Der Betriebsleiter vergleicht bei drei Schleppern die Maschinenkosten im Jahr und je Stunde:

  • Claas Arion 630, Jahreskosten: 36.646 € und Stundenkosten: 52,40 €.
  • John Deere 6155R, Jahreskosten: 37.142 € und Stundenkosten: 53,10 €.
  • Fendt 716 Vario, Jahreskosten: 39.538 € und Stundenkosten: 56,50 €.

Die Kostenunterschiede zeigen, dass Rücknahmepreise, unterschiedliche Kaufpreise, erwartete Restwerte, zu erwartende Reparaturkosten und verschiedene Dieselverbräuche die Reihenfolge verändern können.

Welcher Traktor passt zu mir und meinen persönlichen und betrieblichen Anforderungen?

Nicht berücksichtigt sind Unterschiede bei bevorzugten Händlern und leistungsfähiger Werkstatt mit guten Mechanikern, kompetenten Verkäufern, Entfernung zur Werkstatt und vertrauten Erfahrungen mit der Bedienung bei der seitherigen Traktormarke. Aus Datenaufzeichnungen in der Praxis stammt die Faustzahl, dass die Fahrerfähigkeit, das eingesetzte Wissen und Können im Jahr etwa 3.000 € Kosten- und Leistungsunterschiede ausmachen. Bei den Traktorkosten für den Betrieb ist der Fahrer deutlich kosten- und leistungsbestimmender, im Vergleich zur Traktormarke. 

Westerstede-Schleppertest-Landtechnik-Fachleute

Traktor kaufen, mieten oder leasen?

Vor der Entscheidung, welchen Traktor Sie wählen, können Sie prüfen und kalkulieren: kaufen, mieten, leasen – wie arbeiten Sie kostengünstig? Der Landwirt will vor dem geplanten Schlepperneukauf verschiedene Finanzierungsformen vergleichen. Im Beispiel werden beim Kauf der Traktors als Nettoanschaffungspreis 142.000 € und mit durchschnittlichen, geschätzten Zinsen von 1 % für Eigen- und Fremdkapital 148.816 € als Kostensumme fällig. Umgerechnet auf acht Jahre Laufzeit (96 Monate) der geplanten Traktornutzung ergibt sich eine fiktive Monatsrate von 1.550 € beim Kauf. Der Landwirt prüft das Leasingangebot und nimmt den identischen Anschaffungswert von 142.000 €, dazu kommen aufgeschlagene Bearbeitungskosten von 950 €.

Leasing - was bedeutet das finanziell?

Das Leasingangebot beläuft sich auf monatlich 1.595 €, oder in acht Jahren als Kostensumme auf 154.070 €. Der rechnende Praktiker vergleicht die Kostensumme beim Kauf mit 148.816 € mit der Leasingsumme von 154.070 € und errechnet eine teurere Differenz von etwa 5.250 €. Dann prüft der Praktiker ein Mietkaufangebot über 72 Monate (im Angebot maximale Monatszahl als Laufzeit) und kommt auf eine monatliche Zahlung von 1.820 €, oder umgerechnet auf 159.674 €. Das Mietkaufangebot würde zum höchsten Kaufpreis führen. Die Reihenfolge bei diesem Landwirt und seinen drei Händlern, inklusive Bearbeitungskosten und Restzahlung ist:

  • kaufen mit 148.816 €, monatlich 1.550 €,
  • leasen mit 154.070 €, monatlich 1.605 €, es sind 5.254 € mehr,
  • mietkaufen mit dann 159.674 €, monatlich 2.218 €, es sind 10.858 € höhere Kosten.

Wenn das Geld erarbeitet wurde und vorhanden ist, oder die Bank einer Finanzierung mit den günstigen Konditionen zustimmt und nicht andere Gründe für Leasing oder Mietkauf sprechen, ist für diesen Landwirt der "normale" Kauf die kostengünstigste Entscheidung.

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