Reifen und Befahrbarkeit_Foto3 Reifenkontur

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Ludwig Volk | am

Die Qual der Wahl: den richtigen Traktorreifen kaufen

Die Befahrbarkeit der Böden und die Reifentechnik in Einklang bringen, ist nicht immer einfach. Schließlich muss man die Reifenwahl, die Fahrgassen, die Spurweite und einen eventuellen Reifentausch überdenken.

Die Anforderungen an Reifen sind: tragen, lenken, Motorleistung mit weniger Schlupf abstützen, bremsen, federn und mit flachen Spuren und besserer Bodenschonung arbeiten. Effektiv arbeiten bedeutet aus dem Diesel mehr Flächenleistung zu holen durch mehr echte Vorfahrt, also weniger Schlupf. Die Reifenweiterentwicklung in den vergangenen Jahren ist enorm: Hersteller bieten neue Radialreifen mit mehr Tragfähigkeit bei gleichem Reifenluftdruck, oder bei gleicher Last, mehr Grip mit niedrigem Reifenluftdruck. Gekennzeichnet sind die neuen Radialreifen mit den Buchstaben „IF“ und „VF“, die gut lesbar in der Reifenflanke vor der Größen- und Breitenkennzeichnung stehen (IF = Improved Flection, VF = Very high Flection).

Worauf achten beim Neukauf von Traktorreifen?

Beim Neukauf von Reifen sollten Sie auf die Kennzeichnung „IF“ oder „VF“ in der Reifenbezeichnung achten. Diese Reifen sind flexibler, federn stärker ein, machen sich länger und prägen flachere Fahrspuren. „IF“ und „VF“ Reifen können bei gleicher Radlast oftmals mit niedrigem, bodenschonendem Reifendruck arbeiten. Die neuen Reifen entfalten die bessere Zugleistung, insbesondere mit variablem Reifendruck.

Verschleiß von Reifen einbeziehen!

Reifen auf Traktoren, Geräten, Anhängern und Erntemaschinen sind Hochleistungsprodukte mit Verschleißkosten je Traktorbetriebsstunde, zum Beispiel beim gut bereiften 200 PS-Schlepper von ein bis drei Euro. Nach etwa 2.500 bis 6.000 Traktorstunden sind Reifen abgenutzt, der dieselzehrende, teure Schlupf bei Zugarbeiten auf dem Feld oder der Wiese zwingt zum Neukauf. Für Straßenfahrten und leichten Arbeiten auf Wiese und Acker sind abgenutzte Stollen immer noch geeignet. Manchmal werden Kompletträder aus Verschleißgründen saisonal getauscht. In der ausdauernden, schweren Bodenbearbeitung mit Grubber oder Pflug sollten Sie bei 60 % Stollenverschleiß die neuen Reifen montieren. Je mehr Straßenfahrten Reifen verkraften müssen, umso schneller verschleißen sie.

Richtiger Reifen für die Traktorarbeit

Traktoren sind besser, wenn Sie die richtigen Reifen ausgewählt haben. Die richtigen Reifen wählen Sie nach der Traktorarbeit aus, also erhält der Pflegeschlepper für die Fahrgassen, z.B. VF480/85R26 und der stärkste Schlepper VF650/85R38. Ein gut beratener Landwirt legt Wert auf Bodenschonung und will gleichmäßigen hohen Ertrag, also möglichst keine Schadverdichtungen zulassen. Er wartet die gute Tragfähigkeit des abtrocknenden Bodens ab. Die Bodeneigenschaft „Tragfähigkeit“ bestimmt den Zeitpunkt der Arbeit. Die gleichmäßige Wuchshöhe der Pflanzen zeigt den fruchtbaren und tief nutzbaren Wurzelraum.

Mit der Wahl flankenhoher Reifen, also 85er Reifen anstelle von 65er Flankenhöhe, kann er besonders effektiv den variablen Reifendruck mit durchschnittlich 10 % weniger Dieselverbrauch nutzen. Aus der Kabine wird der Reifendruck passend zur Radlast, der Geschwindigkeit, dem Acker, der Wiese und der Straße eingestellt. Die Pioniere unter den Landwirten und Lohnunternehmern kennen den wichtigen Beitrag der radialen Reifen mit variablem Reifendruck für die frühe und längere Befahrbarkeit, der ausdauernden Reifennutzung und für den sparsamen Dieselverbrauch.

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Was Stollenpaare mit der Zugleistung zu tun haben

Der Traktor hat nur die Kontaktflächen der Reifen mit dem Boden, um sein Gewicht abzustützen und die Motorleistung zu übertragen. Je größer die Kontaktflächen sind, umso flacher wird die Spur, es können mehr Stollenpaare in den Boden eingreifen. Je mehr Stollenpaare sich mit dem Boden verzahnen, umso besser wird die Motorkraft in Zugleistung umgesetzt.

Bei ausgetrocknetem Boden dringen die Stollen nicht ein, sondern rollen leicht auf der tragfähigen Oberfläche. Je mehr Stollen das Drehmoment abstützen, je weniger dieselzehrender Schlupf ist fällig. Außerdem werden der Boden und die Bodenlebewesen durch die geringere Last pro cm² besser geschützt. Für Sie, als Landwirt, sichtbar durch flachere Spuren. Weniger und flache Spuren machen weniger Schaden in der Bodenstruktur mit ca. 50 % Porenvolumen. In den Poren wird Wasser gespeichert, werden Pflanzenreste, Wurzeln, Gülle, Mist, Kompost und Dünger von den Bodenlebewesen zu Nährstoffen recycelt.

In den Grenzflächen der Festsubstanz zu den 50 % Poren schaffen Regenwürmer, Käfer, Asseln, Pilze, Hefen, Bakterien fruchtbaren Boden mit hohem Ertrag. Die Bodenlebewesen sind ein nahezu unendlich vielfältiger Mikrokosmos, angepasst an Bodenart, Wetter, Bearbeitung, Fruchtart, Düngung und der Fütterung mit Pflanzenresten. Gemeint ist die angestrebte „Lebendverbauung“ im fruchtbaren Boden. Die Lebensgemeinschaft im Boden versorgt die Wurzeln und Pflanzen mit Nährstoffen, also Dünger, bildet Humus und recycelt Pflanzenreste und Zwischenfrüchte.

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Reifenpreise weltweit

Bei der Reifenwahl sollten Sie große, breite, radiale Reifen mit hoher Flanke bevorzugen, dabei treffen Sie auf unterschiedliche Reifenpreise. Reifen werden weltweit hergestellt, im Preiswettbewerb vermarktet und Angebote z.B. aus Indien sind preiswerter im Vergleich zu den bekannten Marken. Häufig kann mit der Preisdifferenz eine Reifendruckregelanlage nachgerüstet werden, für flachere Spuren, weniger Schlupf, mehr Ertrag, längere Reifennutzung und weniger Dieselverbrauch. Ob preiswertere Reifen auch 5.000 Schlepperstunden laufen und arbeiten, wie Sie es bei europäischen Markenreifen erwarten können, werden die Erfahrungen von Landwirten und Lohnunternehmern zeigen.

Wodurch wird der Reifenverschleiß bestimmt?

Der Reifenverschleiß wird wesentlich durch den Fahrstil bestimmt:

  • hohe Geschwindigkeit besonders in Kurven und Kreisverkehren kostet Gummi,
  • starkes Bremsen, anstelle vorausschauend fahren und rollen lassen, kostet Gummi,
  • hohe Achslasten und niedrige Reifendrücke auf der Straße kosten Diesel und Gummi.

Auf dem Acker halten Reifen länger, sofern nicht Steine, Risse, Schäden an der Karkasse, Stollenbrüche oder Flankenverletzungen den Stollenverschleiß überholen. Auf dem Acker ist das Können des Praktikers mit Bodenzustand, Zeitpunkt der Arbeit, Geräteeinstellung, passende Ballastierung und empfohlener Reifendruck besonders kostenwirksam. Generell arbeiten gute Fahrer mit einem 250 PS-Traktor pro Jahr bei ca. 800 Schlepperstunden um ca. 3.000 € günstiger. Weniger Schlupf, mehr Flächenleistung, weniger Reparaturen und hoher, gleichmäßiger Ertrag addieren sich.

Der richtige Reifendruck

Mit variablem Reifendruck erschließen sie die Vorteile, denn niedriger Ackerdruck (0,8 bis 1.2 bar) und hoher Straßendruck (1,8 bar) wird bequem, während der Fahrt, eingestellt. Mit variablem Reifendruck am Traktor und Güllefaß macht sich der Reifen um ein Drittel länger und halbiert die Spurtiefe. Übrigens sind 40 km/h Höchstgeschwindigkeit mit dem Traktor genug; schneller fahren kosten Expresszuschlag für Diesel, Reifenabnutzung, Bremsenprüfung und die jährliche Hauptuntersuchung.

Niedriger Reifenfülldruck

Im Reifengummi-Wulst ist ein dickes Drahtseil eingebettet, mit dem der feste Sitz auf der Felge gesichert wird. Zunehmend werden am Felgenhorn, also an der Kontaktfläche zum Reifen, die Felgen geriffelt, damit die Felge bei Ackerdruck und hoher Zugleistung nicht in dem Reifen zu wandern beginnt. In der hohen und flexiblen Reifenflanke sind zugfeste Fäden in das Gummi eingebacken, die das biegesteife, stollentragende Laufband mit dem Drahtseil im Wulst verknüpfen. Im Markenradialreifen auf dem Traktor trägt die eingespannte Druckluft die Last, nicht die Reifenflanke.

Das Druckluftvolumen im Reifen wird in Litern angegeben, je größer und breiter der Reifen ist, je mehr Luftpolster und Luftfederung aktivieren sie mit dem richtigen Reifendruck. Mit Ackerdruck beult sich die flexible Reifenflanke aus, das Laufband mit den Stollen wird ca. ein Drittel länger und kann die Spurtiefe und den Schlupf halbieren.

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Vorteile von Qualitätsreifen

Qualitätsreifen können auf Dauer mit niedrigem Reifenfülldruck und hoher Last arbeiten, vermindern den stollenzehrenden Schlupf und halten bis 1.000 Schlepperstunden länger. Das Geheimnis der Radialreifen liegt in der dauerhaften Verzahnung von Wulst, Reifenflanke und Laufband und der Komponentenmischung bei der Karkasse und beim Gummi. Boden und Reifen sind zwei Seiten einer Medaille, denn weicher Boden sollte mit flexiblen Reifen mit niedrigen Reifendruck und großer Kontaktfläche befahren werden und auf der harten Straße rollt der harte Reifen besser.

Augen auf bei der Reifenmontage!

Der Reifenmonteur sollte bei der Reifenmontage die richtige Ausrüstung einsetzen und die passende Felge mit dem freigegebenen Reifen kombinieren. Bereits bei der Montage wird ca. ein Drittel der Reifen beschädigt. Auf der Reifenflanke ist bei Traktorreifen mit 2,5 bar der maximale Setzdruck für die Felgen/Reifenmontage eingeprägt. Sitzt der Reifen richtig in der Felge wird auf Ackerdruck mit ca. 1 bar, oder Straßendruck mit ca.1,8 bar eingestellt.

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