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Thomas Gaul | am

Schlepper klimaschonend betanken

Der Abschied vom Verbrennungsmotor ist bei Schleppern noch nicht in Sicht. Doch auch Traktoren können längst klimaschonend betankt werden.

Alternative Kraftstoffe werden seit längerem in Fachkreisen diskutiert. In der landwirtschaftlichen Praxis haben sie aber noch nicht - wie erhofft - Einzug gehalten. Laut Branchenexperten könnte sich dies aber ändern. Diese trafen sich unlängst zum 17. Internationalen Kongress „Kraftstoffe der Zukunft“.

Für leichte Anwendungen und kurze Distanzen sah man die batterie-elektrischen Antriebe als geeignet an, für schwere und andauernde Anwendungen in der Landwirtschaft könnte der Methanantrieb besonders geeignet sein.

CNG-Motoren seit 1997 auf dem Markt

Der Hersteller New Holland setzt deshalb auf den Biomethangasantrieb. New Hollands Kommunikationsmanager Senghaas erläuterte: „Je größer die Fahrzeuge werden, desto eher kommen sie in den Bereich der Anwendung von Biomethan.“

New Holland bietet seit mehr als 20 Jahren Motoren an, die mit CNG (Compressed Natural Gas) betrieben werden können. Auf der letzten Agritechnica wurde der serienreife Biomethan-Schlepper vorgestellt. Dieser leistet 132 kW/180 PS, größere Leistungen sind jedoch möglich. Die wesentlichen Änderungen am Motor gegenüber der Dieselvariante betreffen die Brennraumgestaltung, Kolben und Zylinderköpfe.

Vorteile des CNG-Motors

Neben geringeren CO2-Emissionen fallen beim CNG-Motor auch geringere Betriebskosten an. Eine aufwendige Abgasreinigung ist mehr erforderlich, ein einfacher Dreiwegekatalysator reicht für die Anforderungen der Stufe V.

Die Universität Rostock hat einen Traktor auf Methanantrieb umgerüstet und in 1.750 Betriebsstunden Erfahrungen gesammelt. Der Deutz-Vierzylinder mit 83 kW, Tankvolumen 316 Liter, konnte 4, 7 Stunden lang eingesetzt werden. „Alle anfallenden landwirtschaftlichen Arbeiten konnten mit dem Traktor gut bewältigt werden“, resümierte Sascha Prehn vom Institut für Verbrennungsmaschinen. Nach anfänglicher Skepsis sei ein großes Interesse dagewesen.

Zum Kundensegment zählen vor allem Gemüsebauern, die mit einem Biomethantraktor den „CO2-Rucksack“ ihrer Produktion verkleinern wollen. Auf das Traktorensegment im Leistungsbereich von 130 bis 180 PS entfallen über 20 % der Zulassungen. Die Stückzahlen für Schlepper mit CNG-Motoren könnten also steigen, was man auch bei New Holland vermutet.

Biokraftstoffe der ersten Generation

Auch die Biokraftstoffe der ersten Generation, also die direkt aus Biomasse gewonnen werden, können die CO2-Emissionen der Landwirtschaft senken. Weiterer Vorteil: Bei der Verarbeitung von Raps entsteht mit dem Presskuchen ein hochwertiges Eiweißfutter, das importierte Futtermittel ersetzen kann.

Ein Nachteil sind steuerliche Faktoren und schwankende Dieselpreise. Wer einen Pflanzenöl-Schlepper kauft oder umrüsten lässt, legt sich damit für lange Zeit fest.

Eine praktikable Lösung könnte die Verwirklichung eines Vielstoff-Ansatzes sein. John Deere hat sich bereits an dieser Lösung versucht und einen Traktor mit einem Kraftstofferkennungssystem ausgestattet. Die Traktoren haben eine Motorsteuerung für die automatische Anpassung der Motorparameter an Pflanzenölkraftstoff, Biodiesel und Dieselkraftstoff bzw. deren Mischungen in jedem Verhältnis. Landwirte sind damit bei der Wahl des Kraftstoffes flexibel.

Praxiserfahrungen mit Rapsöl

Für Landwirt Michael Kister im fränkischen Markt Nordheim ist der Einsatz von Rapsöl als Kraftstoff eine sinnvolle Alternative zu fossilem Diesel. Familie Kister hat schon mehrere Traktoren umrüsten lassen. Den letzten von einer autorisierten Werkstatt, so dass die Werksgarantie erhalten blieb, und mit einer Förderung von 7.000 Euro aus dem Förderprojekt „RapsTrak 200“.

Für Kister zählt einerseits der betriebswirtschaftliche Aspekt, aber auch der ökologische. Das Rapsöl kostet ihn 0,91 Euro/l (zum Vergleich: Agrardiesel 1,01 Euro/l). Nach Abzug der Presskosten in der nahegelegenen Ölmühle erlöst er 39,07 Euro/dt. „Die Wertschöpfung bleibt beim Landwirt“, hebt Kister als wichtiges Argument hervor. Mit dem Rapskuchen kann er die Eiweißversorgung seiner Mastschweine sicherstellen. Ein Liter Rapsöl spart 3 kg CO2 ein, rechnete Kister vor: „Die Klimaziele für 2030 erreiche ich im Betrieb seit zehn Jahren.“

Fazit

  • Der Verbrennungsmotor dürfte auf absehbare Zeit seine Berechtigung in der Landtechnik behalten.
  • Grund ist der hohe Leistungsbedarf, für den es an praktikablen Alternativen fehlt.
  • Biokraftstoffe können die CO2-Bilanz der Landwirtschaft schon heute verbessern.
  • Der Biomethan-Antrieb ist jetzt praxisreif.

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