Im zweiten Teil des LWK-Schleppertests gab es weitere interessante Messungen und Ergebnisse. Zum Beispiel wurden die Leistungen der Heizungs- und Klimaanlage und die Lautstärken der einzelnen Fabrikate in der Kabine gemessen.
Martin Vaupel, LWK Niedersachsen | am

Schleppertest 100 PS-Klasse: Teil 2

Die 100 PS-Schlepper sind auf fast jedem Betrieb zu Hause. Egal, ob auf dem Voll- oder Nebenerwerbsbetrieb, im Einsatz auf dem Acker- oder Grünland oder als Hofschlepper für alle Fälle. Der Test ergab viele Infos.

Nachdem es im ersten Teil des Schleppertests um Motor, Getriebe und Hydraulik ging, werden im zweiten Teil die Bewertungen unserer zehn Traktoren zur Kabine und zum Fahrverhalten vorgestellt. Darüber hinaus gibt es noch weitere interessante Messungen und Ergebnisse, zum Beispiel zur Leistung der Heizungs- und Klimaanlage und zu den Lautstärken der einzelnen Fabrikate.

So wurde getestet

Das Fahrverhalten der Testtraktoren wurde von fünf Fahrern unabhängig voneinander zu unterschiedlichen Kategorien (z. B. Handling, Lenkverhalten, Übersichtlichkeit, Federung, etc.) bewertet. Die tatsächlichen Gewichte der Testschlepper konnten mittels einer Radlastwaage ermittelt werden.

Die Abweichungen zwischen den Prospektangaben und den gemessenen Gewichten sind teilweise enorm und die daraus resultierenden Nutzlasten interessant. Die Testtraktoren hatten unterschiedliche Reifengrößen aufgezogen. Bei den Ergebnissen zum Wendekreis ist das zu berücksichtigen. Der Luftdruck war für alle Testkandidaten gleich eingestellt.

Für ein angenehmes Arbeiten ist eine leise Kabine sehr wichtig. Mit einem Schallpegel-Messgerät wurde die Lautstärke in der Kabine und bei verschiedenen Fahrsituationen im Fahrerbereich gemessen.

Da in dieser Leistungsklasse ein Bedienterminal nicht Standard ist und auch die meisten Testschlepper kein Terminal eingebaut hatten, wurde dieser Punkt nicht bewertet.

Die Ermittlung der Klimaanlagenleistung erfolgte vor der Zapfwellenbremse. Innerhalb von sechs Minuten wurde die Reduzierung der Temperatur nach jeder Minute festgehalten. Daraus wurde die mittlere Reduzierung der Temperatur durch die Klimaanlage berechnet.

Nachdem sich die Schlepper über Nacht abgekühlt hatten, wurde früh am Morgen die Heizungsleistung überprüft. Dazu sind die Schlepper eine ca. 7 km lange Fahrstrecke mit höchster Heizungsstufe gefahren. Die Erhöhung der Lufttemperatur in der Kabine wurde innerhalb von sechs Minuten gemessen und die durchschnittliche Temperaturerhöhung berechnet.

Leider waren mehrere Schlepper nicht mit einem Frontkraftheber ausgestattet und so haben wir nur eine Pflanzenschutzspritze im Heck angebaut. Die Abstände zwischen Traktor und Gerät wurden gemessen und die Sichtverhältnisse und andere Parameter bewertet.

Case IH Luxxum 100

Fahrwerk und Fahrverhalten: Die Schaltvorgänge durch die Lastschaltautomatik wurden von den Testfahrern als angenehm und weich empfunden. Der Wendekreis war allerdings nicht überzeugend und mit rund 12 m der Größte im Testfeld. Vielleicht war hier etwas falsch eingestellt, denn beim Scheppertest 2019 haben wir einen vergleichbaren Luxxum mit nur 10,50 m gemessen. Gegenüber der Herstellerangabe wog der Schlepper in der Testausstattung rund 1 t mehr. Mit gut 2,5 t Nutzlast lag der Luxxum damit genau im Mittelfeld der Gruppe.

Um Schlepper und Kabine herum: Weil zwei Kabinenfilter gesäubert bzw. gewechselt werden müssen, die sich außerdem auf den hinteren Kotflügeln befinden und nur mit Schraubarbeit zugänglich sind, wurde dieser Punkt beim Luxxum 100 als verbesserungsbedürftig bewertet. Der Werkzeugkasten sitzt hingegen griffgünstig im Einstiegsbereich auf der linken Seite, hat ein herausnehmbares Innenteil und ist vom Boden aus gut einzusehen.

In der Kabine, Geräusche, Heizung, Klimaanlage: Der Weg zum Fahrersitz ist im Luxxum 100 nicht sehr üppig. Ebenso geht es dem Beifahrer auf dem Beifahrersitz. Die Kniefreiheit ist eingeschränkt und die Größe des Sitzes wurde von den Testsitzern als knapp empfunden. Die große Abdeckung der Frontscheibe durch das Sonnenrollo fiel sehr positiv auf. Bei der Heizungsleistung konnte der Schlepper punkten und landete auf dem zweiten Platz, da die Erhöhung der Temperatur je Minute bei 2 °C lag.

Anbaugerät anbauen: Die Sicht durch die große Heckscheibe auf die hinteren Fangkupplungen ist beim Luxxum 100 ausgezeichnet. Das Heranfahren an die Pflanzenschutzspritze funktionierte daher sehr gut. Gegenüber den anderen Testschleppern war der Abstand zwischen Scheibe und Anbaugerät zwar mit am geringsten, dennoch konnte für das Anbauen der Spritze die Heckscheibe offenbleiben.

Claas Arion 420

Fahrwerk und Fahrverhalten: Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 8,5 t hat der Test-Arion eine Nutzlast von rund 3 t, gut. Den Fahrern gefiel die einfache Handhabung der Schaltung und die guten Sichtverhältnisse in der Panoramic-Kabine.

Um Schlepper und Kabine herum: Alles gut. Egal ob Zugänglichkeit der Luftdruckanschlüsse oder der Auf- und Abstieg zur Kabine, alle Bewertungspunkte in dieser Kategorie wurden beim Arion 420 mit gut bewertet.

In der Kabine, Geräusche, Heizung, Klimaanlage: Der angenehm breite Einstieg auf dem Weg zum Sitz des Claas Arion fällt sofort positiv auf. Auch die Ablagemöglichkeiten kamen beim Testteam gut an. Der Test-Arion war mit dem Claas-Informations-System (CIS) ausgerüstet, dass mit dem Getriebedisplay am A-Holm alle Informationen über das Getriebe anzeigt. Die Leistung der Heizung und der Klimaanlage konnten nicht überzeugen. Im Durchschnitt von sechs Minuten hat sich die Kabine um 0,87 °C je Minute aufgewärmt (vorletzter Platz) und nur um 0,36 °C je Minute abgekühlt, letzter Platz mit dem Deutz-Fahr 5100. Besonders gut gefallen hat uns das schön integrierte Kühlfach unter dem Beifahrersitz.

Anbaugerät anbauen: Der Abstand zwischen der angebauten Pflanzenschutzspritze und Traktor war mit 31 cm beim Arion 420 mit am größten. Ohne den „Bauch einzuziehen“ kann man bequem zwischen Traktor und Anbaugerät treten und dadurch ist auch die Zapfwelle prima zugänglich.

Fendt 211 Vario

Fahrwerk und Fahrverhalten: In puncto Fahrverhalten hat sich der Fendt 211 Vario mit einer Durchschnittsnote von 1,6 deutlich an die Spitze des Testfelds gesetzt. Durchweg alle Fahrer lobten den guten Fahrkomfort und die Wendigkeit des Traktors. Das wird durch den zweiten Platz bei der Wendekreismessung (9,40 m rechts/8,99 m links)bestätigt. Mit der eingeschalteten VarioActive-Lenkung werden die Lenkradumdrehungen halbiert, was z. B. beim Rangieren oder bei Frontladerarbeiten vorteilhaft ist.

Um Schlepper und Kabine herum: Der Türgriff war mit 1,71 m beim Fendt relativ weit oben angeordnet. Dafür war die Ausstattung mit Haltegriffen und die Anordnung der Trittstufen wiederum gut.

In der Kabine, Geräusche, Heizung, Klimaanlage: In der Kabine ist alles im „grünen Bereich“. So lässt sich diese Bewertungskategorie einfach zusammenfassen. Im Rahmen der FendtOne-Einführung ist das Dashboard hinter dem Lenkrad hervorzuheben. Die Anzeigen des 10 Zoll Terminal sind in einem modernen, sehr übersichtlichen Design gestaltet und prima abzulesen. Durch die Profi+ Ausstattung hat der Test-Vario auch das zwölf Zoll Terminal mit Touch- oder Dreh-Drückstellerbedienung. Die Möglichkeiten der Einstellungen sind dadurch schier unbegrenzt. In Verbindung mit der Bedienkonsole sind alle Tasten freibelegbar und für jeden Fahrer individuell einstell- und auch wieder abrufbar. Die gemessenen Leistungswerte des Fendt 211 Vario lagen bei der Heizung und Klimaanlage knapp unter dem Durchschnitt der gesamten Testgruppe.

Anbaugerät anbauen: Die Sicht auf die Fangkupplungen des Heckrafthebers ist gut, zur rechten Seite ist die Sicht bedingt durch den zwölf Zoll Monitor eingeschränkt. Gut ist die Erreichbarkeit und Bedienung der Schalter für Zapfwelle und Heckraftheber an den Kotflügeln.

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