Auf dem Gelände der Deula in Westerstede (Kreis Ammerland) stellten sich in diesem Jahr zehn Traktoren dem Urteil der Experten des LWK-Fachbereichs Landtechnik, Energie, Bauen und Immissionsschutz. Es gab interessante Ergebnisse bei der Prüfung.
Martin Vaupel, LWK Niedersachsen | am

Schleppertest der LWK: Der 100 PS-Schlepper

Viele Praktiker wünschten sich schon lange einen Schleppertest in der 100 PS-Klasse (74 kW). Deshalb haben die Experten der LWK Niedersachsen bei der DEULA Westerstede sich diese Modelle genauer angeschaut.

Geltende Abgasvorschriften machten es in der Vergangenheit allerdings schwierig, vergleichbare Testmaschinen zu bekommen. Nach Ablauf verschiedener Übergangsregelungen müssen jetzt alle Schlepper in diesem Leistungssegment die EU-Abgasstufe 5 erfüllen. Grund genug, den Schleppertest der Landwirtschaftlichen Wochenblätter im 100 PS-Segment zu starten.

Diese Schleppergröße kommt überall zum Einsatz, egal ob im Voll- oder Nebenerwerbsbetrieb, Grünland- oder Ackerbau, Flach- oder Hügelland oder als Hofschlepper für alle Fälle. Da diese Traktoren für den Frontladereinsatz prädestiniert sind, wurden die Maschinen auch mit Frontlader getestet.

Diese Schlepperhersteller waren beim Test dabei

Von 15 eingeladenen Schlepperherstellern gingen am Ende zehn an den Start. Bei CNH hat diesmal Case IH und New Holland anstelle von Steyr den Vorzug bekommen. Der neue Same Dorado 105 CVT ist zu Testbeginn nicht fertig geworden. Der türkische Hersteller ArmaTrac konnte sich nicht zu einer Teilnahme durchringen und die John Deere-Traktoren aus Mannheimer Produktion waren zu schwer für den Test.

  • Case IH Luxxum 100
  • Claas Arion 420,
  • Deutz-Fahr 5100,
  • Fendt 211 Vario,
  • Lindner Lintrac 80,
  • McCormick X5.110,
  • Massey Ferguson 5410 M
  • New Holland T5.100 DC
  • Valtra A105 HiTech4
  • Zetor Forterra HSX 110

So wurde getestet

Beim Praxistest der LWK Niedersachsen wurde die Motorleistung der Testschlepper an einer Motorbremse bei einer 540 U/min-Zapfwellendrehzahl gemessen. Um unterm Strich den Dieselverbrauch der Testmaschinen miteinander vergleichen zu können, haben wir den Verbrauch bei der gemessenen Durchschnittsleistung berechnet. Die Werte sind in Liter, pro PS und Stunde (l/PS/Std.) dargestellt. Wir haben uns für diese unübliche Bezeichnung entschieden, um dem Praktiker die Herleitung der Werte besser verdeutlichen zu können. Eine exakte Verbrauchsermittlung von AdBlue konnte bei diesem Test nicht durchgeführt werden. Für die Verbrauchsmessung bei Transportfahrten musste jede Testmaschine die 16 km lange Strecke solo und mit einem Anhängerzug, bestehend aus zwei Zweiachsanhängern und einem Gesamtgewicht von rund 20 t, abfahren. Während der Testfahrten sind unterschiedliche Beschleunigungsmodi und Geschwindigkeiten einzuhalten, wobei nicht schneller als 40 km/h gefahren wurde.

Case IH Luxxum 100

Guter Zugang, die Tester sind zufrieden: Die Motorhaube des Case IH Luxxum 100 lässt sich schön weit öffnen. Einige Schlepper-Kühler können zum Säubern herausgezogen werden.

Rund um den Motor: Im Case IH Luxxum 100 läuft, wie im New Holland T5.100 DC, der 3,6 l-Motor von FPT (Fiat-Power-Train) mit einer Nenn- und Maximalleistung von 100 PS. Die Motorhaube öffnet sich prima und der Ölwechselintervall bei 600 Stunden mit nur 7,5 l Motoröl spart Kosten.

Leistung und Verbrauch an der Zapfwelle: Die maximale Leistung an der 540er-Zapfwelle lag bei 85 PS. Bei der Kombinationsmessung aus 540, 470 und 400 Umdrehungen je Minute hat der Case IH eine Durchschnittsleistung von 82 PS erreicht. Bezogen auf die erzielte Leistung ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch von 0,23 l/PS/Std. Damit entsprach der Verbrauch des Case IH dem Mittelwert der Testgruppe.

Verbrauch Transportfahrten: Wie in Tabelle 2, S. 38, ersichtlich, lag der Dieselverbrauch beim Luxxum bezogen auf eine Strecke von 100 km bei der Solofahrt genau bei 30 l Diesel und damit etwas unter dem Mittelwert der Testgruppe. Mit den zwei beladenen Anhängern hat der Case IH, umgerechnet auf 100 km Fahrstrecke, 46,6 l Diesel verbraucht und lag damit leicht über dem Mittelwert.

Getriebe und Zapfwelle: Das Getriebe im Luxxum 100 hat mit 4-facher Lastschaltung 32 Vorwärts- und Rückwärtsgänge. Das Active Clutch (automatisches Anhalten ohne Betätigung der Kupplung) steigert den Fahrkomfort. Die Einstellung der Zapfwellengeschwindigkeit ist nicht die komfortabelste Lösung im Test und wird an einem mechanischen Hebel vorgewählt.

Kraftheber und hydraulische Leistung: Mit angegebenen 5.600 kg hat der Luxxum die höchste Hubkraft im Heck. Bei der Überprüfung der Ölfördermenge hat der Case IH an der zweiten Steckkupplung mit 60 l/min den besten Wert im Test erzielt.

Claas Arion 420

Rund um den Motor: Im Claas Arion 420 arbeitet mit 4,4 l Hubraum der größere Bruder des FPT-Motors. Neben der weitöffnenden Motorhaube ist besonders die gute Kühlerreinigung aufgefallen. Die verschiedenen Kühler können zum Ausblasen einfach und sehr weit aufgeklappt werden.

Leistung und Verbrauch an der Zapfwelle: Bei der durchschnittlichen Zapfwellenkombinationsmessung hat der FPT-Motor eine Leistung von 88 PS abgegeben und mit 0,22 l/PS/Std., neben dem Fendt 211 Vario, den geringsten Verbrauch erzielt.

Verbrauch Transportfahrten: Bei der Solofahrt landete der Arion 420 mit 13,1 l/h Diesel auf dem vorletzten Platz. Hingegen wurde bei der Fahrt mit den beladenen Anhängern nur 14,1 l/h Diesel verbraucht und damit weniger als der Durchschnitt der zehn Testkandidaten.

Getriebe und Zapfwelle: „Einfach und gut“, so lässt sich das Urteil zum Getriebe des Claas Arion 420 zusammenfassen. Die Schaltwippe des Quadrishift-Getriebes wird einfach nach vorne oder hinten bewegt und das Getriebe sucht die passenden Gänge. Die 16 Vor- und Rückwärtsgänge sind komplett ohne Kupplungspedal schaltbar. Da bei dem Test-Arion 420 nur auf der linken Seite die Wendeschaltung bedient werden konnte, gab es hier Punktabzug.

Kraftheber und hydraulische Leistung: Bereits nach 600 Stunden müssen die 68 l Hydraulik- und Getriebeöl gewechselt werden, da haben andere längere Standzeiten. Die maximale Ölfördermenge bei einem Verbraucher wurde mit 87 l/min gemessen. Wenn an der ersten Steckkupplung aber ein Ölfördermenge von 30 l/min gebraucht wird, kommen dann an der zweiten Kupplung allerdings nur 37 l/min an.

Fendt 211 Vario

Transportfahrten mit zwei Anhängern: Vor dem beladenen Anhängerzug hatte der Fendt 211 Vario, gemeinsam mit dem Valtra A105 HiTech4, den niedrigsten Dieselverbrauch.

Rund um den Motor: Im Fendt 211 Vario verrichtet der 3-Zylinder Agco-Power-Motor mit 114 PS seinen Dienst und hatte damit die höchste Motorleistung im Test. In der 200er Baureihe ist der 211 Vario der einzige Schlepper, der mit Fendt Dynamic Performance angeboten wird. Damit generiert der Motor 10 PS Mehrleistung. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Schlepper fährt oder z. B. vor dem Futtermischwagen im Stand arbeitet. Die Möglichkeit zur Kühlerreinigung ist verbesserungsbedürftig. Optional bietet Fendt einen Umkehrlüfter an. Der liegende Ölfilter passt nicht mehr in die Zeit und der Zugang zum Ölpeilstab wird durch den Frontlader verdeckt. Auch das Tanken von AdBlue auf der Motorhaube konnte das Testteam nicht begeistern.

Leistung und Verbrauch an der Zapfwelle: Durch die Motorausstattung hatte der Fendt mit 116 PS die höchste Zapfwellenleistung und auch in der Kombinationsmessung wurde mit 104 PS der höchste Wert erzielt. Der Schlepper hat mit dem Claas Arion 420 den niedrigsten spezifischen Kraftstoffverbrauch von 0,22 l/PS/Std.

Verbrauch Transportfahrten: Bezogen auf 100 km Fahrstrecke hat der Fendt 211 Vario bei der Solofahrt gemeinsam mit dem Deutz-Fahr 5100 den geringsten Verbrauch von 25,6 l Diesel. Genau 40 l Diesel wurde für die gleiche Strecke beim Ziehen der vollen Anhänger benötigt. Erster Platz für den Fendt 211 Vario zusammen mit dem Valtra A105.

Getriebe und Zapfwelle: Das bekannte stufenlose Variogetriebe ist auch in dieser Leistungsklasse beispielhaft. Die Auswahl der Zapfwellengeschwindigkeit über das Fendt-One-Terminal und das Ein- und Ausschalten der Zapfwelle über die gute Bedienkonsole ist prima.

Kraftheber und hydraulische Leistung: Durchgängig sehr gute Noten bekam der 211 Vario für die Bedienung von Heckraftheber und hydraulischen Steuergeräten über das FendtOne-System. Abzüge gab es bei der Hydraulikölkontrolle und für das Nachfüllen von Hydrauliköl, was durch den angebauten Frontlader nur schwer möglich ist.

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