on_Wassersparende Bodenbearbeitung_Foto1_Maschinenvorfuehrung
Claus Fricke, LWK Niedersachsen | am

Stoppelbearbeitung: Eine wassersparende Alternative

Eine Möglichkeit Unkräuter und Ausfallgetreide zu regulieren sowie die Strohrotte zu fördern, stellt die Stoppelbearbeitung nach der Ernte dar. Doch der Boden darf auch nicht austrocken. Was kann man tun?

Mit der Bodenbearbeitung nach der Getreide- und Rapsernte soll ein Bodengefüge geschaffen werden, dass optimale Bedingungen für die Keimung von Ausfallgetreide, -raps, Ungras- und Unkrautsamen bietet und gleichzeitig die Einleitung der Strohrotte ermöglicht. 

In den zurückliegenden trockenen Sommern ist es nicht immer gelungen, diese Ziele im Einklang zu erreichen, da die bereits trockenen Böden bedingt durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen nach der Ernte vielerorts noch stärker ausgetrocknet sind.

Zeitnah nach der Ernte

Daher ist es wichtig, die Bearbeitungsmaßnahmen so zu planen und durchzuführen, dass unter Berücksichtigung der genannten Ziele möglichst viel Restfeuchtigkeit im Boden erhalten bleibt und unproduktive Wasserverluste durch Verdunstung vermieden werden.

Eine Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass die Bearbeitung möglichst zeitnah nach dem Mähdrusch erfolgen sollte, um den kapillaren Wasseraufstieg im Boden und damit die unproduktive Verdunstung zu unterbinden.

Dieser erste Bearbeitungsgang muss daher unter trockenen Bedingungen so flach, wie mit der vorhandenen Technik möglich erfolgen. Dabei ist darauf zu achten, dass über die gesamte Maschinenarbeitsbreite ein gleichmäßiger Bearbeitungshorizont erzielt wird und gleichzeitig ausreichend Erntereste als Verdunstungsschutz auf der Bodenoberfläche verbleiben.

Ausreichend rückverfestigen

Wichtig ist weiterhin eine ausreichende Rückverfestigung des gelockerten Bodens und ein "Andrücken" der Erntereste an die Bodenoberfläche, um dadurch die Voraussetzungen für eine Keimung von Ausfallgetreide und Unkraut-/Ungrassamen sowie für die Einleitung der Strohrotte zu schaffen.

Eine erste Bearbeitungstiefe von 8 bis 10 cm ist unter trockenen Bedingungen bereits zu intensiv, da bei dieser Einstellung meist nur noch etwa 30 bis 40 % der Erntereste an der Bodenoberfläche verbleiben. Bedingt durch die Bodenlockerung und den fehlenden Verdunstungsschutz in Form von Ernteresten trocknet der Boden dann schnell über den gesamten Bearbeitungshorizont aus.

Unkraut- und Ungrasmanagement

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der für eine erste sehr flache Bodenbearbeitung nach der Ernte spricht, ist das Unkraut- und Ungrasmanagement. Verschiedene Versuche zeigten, dass bei einer sehr flachen Bearbeitung Unkräuter und Ungräser effizienter reduziert werden, da ihre Samen bei dieser Form der Bodenbearbeitung nicht vergraben werden.

Die meist sehr kleinen Samen von Ungräsern und Unkräutern benötigen nur wenig Wasser zum Keimen. Allerdings tritt nach dem Samenausfall zunächst einmal eine primäre Dormanz (Keimruhe aufgrund der äußeren Bedingungen) ein. Diese ist aber vor allem bei warmen und trockenen Bedingungen während der Abreifephase weniger stark ausgeprägt und wird abgebaut, sofern die Samen unter trockenen Bedingungen direkt auf der Bodenoberfläche oder in geringer Tiefe verbleiben. Dies gilt auch für Ausfallraps.

Weniger ist mehr

Bereits bei geringer Wiederbefeuchtung durch aufsteigendes Bodenwasser, stärkere Tauphasen oder Niederschläge können die Samen dann keimen. Werden sie dagegen bei der ersten Bearbeitung bereits in Tiefen von mehr als 3 cm vergraben, in denen sie natürlich nicht keimen, tritt eine sekundäre Dormanz ein, die sehr ausgeprägt sein kann. Häufig erfolgt eine Keimung des vergrabenen Samenpotenzials erst dann, wenn die Samen durch Bearbeitungsmaßnahmen wieder in eine für sie günstige Keimtiefe gelangen, wie z.B. bei der Saatbettbereitung zur Folgekultur.

Bereits im Getreide oder Raps aufgelaufene Unkräuter und Ungräser sowie Ausfallraps können mit geeigneten Werkzeugen, die einen ganzflächigen Schnitt ermöglichen, bei der ersten flachen Bearbeitungsmaßnahme beseitigt werden.

Bodenstruktur verbessern

Weitere Vorteile dieser Bearbeitungsform sind unter anderem, dass die natürliche Bodenstruktur unterhalb des Bearbeitungshorizontes u.a. Regenwurmgänge, die den Wasser- und Lufthaushalt des Bodens maßgeblich verbessern, erhalten bleibt, weniger Humus abgebaut wird und kraftstoffsparender gearbeitet werden kann. Mit jedem Zentimeter verringerter Arbeitstiefe werden etwa 100 bis 150 t/ha weniger Boden bewegt und der Dieselverbrauch um etwa 10 % reduziert.

Aus diesen und weiteren Erkenntnissen heraus hat sich die Bearbeitungsmethode "ultraflache" Bodenbearbeitung entwickelt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass über die gesamte Arbeitsbreite des Bearbeitungsgerätes ein ganzflächiger Schnitt des Bodens bei nur 2 bis 3 cm Arbeitstiefe erreicht wird und die Erntereste weitestgehend als Erosions- und Verdunstungsschutz auf der Bodenoberfläche verbleiben.

Spezielle Schare

Dadurch ist es mit dieser Bearbeitungsform möglich, die negativen Folgen einer Stoppelbearbeitung auf den Wasserhaushalt der Böden gering zu halten. Für eine sehr flache ganzflächig schneidende Bearbeitung, die dabei die Erntereste auf der Oberfläche belässt, sind spezielle Gänsefußschare sowie eine Scharanordnung erforderlich, die einen Überschnitt von 3 bis 5 cm gewährleisten. Sie haben einen geringen Anstellwinkel und zumeist eine Schneide mit Hartmetallauftrag, um eine dauerhaft gleichbleibende Schnittleistung zu erreichen.

Nahezu alle Bodenbearbeitungsgerätehersteller haben für diese Bearbeitungsform spezielle Grubber entwickelt, die zumeist durch vorlaufende Tiefenführungsräder und Nachlaufwalzen über die gesamte Gerätelänge sehr exakt parallel geführt werden können.

Damit Betriebe für eine solche Bearbeitung auch bereits vorhandene Grubber nutzen können, bietet der Spezialhersteller Boehlerit für verschiedene Grubberfabrikate auch Hartmetallgänsefußschare mit speziellen Anbauadaptern (zur Einhaltung des richtigen Schnittwinkels) an, die montiert an der vorhandenen Technik eine ultraflache Bodenbearbeitung ermöglichen.

Einige Grubberhersteller entwickeln bereits entsprechende Schare, mit denen vorhandene Geräte für diese Bearbeitungsvariante nachgerüstet werden können.

Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Hitze im Schweinestall vermeiden
  • Marktübersicht Teleskop- und Teleskopradlader
  • Futtermittelhygiene-Verordnung: Wichtiges zur Registrierung

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen