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Dr. Rolf Peters, DLG | am

Trends in der Kartoffeltechnik: Die Anbaubedingungen verändern sich

Faktoren wie Digitalisierung, Herausforderungen durch das Klima, weitere Auflagen bei der Düngung oder die abnehmende Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln, bestimmen mehr und mehr den Kartoffelanbau.

Die technische Entwicklung in der Kartoffelproduktion wird nicht mehr nur von den klassischen Einflussfaktoren Leistung, Verfahrenskosten und Produktqualität bestimmt, sondern zunehmend von den Möglichkeiten der Digitalisierung, den Herausforderungen des Klimawandels und den sich verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen.

Letztere spiegeln sich z. B. in weitreichenderen Auflagen bei der Düngung, der abnehmenden Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln sowie den Beschränkungen rund um den Straßenverkehr wider.

Pflege/Pflanzenschutz

Während der Enddammaufbau als eine der Grundfunktionen der mechanischen Pflege vielfach schon gemeinsam mit dem Legen erfolgt, zeichnen sich bei der Beikrautregulierung langfristige Veränderungen ab.

Die Diskussion um eine Verlängerung der Zulassung des solo und in Kombination vielfach angewendeten herbiziden Wirkstoffs Metribuzin leistet der Auseinandersetzung mit mechanischen Pflegemaßnahmen weiteren Vorschub.

Dabei sind die Dammflanken deutlich leichter zu bearbeiten als die Dammkrone, wenngleich die seitlichen Dammregionen durch ihre intensive Durchwurzelung einen äußerst sensiblen Bereich darstellen, der möglichst ungestört bleiben sollte.

Neben den klassischen Werkzeugen wie Hackmesser, Rollhacken oder Striegel kommen auch Lösungen aus anderen Kulturen, wie z. B. Fingerhacken zum Einsatz. Weitere kartoffelspezifische Entwicklungen in Form neuer Werkzeuge und Sensorsteuerungen, aber auch eine stärkere Kombination von mechanischen und chemischen Pflegemaßnahmen, beispielsweise über eine Bandbehandlung der Dammkrone durch herkömmliche, in der Applikationstechnik adaptierte Pflanzenschutzspritzen, sind zu erwarten.

Mit der Zunahme mechanischer Maßnahmen im Kartoffelanbau steigt aber auch wieder die Durchfahrtshäufigkeit in den bisher nicht befahrenen Furchen, da die begrenzte Arbeitsbreite dieser Geräte keine alleinige Nutzung der bisherigen Fahrgassen ermöglicht.

Dies setzt deutlich leichtere Traktoren mit einer an die Reihenweite angepassten Pflegebereifung voraus. Entsprechend wichtiger werden die Beachtung schädigender Bodenverdichtungen und der Entstehung von unerwünschten Kluten beim Befahren eines feuchteren Bodens.

Hier zeichnen sich zwar digitale Lösungen auch für eine kleinräumige Prognose des Schadverdichtungsrisikos vor dem eigentlichen Befahren der Flächen ab, der Zielkonflikt zwischen termingerechtem Einsatz und bodenschonendem Befahren bleibt jedoch bestehen, da die optimalen Zeitfenster für mechanische Maßnahmen viel enger sind und häufig neben schlag- auch partienspezifische Unterschiede auftreten.

Ernte

Die trockenen Erntebedingungen der vergangenen Jahre haben die Forderung nach der Entwicklung einfacherer Roder lauter werden lassen. Die Erfahrungen im Herbst 2021 haben jedoch gezeigt, dass die aktuellen Sieb- und Trennelemente in den Erntemaschinen ihre Berechtigung haben und auch weiterentwickelt werden sollten.

Dem fortwährenden Wunsch nach einer weiteren Leistungssteigerung kommen die Hersteller zum einen durch den weiter optimierten Gutfluss in den Maschinen nach. Zum anderen wächst nicht nur das Bunkervolumen. Durch den vermehrten Einsatz von Überladebunkern lassen sich auch die Rangier- und Überladezeiten am Feldrand minimieren.

Der Erhalt einer hohen Knollenqualität darf bei allem Leistungs- und Kostenbewusstsein für die meisten Verwertungsrichtungen nicht außer Acht gelassen werden. Durch den vermehrten Einsatz hydraulischer Antriebe bis hin zu vollhydraulischen Modellen, auch bei ein- und zweireihigen gezogenen Rodern, wird eine knollenschonende Einstellung deutlich erleichtert.

Zudem ermöglicht die Integration von Sensoren in die Regelkreise der Baugruppen eine weitgehend automatische Anpassung an wechselnde Einsatzbedingungen und schafft so für den Fahrer Freiräume, z. B. zum Überladen der Kartoffeln während der Fahrt.

Mit der Zahl der Verstellmöglichkeiten steigt aber auch die Komplexität der Steuerungsterminals. Dieser Gefahr versuchen die Hersteller durch eine gezielte Auswahl der Einstell- und Visualisierungstools auf der permanenten Bildschirmebene zu begegnen, wobei zumeist eine fahrerbezogene Individualisierung möglich ist. Diese Konfiguration lässt sich ebenso abspeichern wie verschiedene Grundeinstellungen der Maschine, die bei wiederkehrenden Einsatzbedingungen bzw. Verwertungsrichtungen als erfahrungsbasierte Ausgangspunkte für weitere manuelle Anpassungen auf die aktuellen Rodebedingungen dienen.

Darüber hinaus eröffnet der umfassende Datentransfer von der Erntemaschine auf mobile Endgeräte oder den Betriebs-PC die Möglichkeit, die Rodearbeit zeitnah zu unterstützen oder aber Informationen/Daten für die spätere Weiterverarbeitung zu dokumentieren.

Hier bieten herstellerunabhängige Datentransfersysteme deutliche Vorteile, wenn Maschinen unterschiedlicher Hersteller in die Verfahrenskette integriert sind oder Leistungen als Lohnarbeit in Anspruch genommen werden.

Die Entwicklung praxistauglicher Lösungen zur Ertragskartierung bei der Ernte wird von den Herstellern forciert, da die hier anfallenden Daten bei entsprechender Validität für die Bewertung z. B. teilflächenspezifischer Maßnahmen während der Vegetationsperiode unerlässlich sind.

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