Kühe-Weide

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Laura Schneider | am

Nachhaltige Lebensmittel gibt es nicht ohne Nutztiere

Ob im Hinblick auf Tierwohl, in Diskussionen zum Umweltschutz oder angesichts der Tatsache, dass die verfügbare Fläche, die einen Menschen versorgen muss, immer kleiner wird: Die Tierhaltung steht zunehmend in der Kritik und immer wieder taucht auch die Frage auf „Brauchen wir überhaupt noch Nutztiere?“.

Dieser Frage stellte sich auch Prof. Wilhelm Windisch vom Lehrstuhl für Tierernährung der Technischen Universität München kürzlich bei einer Veranstaltung der Brancheninitiative „Fokus Fleisch“. Er verdeutlichte in seinem Vortrag, dass die Landwirtschaft mit jedem Kilogramm veganer Lebensmittel mindestens 4 kg nicht essbare Biomasse erzeugt. Darin seien viele Pflanzennährstoffe gebunden, die zurück in den landwirtschaftlichen Kreislauf geführt werden müssten. Die nachhaltigste Lösung dazu sei es, sie an Nutztiere zu verfüttern und die Düngereste auszubringen. So könnten Nutztiere die verfügbare, aber nicht essbare, Biomasse weitgehend emissions- und klimaneutral in hochwertige Lebensmittel umwandeln.

Das Problem sind die zusätzlichen Ackerflächen

Umweltwirkungen würden erst entstehen, wenn Ackerflächen für zusätzliche Futtermittel verbraucht werden. Eines der wirkungsvollsten Ziele der nachhaltigen Erzeugung von Lebensmitteln tierischerer Herkunft sei es, Nahrungskonkurrenz zwischen Nutztieren und Menschen zu vermeiden, was Wiederkäuer in das Zentrum des Interesses rücke.

Wohin mit nicht essbarer Biomasse?

Wenn man die Nutztierfütterung nun auf nicht essbare Biomasse begrenzt und auf den exzessiven Anbau von Futtermitteln auf Ackerflächen verzichtet, dürfte sich die Tierzahl laut Windisch verringern. Die große Chance sieht er aber darin, ein Gleichgewicht zwischen Lebensmittelindustrie, Pflanzen- und Tierproduktion zu finden, um die begrenzt verfügbare Biomasse optimal zu nutzen. „Man kann Tiere und Pflanzen nicht trennen“, betonte er. „Vegane Ersatzprodukte sind bioökonomisch sinnvoll, aber keinesfalls Gegenpole zu Lebensmitteln tierischer Herkunft, denn auch bei ihrer Herstellung entstehen große Mengen nicht essbarer Biomasse. Wenn wir diese an Nutztiere verfüttern, erzeugen wir ein Maximum an Lebensmitteln aus derselben Biomasse – das ist eine Win-Win-Situation.“

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Ressourceneffizienz: wie nachhaltig ist die EU-Landwirtschaft?

Dr. Thomas Unnerstall, Naturwissenschaftler und Berater, ging bei der Veranstaltung auf die Frage ein, wie nachhaltig die EU-Landwirtschaft ist. Er betonte, dass es in ökologischen Aspekten durchaus Verbesserungspotenzial gebe, viele Vorwürfe aber falsch oder überzeichnet seien. Der Ressourcenverbrauch in der EU-Landwirtschaft nehme seit über 30 Jahren trotz gestiegener Produktion ab. Die EU verbrauche heute pro Kopf etwas mehr Düngemittel und Pestizide, aber weniger Fläche und Wasser als der weltweite Durchschnitt – trotz einer vergleichsweise üppigen Ernährung. In Deutschland sei in den vergangenen 30 Jahren der Verbrauch an Flächen, Dünger und Wasser gesunken und lediglich der Pestizideinsatz gestiegen. 

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