Traktor mit Gerät nimmt Bodenprobe
Dr. Frank Lorenz, Dr. Christina Neuhaus, LUFA Nord-West | am

Das 1 × 1 der Bodenprobenahme

Was muss bei der Probenahme und beim Transport von Nmin -Proben zum Labor beachtet werden, damit die Untersuchungsergebnisse verlässlich sind? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der neuen Landesdüngeverordnung vom Mai 2021 zufolge ist es in den Roten Gebieten verpflichtend, von den eigenen Flächen Nmin-Proben zu ziehen – und in den Grünen Gebieten ist es sinnvoll, über eigene Werte zu verfügen. Worauf Sie dabei achten sollten.

Was ist Nmin überhaupt und wo kommt es vor?

Nmin steht für "mineralischer Stickstoff". Dieser Stickstoff besteht im Boden aus Nitrat (NO3) und Ammonium (NH4), also den beiden löslichen Stickstoffformen, wie wir sie zum Beispiel vom Kalkammonsalpeter kennen. Sie machen aber nur einen kleinen Anteil des Gesamtstickstoffs im Boden aus. Die größere Menge an Stickstoff im Boden steckt in organischen Verbindungen, und ein kleiner Teil wird im Laufe der Vegetationszeit durch die Tätigkeit von Mikroorgansimen für die Pflanzen nutzbar. Dieser Vorgang heißt Mineralisierung.

Was schreibt die Düngeverordnung vor?

Nach der Düngeverordnung muss – neben anderen Faktoren – der Bodenvorrat an Nmin bei der N-Düngebedarfsermittlung berücksichtigt werden.

In den Grünen Gebieten

In den Grünen Gebieten ist eine Nmin -Untersuchung zwar nicht verpflichtend; liegen jedoch keine eigenen Nmin -Untersuchungen vor, sind die Richtwerte der Landwirtschaftskammer für die Düngebedarfsermittlung zu verwenden. Da diese von den tatsächlichen Werten abweichen können, ist eine Untersuchung auch hier meistens sinnvoll. Nur so ist eine genaue Düngeplanung möglich.

In den Roten Gebieten

In den Roten Gebieten muss jeder Betrieb – bei geteilten Betrieben jeder Betriebsteil – eigene Nmin -Untersuchungen von seinen Ackerflächen vorweisen. Schläge mit gleicher Bodenart, gleicher Vorfrucht und gleicher Hauptfrucht dürfen zu sogenannten Bewirtschaftungseinheiten zusammengefasst werden. Welche Bedingungen dafür genau erfüllt sein müssen, erläutert die LWK Niedersachsen in diesem Heft und auf ihrer Website (Webcode: 01039497). Von einer Bewirtschaftungseinheit ist jeweils ein Schlag zu beproben.

Wie wird Nmin beprobt?

Die Probenahme und Untersuchung von Nmin folgt den Vorgaben des VDLUFA (Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten). Von dem Schlag sind 16 Einzelproben zu ziehen, die zu einer Mischprobe vereint werden. Bei größeren Schlägen wird nicht der ganze Schlag beprobt, sondern eine repräsentative Fläche von etwa 2 ha. Die Einstiche werden im Zickzack oder quer über die Probenahmefläche entnommen – eine Probenahme entlang der Bearbeitungsrichtung könnte zu einem systematischen Probenahmefehler führen.

Entnahme aus drei Tiefen

Die Nmin-Proben werden in drei Tiefen entnommen: 0 bis 30, 30 bis 60 und 60 bis 90 cm. Sollte der Boden flachgründig sein, also die Schicht von 60 bis 90 cm oder sogar von 30 bis 60 cm nicht mehr vollständig erbohrt werden können – weil zum Beispiel Gestein ansteht, so brauchen nur die Nmin-Werte der vollständig erbohrten Schichten erfasst zu werden. Auf drainierten Schlägen oder wenn Versorgungsleitungen weniger als 1,20 m tief liegen, sollte nur bis 60 cm tiefgebohrt werden. Der Nmin-Wert für die Schicht von 60 bis 90 cm muss ergänzt werden

Rollmops-Verfahren

Nmin-Cola-Flasche

Die Proben werden gut gemischt und 500 g Bodenmaterial je Schicht (entspricht vom Gewicht einer Colaflasche mit 0,2l Inhalt) in eine mit der jeweiligen Schichttiefe beschrifteten Plastiktüte gegeben. Diese wird so zusammengerollt, dass Luft weitestgehend herausgedrückt wird. Die drei Schichten packt man zusammen mit dem ordnungsgemäß ausgefüllten Untersuchungsauftrag in eine vierte Tüte. Dieses Verfahren nennt sich "Rollmops". Nun kommt das nächste Zubehör ins Spiel, das man dabeihaben muss: Die Kühlbox mit den Kühlakkus.

Warum müssen Nmin-Proben gekühlt werden?

Anders als bei Standard-Bodenproben müssen Nmin-Proben ab dem Zeitpunkt der Probenahme bis zum Labor ständig bei einer Temperatur von höchstens 4°C gelagert werden. Denn: Im Boden leben viele Mikroorganismen, die organische Stickstoffverbindungen abbauen und so Ammonium und Nitrat freisetzen. Dieser Prozess läuft umso schneller, je wärmer es ist und je mehr Sauerstoff an die Proben gelangt. Im Frühjahr, wenn der Boden noch kalt ist, sind die Mikroben nur wenig aktiv. Wird jedoch der Boden entnommen, werden die Mikroorganismen mit Sauerstoff geflutet. Unterbleibt dann die Kühlung, stürzen sie sich auf die vorhandenen organischen Stickstoffverbindungen und setzen diese um. Die gemessenen Nmin-Gehalte in der Probe liegen dann oft deutlich höher als im beprobten Boden.

Warum werden sie meist maschinell gezogen?

Die Probenahme von Hand erfordert spezielle Bohrer; es gibt sowohl Bohrstöcke von einem Meter Länge (Pürckhauer) als auch dreigeteilte Bohrersets für jede Tiefe (Göttinger Bohrstock). Auf jeden Fall gehört ein Hammer dazu sowie eine Ziehvorrichtung, um den Bohrstock rückenschonend aus dem Boden heraus zu befördern. Ergänzt werden diese Werkzeuge durch drei Eimer für die drei Tiefen, die idealerweise in einem Tragegestell transportiert werden. Die Probenahme von Hand erfordert aufgrund der Beprobungstiefe von 90 cm einen hohen Aufwand und entsprechende körperliche Kraftanstrengungen. Daher werden Nmin-Proben heute von professionellen, eigens geschulten Probenehmern mit Maschinen gezogen. Die meisten auf dem Markt befindlichen Geräte entnehmen die Proben aus den drei Tiefen automatisch – so wird der Fehler bei der Probenahme minimiert. Auf den Zug- oder Trägerfahrzeugen für Nmin -Probenahmegeräte führt der Probenehmer statt Kühltaschen eine strombetriebene Kühleinrichtung mit, die stets eine konstant kühle Temperatur garantiert.

Wann können die Proben genommen werden?

Die Nmin-Probenahme ist zeitlich nach Kulturen gestaffelt:

  • Ab 1. Januar: Wintergetreide und -raps
  • Ab 15. Februar: Frühe Sommerungen (Sommergetreide, frühe Kartoffeln, frühes Gemüse, Rüben etc.)
  • Ab 15. März: Späte Sommerungen (Mais, späte Kartoffeln, spätes Gemüse, Buchweizen, Soja etc.)

Welche Planungshilfen gibt es?

Für die Ermittlung der zu beprobenden Bewirtschaftungseinheiten und die Beauftragung der Proben stellt die LUFA Nord-West ein Kundenportal im Internet bereit. Dort können die Schläge des Betriebs aus dem ANDI-Antrag hochgeladen werden. Das System gleicht automatisch die Flächen mit den Roten Gebieten ab. Auch die Vorfrucht wird übernommen, sodass nur noch über ein einfaches Schema die Bodenart und die Hauptfrucht eingetragen werden müssen.

Dann wird das Minimum an Bewirtschaftungseinheiten berechnet, das der Betrieb zur Erfüllung der gesetzlichen Auflagen benötigt, und der Auftrag kann erteilt werden. Das Verfahren kann genauso für Grüne Gebiete genutzt werden.

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Auf der Website der LUFA Nord-West gibt es unter dem Menüpunkt „Nmin“ Informationen zu Probenahme und Untersuchung. Mehr unter: 05151 987144 und bodenproben@lufa-nord-west.de

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