Ackerfuchsschwanz in Getreidefeld

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Karl Bockholt | am

Ackerfuchsschwanz: So wird man die tickende Zeitbombe los

Dieses Jahr blüht das Ungras vielerorts über dem Weizen, und das in großem Ausmaß. Wir stellen fünf Möglichkeiten vor, mit dem Ungrasdruck fertig zu werden und die schleichende Gefahr von Wirklücken bei Herbiziden zu verringern.

Dieses Jahr blüht vielerorts der Ackerfuchsschwanz in den Weizenbeständen. Das Ungras ragt über den Getreideähren hervor. Andere Fuchsschwanzpflanzen sind im Bestand versteckt und kommen womöglich noch hoch. Die Ausbreitung von Ackerfuchsschwanz ist teils massiv. Betroffen sind nicht mittlerweile nur typische schwerere Tonstandorte, sondern auch mildere Lößlehme, wo bislang oft Windhalm vorherrschte.

Gefahr von Wirklücken: So stark vermehrt sich Ackerfuchsschwanz

Jede Pflanze bildet etwa 4 bis 10 Ähren, daran sind bis zu 2.000 Samen. Bei 10 Exemplaren/m2 entwickeln sich 20.000 Samen/m2. Das sind 200 Mio. Samen/ha. Diesem Schadpotential muss in jedem Fall entschieden begegnet werden. Sonst setzt sich das Problem über Jahre fort.

Zudem besteht die Gefahr, dass sich ein ALS-resistenter Biotyp entwickelt. Die rechnerische Wahrscheinlichkeit liegt laut Dr. Dirk Wolber von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bei circa 1:1 Mio.

Unterdosierungen von Wirkstoffen führen über Jahre zur schleichenden Selektion auf schwer bekämpfbare Ungräser. Mögliche Herbizidresistenzen lassen sich erst feststellen, wenn der Ungrasbesatz so exorbitant zugenommen hat wie in diesem Frühsommer.

Können alle Samen keimen, würden rund 200 Ackerfuchsschwanzpflanzen/ha heranwachsen, die etwa gegen Flufenacet oder Mesosulfuron resistent sind. Wenn die Wirkgrade der Bodenherbizide je nach Witterung „nur“ zwischen 60 und 80 Prozent liegen, werden resistente Ungrasgesellschaften mit der Zeit aber eine tickende Zeitbombe auf dem Acker.

Vier Möglichkeiten bei extremem Besatz: Was sich jetzt lohnen kann

Bei extremen Ungrasbesatz ist massive Gegenwehr gegen den Ackerfuchsschwanz nötig. Hier verschiedene Möglichkeiten:

  1. Starke Befallsnester mulchen: Auch wenn das ertraglich wehtut, kann es sich langfristig lohnen..
  2. Ab in die Biogasanlage: Noch vor Erreichen der Samenreife lässt sich der Bestand notfalls als Ganzpflanzensilage (GPS) für Biogas ernten. Nach drei Tagen in der Anlage sollten die Samen abgestorben sein.
  3. Über den Weizenähren stehenden Fuchsschsanz abschneiden - Diese ungewöhnlichere Variante, die Ackerfuchsschwanzsamen deutlich zu reduzieren, bietet etwa der TopCut Collect von Zürn oder das Dela Bio-Schneidwerk von Deschberger. Messerbalken schneiden die über dem Weizen stehenden Ähren ab und sammelt sie ein.
  4. Feldfutter in die Fruchtfolge aufnehmen: Der Samenvorrat lässt sich auch durch den mehrjährigen Anbau von Ackerfutterbau senken, etwa Kleegras.

Zwischenfrüchte rasch in die Stoppel säen, Boden nur minimal bearbeiten

Auch Minimalbodenbearbeitung nimmt den Druck durch das Ungras. Direkt nach der Ernte wird die restliche Bodenfeuchte genutzt, um Zwischenfruchtmischungen in die Stoppel zu säen. Klappt das rechtzeitig, besteht eine große Chance, den auflaufenden Ackerfuchsschwanz und das Ausfallgetreide effektiv bis zur Direktsaat der nachfolgenden Winterung zu unterdrücken. Das System setzt voraus, dass das Stroh nicht abgefahren wird und die Zwischenfrucht wenige Stunden nach der Ernte in die Stoppel kommt.

Eine saubere Pflugfurche hindert die Samen vom Ackerfuchsschwanz am Keimen. Allerdings müssen sie bis zum Verlust der Keimfähigkeit 8 bis 12 Jahre ohne Lichtreiz im Boden bleiben. Eine saubere Pflugfurche setzt aber voraus, dass das Stroh abgefahren wurde oder mit dem Strohstriegel und Mulcher so zerkleinert wurde, dass keine Strohmatten entstehen.

Auflaufende Ungräser müssen noch vor der Saat der Winterung abgespritzt werden. Das gelingt nur, wenn der Saattermin der nachfolgenden Winterung ortsüblich etwas nach hinten verlegt wird. Auf schweren Marschböden etwa ist eine saubere Pflugfurche unmöglich.

Mit Material von LWK Niedersachsen, Dr. Dirk Wolber
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