Werner Raupert | am

Ackerfuchsschwanz und Windhalm konsequenter bekämpfen

Zunehmende Herbizid-Resistenzen bei Ackerfuchsschwanz und Windhalm zwingen in Niedersachsen zum Umdenken. Wie Sie Pflanzenbau und Pflanzenschutz in diesem Herbst planen müssen, erklärt Dr. Dirk Wolber, von der LWK Niedersachsen.

Wintergetreidebestand auf einem Acker

Zunehmende Herbizid-Resistenzen bei Ackerfuchsschwanz und Windhalm zwingen auch in Niedersachsen zum Umdenken. Landwirte sollten den Pflanzenbau und den Pflanzenschutz darauf einstellen.

Die Witterungsextreme nehmen zu. Deshalb ist es mal zu nass und dann wieder zu trocken für eine effektive und termingerechte Herbizidmaßnahme im Herbst.

Was ist zu tun?

Die einzige Lösung lautet: Möglichst im Vorfeld das Risiko senken, indem pflanzenbauliche Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung genutzt werden. Also bekanntes Wissen zur Fruchtfolge, Saattermin und Bodenbearbeitung nutzen und standortspezifisch Herbizide effektiv einsetzen.

Wer diese Grundsätze in der Vergangenheit eher vernachlässigt hat und aus Kostengründen eher auf eine Herbstmaßnahme verzichtete, muss leider erkennen, dass Schadgräser beängstigende Dimensionen annehmen können. Besonders in diesem Frühjahr wurde die Forderung nach einer sicheren Wirkung der Herbstmaßnahme sichtbar.

Diese enormen Ackerfuchsschwanzbestände entwickeln sich, wenn grundlegende pflanzenbauliche Aspekte nicht beachtet wurden und die Witterung anders kam als erwartet. Eine alleinige Frühjahrsbehandlung mit einem ALS-Hemmer kann diese enormen Ungrasbestände nicht ausreichend bewältigen.

Welche Unkräuter treten auf?

Um diese Frage zu beantworten, wurde eine Auswertung anhand der Daten der Kleffmann Group (aus 2018) durch die Nufarm Deutschland GmbH bundesweit vorgenommen (Grafik 1 unten):

  • Windhalm und Ackerfuchsschwanz sind bundesweit die bedeutendsten Ungräser.
  • Eine standortspezifische Trennung ist kaum noch möglich.
  • Ackerfuchsschwanz wurde durch den überbetrieblichen Maschineneinsatz zunehmend auch auf typische Windhalmstandorte verschleppt.
  • In den norddeutschen Regionen wird daher zunehmend mehr Ackerfuchsschwanz gefunden.

Bei den zweikeimblättrigen (dikotylen) Unkräutern treten bundesweit Kamille, gefolgt von Klettenlabkraut, Durchwuchsraps, Kornblume, Vogelmiere, Ehrenpreis, Stiefmütterchen und Klatschmohn auf.

Verfrühte Saattermine schaden

Auf Flächen, die pflanzenbaulich jahrelang vernachlässigt wurden, vermehren sich jetzt die Schadgräser enorm. Besonders ortsüblich verfrühte Saattermine sind verantwortlich für eine deutliche Zunahme von Ackerfuchsschwanz,  Windhalm, Rispen und Trespen.

Genau diese Flächen werden von Herbizidresistenzen besonders betroffen sein, wenn kein nachhaltiges Resistenzmanagement mit prophylaktischen Maßnahmen ergriffen wird. Bei diesem starken Ackerfuchsschwanzbesatz kann der alleinige Frühjahrseinsatz von Mesosulfuron auch bei voller Aufwandmenge plus Additiv und AHL-Zusatz nur noch eine Teilwirkung entwickeln. Daher gilt: Flufenacet-Vorlage ist Pflicht.

Resistenzen nehmen zu

  • Insgesamt wird in den vergangenen Jahren eine erfolgreiche Unkrautbekämpfung durch die Resistenzentwicklung zunehmend erschwert. Der Einsatz der Herbizide muss daher über mehrere Jahre hinweg und in Verbindung mit der Fruchtfolgeerweiterung geplant sein, damit ein Wirkungswechsel tatsächlich stattfinden kann (Grafik 2 unten).
  • Zu diesem Zweck werden die Herbizide nach ihrem Wirkprinzip („mode-of-action“) eingeteilt. Der Wechsel der Wirkprinzipien kann durch die Codierung mittels Buchstaben (A, B, C, E, F, K, N etc.) leichter überschaut werden, diese gleichen Buchstaben-Codes werden zur besseren Übersicht auch in den Empfehlungen verwendet (siehe Tabellen 1, 2 und 3 unten).
  • Neue Wirkstoffgruppen und Herbizide sind auch in diesem Herbst nicht in Sicht, alte Wirkstoffe verlieren ihre Wirkung bzw. ihre Zulassung. Daher ist wohl davon auszugehen, dass die Bedeutung von pflanzenbaulichen Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung deutlich zunimmt.

Vorbeugender Pflanzenbau

  • Besonders eine nur wenige Tage verzögerte Aussaat kann das Auflaufverhalten von Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Trespe und Weidelgräsern bereits deutlich reduzieren, da durch diese Verzögerung das Keimverhalten negativ beeinflusst wird.
  • Eine veränderte Fruchtfolge kann auch mehr Zeit zur Bodenbearbeitung bringen. Eine nachhaltige Unkrautbekämpfung wird durch die Kombination von Stoppelbearbeitungsgängen im Herbst und dem Einsatz von Glyphosat nach dem Wiederergrünen möglich.
  • Moderne Saattechnik ermöglicht darüberhinaus mit minimaler Bodenbewegung einen reduzierten Neuauflauf von Ackerfuchsschwanz nach der Saat.

Bei hohem Samendruck

    Dort, wo ein hohes Potenzial an Ackerfuchsschwanzsamen aus den Vorjahren hinzukommt, müssen eine zu extensive Bodenbearbeitung und ein zu früher Aussaattermin von Wintergetreide unbedingt vermieden werden.

    Der Pflugeinsatz hilft, das Samenpotenzial ebenfalls zu mindern, zumindest wenn die keimfähigen Samen langfristig an der Keimung gehindert werden können, so dass die Keimfähigkeit und Triebkraft nachlassen. Dieser Effekt tritt allerdings frühestens nach etwa zehn Jahren ein und bis dahin wäre es äußerst hilfreich, wenn aufgelaufener Ackerfuchsschwanz mit Glyphosat zu behandeln wäre.

    Einheitliches Saatbett für rasches Auflaufen

    Ein einheitliches, feinkrümeliges Saatbett bewirkt neben einem gleichmäßigen Getreidebestand ein rasches Auflaufen der Ungräser. Anwalzen der Saat unterstützt diesen Effekt und verbessert auch die Wirkung der nachfolgend eingesetzten Bodenherbizide (Überblick über zugelassene Herbizide siehe Tabelle 4 unten).

    Der vollständige Verzicht auf den Pflug und der Einsatz von Minimalbestellverfahren ermöglichen eine unmittelbare Generationsfolge bei Samenunkräutern/-gräsern, die Folge ist ein erhöhtes Resistenzrisiko.

    Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND &  Forst-Ausgabe 36/19.

    Grafik 1: Herbizide Wintergetreide - Befragung zum Unkrautauftreten
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