Beregnung Feldfruechte_Foto1 Duesenberegnung

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Henning Gödeke | am

Wann ist Beregnung wirtschaftlich?

Die aktuelle Entwicklung mit stark steigenden Preisen und Energiekosten wirkt sich auch auf die Beregnungsentscheidungen aus. Die Wirtschaftlichkeit und die Beregnungsrangfolge der Kulturen ändern sich.

Lohnt sich bei Dieselkosten von 2 € und ebenfalls hohen Stromkosten noch eine Beregnung oder ist sie durch die gestiegenen Produktpreise sogar wirtschaftlicher als zuvor? Auch stellt sich die Frage nach einer Verschiebung der Beregnungsvorzüglichkeit innerhalb der Fruchtfolge, denn nicht alle Produktpreise sind im gleichen Ausmaß angestiegen.

Die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen hat hierzu ihre langjährigen Versuchsergebnisse ausgewertet und unter der aktuellen Marktsituation beurteilt.

Was kostet die Beregnung?

Zunächst ist jedoch zu klären, welche Kosten bei der Beregnung auftreten. Die variablen Beregnungskosten richten sich vor allem nach der eingesetzten Beregnungstechnik. Wird mit einer mobilen Beregnungsmaschine und Starkregner (Kanone) beregnet, sind Wasserdrücke von 7 bis 9 bar am Eingang der Beregnungsmaschine notwendig.

Die Erzeugung des hohen Wasserdruckes ist energieintensiv, sodass selbst bei der Beregnung mit einem sparsamen Dieselaggregat mindestens 5 l/h Kraftstoffverbrauch bzw. 1 l Diesel pro mm Zusatzwassergabe benötigt werden (bei 50 m3 pro Stunde Wasserförderung).

Des Weiteren sind bei den variablen Kosten noch die Wasserentnahmegebühr (1,4 ct/m³) und der Aufwand für das Umsetzen sowie für Wartung und Reparatur anzusetzen. Es ergeben sich bei einem Dieselpreis von 1,8 €/l und einer Wassergabe von 25 mm variable Beregnungskosten je Hektar von etwa 2,64 €/mm.

Wird das Beregnungswasser mit Strom als Energieträger bereitgestellt, werden ca. 6 kWh/mm benötigt. Bei einem Gesamtpreis für Strom von 0,25 €/kWh betragen die variablen Beregnungskosten dann 2,17 €/mm. Je nach den individuellen Stromverträgen können die Preise aber noch deutlich höher liegen. Bei einem sehr hohen Strompreis von 0,40 €/kWh überschreiten die variablen Beregnungskosten 3 €/mm.

Kreisberegnungsanlage ist kostengünstig

Besonders kostengünstig ist die Kreisberegnungsanlage. Durch den geringen Energiebedarf werden hier nur etwa 3 kWh/mm benötigt. Bei einem Strompreis von 0,25 €/kWh und unter Berücksichtigung der weiteren variablen Aufwendungen, ergeben sich variable Kosten von nur noch 1,10 €/mm.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Energiekosten etwa ¾ der variablen Beregnungskosten ausmachen und somit nach Möglichkeit ein energieeffizientes Beregnungsverfahren ausgewählt werden sollte. Eine Übersicht, wie sich die variablen Beregnungskosten in Abhängigkeit der Energiepreise und des Beregnungsverfahrens verändern.

Beregnungswürdigkeit der Kulturen

Die Kenntnis über die Beregnungskosten ist jedoch nur der erste Schritt bei der Entscheidung, welche Kultur beregnungswürdig ist und welche Reihenfolge bei knappen Beregnungskapazitäten sowie begrenzten Wasserkontingenten gewählt werden sollte.

Die Ertrags- und Qualitätsvorteile durch eine Zusatzwassergabe sind weitere wichtige Kenngrößen, die jedoch häufig schwer abzuschätzen sind. Zudem spielen die Marktpreise eine wichtige Rolle. Bei dem aktuell hohen Preisniveau bringen zusätzliche Erträge auch entsprechend hohe Mehrerlöse pro Hektar.

Die Ertragsvorteile durch die Beregnung lagen auf dem Versuchsfeld Hamerstorf im Mittel der Jahre zwischen +6 % beim Winterraps und +41 % beim Winterweizen.

Neben dem Weizen reagierten Wintergerste, Sommergerste und Kartoffeln besonders empfindlich auf Trockenheit und zeigten deutliche Ertragseinbußen ohne Beregnung. Bei Zuckerrüben, Silomais, Winterroggen und besonders Winterraps fielen die Ertragsunterschiede mit und ohne Beregnung dagegen deutlich geringer aus.

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Mehrerlöse sind entscheidend

Entscheidender als die Mehrerträge durch die Beregnung sind jedoch die Mehrerlöse. Hierbei sticht vor allem die Kartoffel heraus. Mit variablen beregnungskostenfreien Mehrleistungen von 1.000 bis 3.000 €/ha rechnet sich sowohl bei Speise- als auch bei Stärkekartoffeln eine optimale Beregnung. Die Kartoffel wird somit ihrem Ruf als sehr beregnungswürdige Kultur auch im aktuellen Marktumfeld gerecht.

Bei Betrachtung der durchschnittlichen Marktpreise der vergangenen Jahre war neben der Kartoffel vor allem die Braugerste beregnungswürdig. Bei diesen beiden Kulturen rechnete sich die optimale Beregnung, um neben den Ertragssteigerungen auch die geforderten Qualitäten erreichen zu können. Das ist auch nach wie vor der Fall.

Mit den aktuellen Marktpreisen hat allerdings der Winterweizen die Braugerste in der Beregnungswürdigkeit überholt. Bei einem in etwa gleichen Preisniveau für Weizen und Braugerste von 35 €/dt, beträgt der Unterschied bei der beregnungskostenfreien Leistung 67 €/ha zugunsten des Weizens.

Außerdem lohnt sich jetzt, trotz der gestiegenen Beregnungskosten, sogar eine optimale Beregnung. Hierfür waren im Versuch allerdings im Mittel 123 mm Zusatzwasser erforderlich. Auch die optimale Beregnung der Wintergerste (93 mm) ist jetzt sehr attraktiv. Sie liegt durch die Preisveränderungen nun deutlich vor dem Silomais mit einem Unterschied von ca. 300 €/ha.

Optimale Beregnung kaum möglich

Die hohen Beregnungsmengen für eine optimale Getreideberegnung stehen jedoch den wenigsten Betrieben tatsächlich zur Verfügung. Häufig müssen sie mit behördlich genehmigten Wassermengen von 60 bis 80 mm/Jahr auskommen. Es ist daher kaum möglich, alle Kulturen optimal zu beregnen. Der Zusatzwassereinsatz muss daher immer so zielgenau wie möglich erfolgen, d.h. nur dann, wenn durch die Gabe eine deutliche Ertragssteigerung möglich ist.

Diese Kulturen sind wenig beregnungswürdig

Die am wenigsten beregnungswürdigen Kulturen sind in diesem Jahr Silomais und Zuckerrübe. Hier sind daher Einsparungen beim Beregnungseinsatz am leichtesten zu verschmerzen. Bei Wasserknappheit sollte hier nur im Notfall zur Abwendung massiver Ertragseinbrüche beregnet werden.

Beim bisher kaum wirtschaftlich zu beregnenden Raps, kann sich durch die auf aktuell über 90 €/dt massiv gestiegenen Preise eine Beregnung wieder lohnen, wenn starker Trockenstress droht. Allerdings sollte man beim Raps nicht zu früh damit beginnen, sondern erst zur Ertragsabsicherung am Ende der Blüte bis Mitte der Fruchtentwicklung.

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