Ein Blühstreifen.
Ellen Hartmann | am

Blühstreifen: Mehr Hecken und Gräben für Insekten

Kornblumen, Mohn und wilde Möhren locken momentan zahlreiche Insekten an. Damit die Bestäuber mehr unterstützt werden können, haben Forscherinnen und Forscher jetzt herausgefunden, wie wichtig gerade Kleinstrukturen wie Böschungen oder Gräben sind.

"Wie wichtig naturnahe Lebensräume für Bestäuber sind, haben Forschende bereits vielfach gezeigt", erklärt Vivien von Königslöw vom Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften der Universität Freiburg. "Fast immer wurden dafür aber nur großflächige Strukturen erforscht, zum Beispiel weite Wiesen oder Weiden. Untersuchungen dazu, was Kleinstrukturen für Bestäuber bedeuten, und welche Arten besonders von diesen profitieren, sind rar." 

Was wurde untersucht?

Aus diesem Grund hat von Königslöw, gemeinsam mit zwei Kolleginnen, zwei Jahre lang Blühstreifen und naturnahe Kleinstrukturen am Bodensee analysiert. Denn in diesem Gebiet biete besonders der großflächige Obstanbau zahlreiche Anreize für bestäubende Insekten. "Unser Ziel war es, herauszufinden, auf welche Weise sich die Diversität von Wildbienen und Schwebfliegen im Umkreis von großflächigen Obstanlagen fördern lässt", so die Wissenschaftlerin weiter. In ihrer Studie untersuchten die Forscherinnen daher das Vorkommen von Bienen und Schwebfliegen in Blühstreifen sowie in bestehenden blütenreichen Lebensräumen, welche jeweils am Rand von konventionellen Apfelplantagen in Süddeutschland lagen. 

Was ist das Ergebnis der Studie?

Durch die Aufzeichnungen wird deutlich, dass die verschiedenen Blütenzeiten und Pflanzenarten in naturnahen Lebensräumen - wie Hecken und Kleingehölzen - insbesondere Solitär- und oligolektischen, also nur eine Pollenart sammelnden, Bienen nützen. Bereits vorhandene Biotopflächen zogen hingegen Bienenarten mit anderen Pollenspezialisierungen an als die eingesäten Blühstreifen. Zusätzlich konnten die Forscherinnen in den Blühstreifen jedoch eine höhere Artenvielfalt und größere Insektenanzahl als in Kleinstrukturen feststellen. "Damit ergänzen naturnahe Habitate bestehende Blühstreifen", zieht von Königslöw Bilanz.

Für die Studie wurden 2018 Blühstreifen am Rand privater Obstplantagen angelegt. Naturnahe Kleinstukturen wie Entwässerungsgräben, Böschungen oder überwachsene Zäune waren hier bereits vorhanden. Beobachtet wurden die Insekten mindestens einmal pro Monat von Frühling bis Spätsommer.

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Naturnahe Kleinstrukturen wichtig für Schutz von Bestäubern

"Naturnahe Kleinstrukturen können einen wichtigen Anteil zum Schutz von Bestäubern leisten, weil sie dazu beitragen, dass das ganze Jahr über Blüten bereitstehen" sagt auch Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Leiterin der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie der Universität Freiburg. Zusätzlich fanden die Forscherinnen mögliche Rückzugsorte und Nistmöglichkeiten, die gerade für Hummeln wichtig sind. "Für einen effektiven und kostengünstigen Schutz von bestäubenden Insekten sollte sich nicht nur auf Blühstreifen konzentriert werden", so Klein. "Auch vorhandene Kleinstrukturen aus Spontanvegetation, also Pflanzenarten, die aus vorhandenen Samen im Boden von alleine wachsen, sind für die Insekten attraktiv und sollten gefördert werden."

In Belum im Landkreis Cuxhaven werden Blühpaten gesucht!

Um die Artenvielfalt zu stärken und Insekten einen natürlichen Lebensraum zu bieten, werden momentan in Belum im Landkreis Cuxhaven Blühpaten gesucht. Die Initiative "wilde-natur" richtet sich hiermit besonders an die hiesige Landwirtschaft: 

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