Kunibert Ruhe vom Agrarbetrieb Darchau mit seinen Mitarbeitern
Werner Raupert | am

In Darchau an der Elbe gibt es Europas größte Unterflur-Bewässerung

Kunibert Ruhe bewässert seine Äcker in Darchau (Amt Neuhaus) mit einer Unterflur-Tröpchenbewässerung - der größten in Europa.

Das zweite Trockenjahr in Folge hat vielen landwirtschaftlichen Betrieben im Norden wieder die Grenzen aufgezeigt, so auch im niedersächsischen Darchau (Amt Neuhaus) an der Elbe.

Nur wer über eine Beregnungsanlage verfügt, konnte auch dort trotz der Zusatzkosten bei Ertrags- und Qualitätseinbrüchen Schlimmeres vermeiden.

Unterflur-Tropfbewässerung für 72 ha

Für den Chef der Agrarvereinigung e.G., Kunibert Ruhe, stand nach dem Dürrejahr 2018 fest: Er steigt in die Bewässerung ein. Viele seiner Kulturen waren auf den leichteren Standorten regelrecht vertrocknet bzw. 100 ha Mais gar nicht gekeimt. Eine Unterflur-Tropfbewässerung sollte es sein, auf einer Fläche von 72 Quadratmetern.

Der Unternehmer betrat damit aber völliges Neuland. Den 1.950 ha großen Betrieb nahe der Elbe bei Darchau hatte er 2010 gekauft und in die Ruhe-Unternehmensgruppe integriert. Seine Betriebe in Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern managt er von Lüsche aus (Landkreis Vechta).

Auf eigene oder Erfahrungen anderer Praktiker mit der innovativen Unterflurbewässerung konnte er sich nicht stützen. Auf einem seiner anderen Betriebe laufen zwar Kreisregner im Einsatz. Die Installation einer kompletten Unterflur-Tröpfchenbewässerung in Eigenregie war dagegen eine völlig andere Dimension.

Kein Trockenstress dank Tropfschläuchen

Den letzten Anstoß vor der Investition holte sich Ruhe bei der Besichtigung einer 1 ha großen Versuchsanlage mit Tropfschläuchen. Dort konnte er sich davon überzeugen, dass alle Pflanzen trotz der herrschenden Dürre und hoher Verdunstungsraten ohne Trockenstress aufwachsen.

Ganz im Gegensatz zur Kreisberegnung, wo bei Außentemperaturen von weit über 30 °C das 8 °C kalte Beregnungswasser ebenso Stress bei den Kulturpflanzen erzeugt hat.

Mit Material von Erste Unterflur-Tröpfchenbewässerung in Niedersachsen

Die Tröpfchenbewässerung wird in Niedersachsen in Betrieben mit Sonderkulturen schon länger angewendet. Eine Unterflur-Tröpfchenbewässerung in dieser Dimension gibt es bisher nicht in Deutschland.

Von daher war Ruhe mit seinem Team quasi auf sich allein gestellt. Auch von der Firma Netafim, die die Anlage produziert, konnte er kaum Tipps für seine speziellen Anforderungen erhalten.

GPS- und Getreideernte gut, Mais unterdurchschnittlich

Im Durchschnitt fallen in dem Gebiet nördlich der Elbe 620 l Niederschlag pro Jahr. Bis Ende August 2019 sind es im Mittel 420 l, in diesem Jahr waren es bis zu diesem Zeitpunkt „nur“ 100 l weniger. Dank einer besseren Niederschlagsverteilung als 2018 ist die Ernte laut Kunibert Ruhe auch auf den nicht bewässerten Marsch- und Flussmarschböden durchschnittlich ausgefallen.

„Wir hatten eine gute GPS- und Getreideernte mit rund 8 t/ha, die Maisernte war allerdings mit 12 t TS/ha etwas unterdurchschnittlich“, bestätigte der umtriebige Unternehmer.

Keine Bauanleitung für die Tröpfchenbewässerung

Zu Beginn des Jahres kam die erste Materiallieferung für den Bau der neuen Bewässerung. „Da war nichts zusammengebaut, wir mussten erst einmal alles sortieren und uns einen Plan machen, wie wir das zusammenbasteln“, schmunzelte der 53-jährige über den holprigen Einstieg.

„Irgendwie sah alles aus wie ein Ikea-Bausatz, allerdings ohne Bauanleitung“, erinnerte sich auch der Betriebsleiter der Agrargesellschaft, Thomas von der Heide. So gab es z.B. keine Vorlage dafür, wie man die Schläuche mit den 100er PE-Zuführleitungen verbindet.

Erschwerend kam hinzu, dass sich der Kunststoff bei niedrigen Temperaturen schwer verarbeiten lässt. "Die Rollen lassen sich bei 5 °C nicht so einfach ausrollen“, blickte Malte Löhr auf die schwierige Startphase zurück. Der ausgebildete Landwirt aus der Region Braunschweig hatte in Darchau sein letztes Lehrjahr absolvierte. Heute ist er für die Beregnungstechnik zuständig.

„Wir waren zuerst etwas geschockt, aber nach einer gewissen Zeit haben wir dazu gelernt und Verarbeitungsschritte optimiert“, fügte von der Heide hinzu.

Beregnungsrechte sind problematisch

Die Bewässerungsfläche liegt in der Gemarkung Rosien. Dort wurden im Januar und Februar dieses Jahres die Bewässerungsschläuche verlegt. Parallel dazu wurden zwei Brunnen gebaut, damit die zwei Systeme unabhängig voneinander laufen können.

Problematisch war im Vorfeld die Sicherung der Beregnungsrechte. Nach langen Verhandlungen wurden dem Betrieb auf zehn Jahre Wassermengen in Höhe von maximal 80 mm/ha genehmigt. Die Menge bezieht sich auf 100 ha beantragte Fläche. Im Mittel sind vor Ort nur 40 mm/ha erlaubt.

Wenn mehr Mengen verbraucht werden wie in 2019 mit 100 mm/ha, muss über die folgenden Jahre ein Ausgleich erfolgen, um die Gesamtmenge nicht zu überschreiten.

Einbau mit fünfreihigem Tiefengrubber

Malte Löhr berichtet, dass die Tropfschläuche in den steinfreien Böden mithilfe eines fünfreihigen Tiefengrubbers in einer Tiefe von 38 bis 40 cm verlegt worden sind (siehe Video unten).

Der Reihenabstand der Schläuche beträgt 100 cm. Alle 50 cm befindet sich in den Schläuchen eine Tropfenmembrane. Sie verhindert, dass Wurzeln durch die Öffnung in den Schlauch wachsen.

Bei 1,1 bar tritt Wasser aus

Am Schlagkopf wurden in extra ausgebaggerten Gräben Druckleitungen verlegt. Am Schlagende wurden zusätzlich Spülleitungen für die einmal im Jahr anstehenden Spülvorgänge angeschlossen. Das Wasser – wird aus den 24 bis 25 m tiefliegenden Brunnen mit 3,5 bar gepumpt (siehe Video unten).

Für die zwei getrennten Anlagen werden zusammen 100 m3/h benötigt. Ein Druckminderer senkt den Druck auf 1,1 bar ab, bevor das Wasser in die unterirdisch verlegten Tropfschläuche gelangt.

Spurenelemente können über Einfüllschleuse zugeführt werden

„Erst wenn der Schlauch komplett gefüllt ist, wird Wasser in den Boden abgegeben“, weiß der 21-jährige Malte Löhr, denn die Membran öffnet sich erst ab einem Druck von etwa 1 bar.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, über eine Einfüllschleuse noch Spurenelemente wie Magnesium, Mangan, Bor oder Eisen für die Pflanzen oder Reinigungsmittel für die Anlage einzufüllen.

Bis zu 3 Liter Bewässerungswasser pro Tag

Die Beregnungsfelder haben eine Größe von 3 bis 6 ha. 0,7 l Wasser gibt jede Düse pro Stunde ab, das sind bei zwei Düsen je Quadratmeter 1,4 l je Stunde. Bei zwei Stunden Laufzeit ergibt sich daraus eine Wassermenge von 2,8 bis 3 l je Tag.

„Unser Ziel ist es, alle Pflanzen mit Wasser zu versorgen", betont Kunibert Ruhe. Das System sei nicht dafür geeignet, die Keimung der Pflanzen anzukurbeln. Das liegt daran, dass das Wasser erst ab 10 bis 15 cm Tiefe zur Verfügung steht. Die Wurzeln müssen also erst zum Wasserdepot hinwachsen.

Mehr zu den Kosten der Anlage und einem Kostenvergleich mit Kreisregnern lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 44/19 und erfahren Sie in dem Video unten.

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