Zwischenfrüchte auf dem Acker
Anne-Maria Revermann | am

Diepholz: Ackern ohne Dünger - geht das?

Theo Runge aus Diepholz wollte es wissen: Im Spätsommer hat er auf die Stickstoffdüngung seiner Zwischenfrüchte verzichtet. Hier das karge Ergebnis.

Die geplanten Änderungen zur Düngeverordnung werden aktuell von Landwirten heftig kritisiert. Theo Runge, Landwirt und Vorsitzender im Kreislandvolkverband Diepholz, ging der Sache einmal praktisch auf den Grund: Er hat im Spätsommer auf einem Feld mit Zwischenfrüchten auf die Stickstoffdüngung verzichtet. Nun berichtet er über seine (kargen) Erfahrungen.

Lücken im Bestand

Direkt neben dem ungedüngten Feld hat ein Nachbar ebenfalls Ackersenf und weißen Ölrettich ausgesät und wie üblich mit angedüngt. Der Unterschied fällt auch Laien auf: Der Acker mit den gedüngten Zwischenfrüchten steht wesentlich besser mit gut entwickelten Pflanzen.

Daneben sieht es eher karg aus, die Pflanzen haben kaum Stängel ausgebildet und reichen nur knapp über den Boden hinaus. Der ist durch Lücken im Bestand deutlich erkennbar.

„Derart schlecht entwickelte Zwischenfrüchte drohen uns Landwirten überall, wenn das mit der neuen Düngeverordnung vorgesehene Verbot der Düngung zum Zwischenfruchtanbau überall vorgeschrieben wird“, schildert Theo Runge.

Gravierende Folgen

Wesentlich gravierender als dieser erste Eindruck sind die Folgeeffekte. „Wir Landwirte bauen Ölrettich, Senf oder Kleearten an, damit Nährstoffe im Boden gebunden werden“, erklärt der Landwirt aus Drebber.

Die Zwischenfrüchte binden im Boden noch verbliebene Nährstoffreste, die vom Getreide als Hauptfrucht nicht genutzt wurden. Die Zwischenfrucht erhält nach der Aussaat nur zum Start eine geringe Stickstoffgabe, damit sie die verbleibende Vegetationszeit gut nutzen kann. Dann entwickeln sich Ackersenf, Ölrettich, Phacelia oder auch Kleearten gut und binden den im Boden noch vorhandenen Stickstoff. Er steht im Frühjahr den Folgekulturen zur Verfügung, da der durch den Frost abgestorbene Aufwuchs dann untergepflügt wird. Bis dahin schützen Zwischenfrüchte den Ackerboden vor Erosionsschäden, sie bilden Humus und bieten wildlebenden Tieren im Herbst Nahrung und Deckung.

Diese Vorzüge blendet das Verbot einer Düngung zu Zwischenfrüchten, wie es mit der neuen Düngeverordnung geplant ist, aus. Der Gesetzgeber hofft auf einen geringeren Stickstoffeintrag ins Grundwasser. Den Effekt aber zweifeln Landwirte aus gutem Grund heftig an. Wenn die Zwischenfrüchte sich schlecht entwickeln, benötigen sie auch keinen weiteren Stickstoff.

Politische Fehlkalkulation

Das Landvolk fasst diese politische Fehlkalkulation in einer kurzen Aussage zusammen: Sie schadet den Bauern und bringt der Umwelt keine Vorteile. Das ist ein wichtiger Punkt, den Landwirte an den geplanten Änderungen zur Düngeverordnung so heftig kritisieren. Und deshalb fordern sie hier, wie auch in anderen Punkten, zum Beispiel der Beschränkung der Stickstoffdüngung auf 80 Prozent des Pflanzenbedarfs in nitratsensiblen Gebieten, eine grundlegende Überarbeitung der bisherigen Vorschläge.

Mit Material von Landvolk Niedersachsen

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