Mann kontrolliert Stickstoffdünger

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Frerich Wilken, LWK Niedersachsen | am

Dünger effizient einsetzen

Volle Güllekeller, teure Mineraldünger. Das braucht zurzeit kein Landwirt! Lesen Sie, wie Sie die Dünger auf Ihren Grünlandflächen noch effizient einsetzen können.

Der für die Düngung geltende gesetzliche Rahmen unterlag in den letzten Jahren einer stetigen Änderung bzw. Anpassung. Neben den Vorgaben der Düngeverordnung wird auch die in diesem Jahr anstehende Novelle der StoffstrombilanzVO für weitere Einschränkungen sorgen. Außerdem kommen in 2022 die deutlich gestiegenen Preise für Stickstoffdünger hinzu.

Düngebedarfsermittlung für Grünland

Die Düngebedarfsermittlung für Grünland bleibt unverändert und ist vor der ersten Gabe zu erstellen und einzuhalten. Für den Stickstoff-Düngebedarf sind neben der Berücksichtigung des Ertragsniveaus und des Rohproteingehaltes vor allem entsprechende Abschläge für die Nachlieferung aus dem Boden, der Organik des Vorjahres und der Stickstofffixierungsleistung der Leguminosen anzusetzen. Die Düngeverordnung sieht bei der Anrechenbarkeit des Gesamtstickstoffs aus Rindergülle 50% im Jahr der Ausbringung vor, ab 2025 (Verbot Prallteller) erhöht sich dieser Wert auf 60 %. Zudem müssen im Folgejahr weitere 10% berücksichtigt werden, insgesamt also 60 % (bzw. 70 % ab 2025). Gerade im Sommer unter Trockenheit und/oder Wärme ausgebrachte Gülle zeigt eine geringere Wirksamkeit durch erhöhte Ammoniakverluste, wertvoller Stickstoff wird verschenkt. Daher sollten die Güllegaben weniger im Spätsommer und mehr im Frühjahr bzw. Frühsommer erfolgen. Steigende Stickstoffpreise für Mineraldünger relativieren die Kosten für zu schaffenden Lagerraum.

Durch die extrem gestiegenen Preise für die N-Mineraldüngung richtet sich der Fokus der Betriebe immer mehr auf die organische Düngung. Generell steht die Empfehlung, frühjahrsbetonte Güllegaben zu geben. Ein großer Teil des Güllestickstoffs ist organisch gebunden und wird im Boden erst durch die Mineralisation verfügbar. Je später im Jahr eine Güllegabe erfolgt, desto weniger Zeit bleibt, diese Düngung auch in Ertrag umzusetzen und umso geringer wird der Wirkungsgrad. Die frühjahrsbetonte Güllegabe spielt somit neben der bodennahen Ausbringung eine entscheidende Rolle. 

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Ausbringtechnik

Auf vielen Betrieben hat sich der Schleppschuh bewährt. Hierdurch können die gasförmigen Verluste erheblich reduziert werden. Trotzdem sollte möglichst bei bedecktem Wetter oder besser noch vor Niederschlägen ausgebracht werden. Als Faustregel kann gelten: Je besser die Wäsche an der Leine trocknet, desto mehr Ammoniak kann die Luft aus der frisch ausgebrachten Gülle aufnehmen. Dies kann also auch bei Kälte mit Sonnenschein und Wind passieren.

Geringe Niederschläge und tendenziell ungünstige Witterungsbedingungen für die Gülleausbringung sind im Sommer zu den Folgeschnitten zu erwarten. Hier empfiehlt sich die Ausbringung separierter Rindergülle, da sie deutlich besser in den Boden an die Wurzeln infiltrieren kann als normale Gülle. Der Anteil des leicht verfügbaren Stickstoffs ist gegenüber der Ausgangsgülle erhöht. Der organisch gebundene Anteil findet sich in der festen Phase der separierten Gülle. Dieser Teil wird auf vielen Betrieben überbetrieblich verwertet und könnte sich für den Einsatz in Biogasanlagen anbieten (einzelbetrieblich kalkulieren). Außerdem ist die Ausbringung mittels Schleppschuh im Sommer bei fehlenden Niederschlägen schwierig. Die bekannten „Güllewürste“ können bei der nachfolgenden Schnittnutzung das Futter verunreinigen. Auch hier ist der Einsatz separierter Gülle aufgrund der guten Fließeigenschaft eine gute Option.

Teurer Stickstoff

Ab Erreichen der „korrigierten Temperatursumme“ kann die mineralische Ergänzung zur ersten Nutzung erfolgen. Der erste Schnitt spielt die entscheidende Rolle in der Versorgung des Milchviehs. Außerdem sind im Sinne einer effizienten Nutzung der eigenen Futtermittel und den dadurch besseren Nährstoffbilanzen eine möglichst hohe Grundfutterleistung und geringer Futterzukauf anzustreben. Vor diesem Hintergrund scheint es wenig empfehlenswert, die N-Gaben zum ersten Schnitt zu reduzieren. Sparen lässt sich eher bei den späten Folgeschnitten. Im Sommer bzw. Spätsommer ist die Stickstofffreisetzung durch die Mineralisation im Boden am höchsten. Zusammen mit genug Niederschlägen kann das eine Düngerreduzierung kompensieren. Außerdem ist zu dem Zeitpunkt die Versorgungslage mit Grundfutter besser abzuschätzen, sodass Mindererträge bei Folgeschnitten vielleicht verkraftbar sind.

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Mit der Düngebedarfsermittlung nach DüV ist die Gesamt N-Düngemenge eines Jahres zu ermitteln. Eine Empfehlung zur Verteilung der Jahresmengen ist den Tabellen zu entnehmen, die Sie unten im Artikel zum Download finden. Die angespannte Situation am Düngermarkt und die Einschränkungen rechtlicher Art erschweren die bedarfsgerechte Düngung von Grünland. Kurzfristige Lösungsoptionen sind gefragt.

Grundsätzlich sollte jeder Betrieb für sich eine Strategie entwickeln, die Düngung langfristig an die rechtlichen Erfordernisse sowie an volatile Märkte anzupassen. Dazu zählen ausreichend Lagerraum (flexible Ausbringungstermine), gute Versorgung mit Grundnährstoffen und Kalk sowie der gezielte Anbau von Leguminosen.

Moorstandorte

Moorstandorte erwärmen sich aufgrund ihres hohen Wasserspeichervermögens im Frühjahr verzögert und sind zu Vegetationsbeginn biologisch träge. Die Befahrbarkeit der weichen Moorböden ist aufgrund hoher Wassersättigung in dieser Zeit eingeschränkt, sodass sich meist auch die Feldarbeiten verzögern. Für die Gülledüngung sind auf diesen Standorten eher leichtere Fahrzeuge und Güllewagen mit besonderer Bereifung (Luftdruck, Zwillingsräder) notwendig, um die Düngung zu Vegetationsbeginn bis etwa Ende März erledigen zu können. Leider bietet die Düngeverordnung nicht mehr die Möglichkeit, bei Nachtfrösten und tagsüber auftauenden Böden die Gülle bodenschonend auszubringen.

Die Hälfte des Stickstoffbedarfs im ersten Aufwuchs sollte mit schnell wirksamem, mineralischem Stickstoff erfolgen, um das Ertragsvermögen frühzeitig mit Beginn der Vegetation auszuschöpfen. Moorböden ermöglichen, anders als mineralische Standorte, in einem pH-Bereich von 4,0 – 4,5 ein optimales Wachstum für die Grünlandvegetation. Sie sollten nicht über den Ziel pH-Wert von 4,5 hinaus gekalkt werden, weil dadurch torfzersetzende Mineralisierungsprozesse begünstigt würden.

Fazit

  • Sobald die Witterung eine Düngung zulässt, muss die Gülle bodennah ausgebracht werden.
  • Jedes Kilo Stickstoff zählt in diesem Jahr, wo der Mineraldünger extrem teuer ist.
  • Die Grundnährstoffe, vor allem Kali und Kalk, müssen unbedingt nach Bedarf gedüngt werden.
Düngung Grünland Tabelle 1
Düngung Grünland Tabelle 2
Düngung Grünland Tabelle 3

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