Dünger - Hand mit Handschuh greift in Sack mit weißem Dünger

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Dr. Olaf Zinke | am

Düngerpreise gehen durch die Decke – Bauern sind verzweifelt

Die Düngerpreise steigen wieder auf alte Höchststände. Schuld sind die extrem hohen Gaspreise und die explodierenden Produktionskosten für die Düngerindustrie. Für die Bauern öffnet sich damit die Preisschere zwischen Kosten (Dünger, Energie) und Erlösen (Getreide) immer weiter.

Das hat Folgen für die Produktion. Mittlerweile ruft sogar die Düngerindustrie nach staatlichen Hilfen, um die Produktion überhaupt aufrecht erhalten zu können. Viele Werke haben die Produktion von Dünger, Ammoniak und auch von AdBlue bereits stark gedrosselt oder ganz runtergefahren.

Das betrifft alle großen Hersteller in Europa – angefangen von Yara, über die Stickstoffwerke Piesteritz und BASF, bis hin zum polnischen Düngerkonzern Azoty oder der österreichischen Borealis. Die Produktionskürzungen, in Verbindung mit den steigenden Kosten, lassen die Düngerpreise für die wichtigsten Stickstoffdünger zum Monatswechsel steil ansteigen.

Gleichzeitig fallen jedoch die Getreidepreise. Die Preisschere zwischen Kosten und Erlösen öffnet sich damit immer weiter. Denn neben den steil ansteigenden Preisen für Dünger verteuern sich auch die Kosten für Gas und Strom sowie für Diesel und Heizöl dramatisch.

Und die meisten Analysten sehen kein Ende dieser Preisspirale, die letztlich auch zu empfindlichen Folgen für die Produktion von Getreide und anderen Agrarprodukten führen könnte. Die Politik hilft zwar der Gasindustrie mit einer Umlage, doch wer hilft den Landwirten angesichts der Kostenlawine, die Produktion aufrecht zu erhalten?

Bereits jetzt rechnen Ökonomen im Herbst mit zweistelligen Inflationsraten und immer öfter mit einer schweren Rezession. Ob es dann auch genug einigermaßen bezahlbare Nahrungsmittel geben wird, ist alles andere sicher.

KAS kostet knapp 900 Euro – Harnstoff mehr als 1.000 Euro

Laut der International Fertilizer Association könnte der Einsatz von Düngemitteln in der nächsten Saison um bis zu 7 Prozent zurückgehen, was der größte Rückgang seit 2008 wäre. „Ich sehe nicht, wie irgendjemand weiterhin in Europa produzieren kann, außer denen, die ihre Energiekosten lange im Voraus abgesichert haben“, sagte Chris Lawson, Leiter der Düngemittelabteilung bei der des Analystenhauses CRU, gegenüber Bloomberg.

An den deutschen Spotmärkten kostet Kalkammonsalpeter (KAS), der wichtigste Stickstoffdünger der deutschen Landwirte, am Donnerstag (01.09) etwas mehr als 880 Euro je Tonne. Das sind knapp 100 Euro je Tonne mehr als im August. Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) kostet reichlich 690 Euro – das sind gut 30 Euro mehr als im Vormonat.

Die Preise für Harnstoff liegen bei 1.025 Euro je Tonne und damit 130 Euro höher als im Vormonat.

Auch bei den übrigen Mineraldüngern blieben die Preise sehr hoch. Für Kornkali müssen deutsche Landwirte rund 645 Euro je Tonne auf den Tisch blättern. Das ist eben soviel wie im August. Für den wichtigsten Phosphatdünger, Diammoniumphosphat (DAP), werden knapp 1.050 Euro je Tonne verlangt.

Düngersäcke auf Hof eines Düngerherstellers

Hersteller drosseln massiv die Produktion

„Bei 300 Euro pro MWh Gas, gegenüber 20 Euro im Durchschnitt der letzten 10 Jahre, haben wir ein großes Problem: Es funktioniert nicht mehr für alle, die Ammoniak herstellen, weil das Gas 10 bis 15 Mal mehr kostet als zuvor“, sagt Nicolas Broutin, Leiter der französischen Tochtergesellschaft des norwegischen Dünger-Produzenten Yara.

Der norwegische Mineraldüngerhersteller Yara International hat seine Ammoniakproduktion in Europa aufgrund der rekordhohen Erdgaspreise stark reduziert. In Europa wird der Konzern dann nur noch rund 35 % seiner Ammoniak-Produktionskapazität nutzen, die durch die Kombination von Stickstoff und Wasserstoff aus Erdgas gewonnen wird.

Aus den gleichen Gründen hatte Yara sein Werk in Ferrara in Italien seit Anfang des Jahres bereits zweimal geschlossen und die Produktion in Le Havre in Frankreich für drei Wochen ausgesetzt, wo es zu 45 % seiner Gesamtkapazität lief. Zu den von der Produktionskürzung betroffenen Standorten oder zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter wurden keine Angaben gemacht.

Mit diesen Maßnahmen hat Yara seine jährliche Produktionskapazität in Europa um 3,1 Millionen Tonnen Ammoniak und 4 Millionen Tonnen Fertigprodukte gekürzt. Auch andere europäische Hersteller wie der polnische Azoty und der litauische Achema haben ihre Produktion deutlich reduziert.

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