N-Düngung Winterweizen
Gerrit Hogrefe | am

Düngeverordnung: Stoppelweizen fliegt aus dem Anbau

In Roten Gebieten drohen 20% Stickstoff-Abschlag. Der Qualitätsweizen-Anbau scheint gefährdet. Wie dramatisch wird es wirklich?

Die neue Düngeverordnung wird starke Einschränkungen mit sich bringen. Um die Auswirkungen in Bezug auf die Stickstoffdüngung sicher beurteilen zu können, muss zuerst der N-Düngebedarf nach DüngeVo berechnet werden. Eine rein pflanzenbauliche Betrachtung reicht dabei nicht aus, da es teilweise große Abweichungen bei den Ergebnissen gibt, die eine Auswirkung auf das ganze Anbausystem haben können. Nur wer das früh erkennt, rechtzeitig die richtigen Bodenparameter erhebt und zügig Anpassungen bei Fruchtfolge und Bodenbearbeitung vornimmt, kommt selbst bei 20 % N-Abschlag noch mit einem blauen Auge davon. Der N-Bedarf eines Winterweizenbestandes setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  1. Stickstoff im Erntegut
  2. Stickstoff in Ernterückständen
  3. Residual-N im Boden

Stickstoff wird aus unterschiedlichen Quellen zur Verfügung gestellt:

Nmin im Boden zu Vegetationsbeginn: Der zu Vegetationsbeginn im Boden befindliche mineralische Stickstoff (Ammonium, Nitrat) kann voll in Abzug gebracht werden. Leider treten noch zu häufig Probleme bei Probenahme und Transport auf. Aus pflanzenbaulicher Perspektive muss zudem die Anrechenbarkeit des Stickstoffs aus tieferen Schichten infrage gestellt werden. Insbesondere späte Getreidesaaten erreichen den Nmin aus einer Tiefe von 60 bis 90 cm nicht mehr. Das hat zur Folge, dass Spätsaaten bei zwangsweise voller Anrechnung aller Schichten benachteiligt werden.

N-Düngung (organisch und mineralisch): Die N-Düngung muss die Lücke zwischen Bedarf und Nachlieferung aus dem Boden schließen. Dabei steht die richtige Terminierung unter Berücksichtigung der Zeitpunkte hoher N-Nachlieferungen im Vordergrund. 

Nmob aus langjähriger organischer Düngung: Bei regelmäßiger Aufbringung organischer Dünger muss die Nachlieferung aus dem organischen N-Anteil berücksichtigt werden. Der organisch gebundene Stickstoff wird dabei aber unterschiedlich schnell mineralisiert.

Düngung im Frühjahr

Nmob aus dem Bodenhumus: Die exakte Berechnung der Nachlieferung aus dem Bodenhumus kann nur erfolgen, wenn neben dem Humusgehalt auch das C/N-Verhältnis bzw. der N-Gesamtgehalt des Bodens (Ntotal) bekannt sind. Das ist leider in den wenigsten Betrieben der Fall.

Nmob aus der Vorfrucht: Aus den unterschiedlichen Vorfrüchten kommen von 15 kg N (Getreide, Silo-Mais) bis hin zu 100 kg (Leguminosen). Auch Raps und Industriekartoffeln haben hohe Nachlieferungsleistungen. Die DüV bringt maximal 20 kg (Dauerbrache, Grünlandumbruch) in Abzug.

Stoppelweizen hat keine Zukunft

Getreide als Vorfrucht mit geringer Nachlieferungsleistung macht einen Qualitätsgetreide-Anbau in Roten Gebieten unmöglich. Der Stoppelweizen wird damit aus den Fruchtfolgen fliegen müssen. Sommerblattfrüchte wie Zuckerrüben, Mais oder Kartoffeln nutzen den Nmob fast vollständig aus, da sie die gesamte Mineralisationsperiode im Feld stehen. Damit ist in diesen Früchten auch ein Abschlag auf die erlaubte N-Düngung leichter zu verkraften. Als Vorfrüchte zu Getreide sind Raps, Rüben und Kartoffeln dem Mais aus Sicht der N-Nachlieferung überlegen.

Hohe Hackfruchtanteile bergen jedoch ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Schäden an der Bodenstruktur. Aufgrund des hohen Stellenwertes der N-Nachlieferung für das Bestehen unter den Bedingungen in Roten Gebieten, können bei der Bodenstruktur keine Kompromisse gemacht werden. Die Zeiten des Reparatur-Stickstoffs sind endgültig vorbei.

Den vollständigen Artikel mit einer Beispielberechnung lesen Sie in der LAND & FORST-Ausgabe 13/2020. 

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Zukunft der Fleischindustrie
  • Geld und Recht: Vorsorgeleistungen bei Hofübergabe vertraglich klar regeln
  • Pflanzenbau: Zwischenfrüchte zur Futternutzung
  • Technik: Vergleich zwischen Rad- und Teleskoplader
  • Forstwirtschaft Steuerhilfen in Krisensituationen
  • Leben auf dem Land: Schmiede-kunst im ostfriesischen Werdum

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