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Renate Bergmann | am

Ernte 2020 in Niedersachsen: Das sind die Ergebnisse

Das dritte Jahr infolge hinterlassen fehlende Niederschläge deutliche Spuren: Die Ernte 2020 fiel je nach Standort und Kultur regional sehr unterschiedlich aus. Details gab es auf der Erntepressekonferenz der Landwirtschaftskammer.

Das Jahr 2020 ist das dritte infolge mit ausgeprägter Trockenheit – entsprechend durchwachsen falle die Erntebilanz aus. Die Ergebnisse der Ernte 2020 waren bislang je nach Standort und Kultur regional sehr unterschiedlich.

Zu wenig und sehr ungleich verteilter Niederschlag hat den Ackerbau und die Grünlandnutzung in Niedersachsen stark beeinträchtigt. So Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, auf der Ernte-Pressekonferenz in Hannover.

GETREIDE

Die Getreideernte 2020 fiel in Niedersachsen mit gut 5,3 Millionen Tonnen (ohne Körnermais) um etwa elf Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Zum Teil ein Ergebnis der niedrigeren Durchschnittsernte, aber auch der geringeren Anbaufläche: Die Anbaufläche wurde um neun Prozent auf 743.800 Hektar reduziert, in erster Linie aufgrund schwieriger Aussaatbedingungen für das Wintergetreide.

Der Durchschnittsertrag aller Getreidearten blieb um 2,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Im Gegensatz zu den Hektarerträgen von Winterweizen und Wintergerste, fielen die der Sommergerste wesentlich besser aus als 2019. Die Qualität des Getreides ist größtenteils gut. Die bislang erzielten Preise sind gegenüber 2019 leicht gestiegen. Die Preise für Braugerste haben, bedingt durch den Absatzrückgang bei Bier, deutlich nachgegeben.

RAPS

Der Rapsanbau hat sich etwas erholt, Erträge und der Preis legten zu. Doch seine Wettbewerbsfähigkeit leidet unter erhöhten Produktionskosten, insbesondere infolge des Verbots der Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden.

Nach wie vor ist der Biodieselbereich für den Rapsmarkt wichtig. Sollte die angekündigte starke Beschneidung des Biokraftstoffeinsatzes tatsächlich kommen, wird es der Rapsanbau in Niedersachsen mittelfristig sehr schwer haben.

KARTOFFELN

Der Kartoffelanbau ist in diesem Jahr überwiegend normal verlaufen. Trotz der etwas häufigeren Niederschläge musste vielerorts die Qualität durch Beregnung gesichert werden. Insgesamt beträgt die Kartoffelanbaufläche in Niedersachsen dieses Jahr 123.200 Hektar, das ist ähnlich wie im Vorjahr und entspricht knapp 45 Prozent der deutschen Anbaufläche.

Corona brachte den Kartoffelmarkt deutlich aus dem Gleichgewicht: Die geschlossenen Restaurants und Kantinen und die abgesagten Großveranstaltungen führten dazu, dass der Markt für die Pommes-frites-Produktion nahezu zum Erliegen gekommen ist. Lediglich fest an Verträge gebundene Mengen wurden langsam verarbeitet.

Auf der anderen Seite wurde der Absatz der Speisekartoffeln durch den vermehrten Verzehr zu Hause und auch durch die Hamsterkäufe angekurbelt. Die Ernte begann vielversprechend, ist aber noch nicht abgeschlossen.

ZUCKERRÜBEN

Die Ernte und Verarbeitung der Zuckerrüben läuft gerade erst richtig an. Für 2020 werden Erträge erwartet, die leicht über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre (75,5 Tonnen pro Hektar) liegen könnten. Die Zuckergehalte in den ersten Lieferungen belaufen sich auf 17,5 bis 18 Prozent. Die gesamte Anbaufläche Zuckerrüben bewegt sich dieses Jahr mit knapp 99.600 Hektar rund zwei Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Insgesamt war der Sommer 2020 wieder zu trocken, für die Rüben im südlichen Niedersachsen kamen die knappen Niederschläge meist noch zur rechten Zeit. Die diesjährige Ernte ist bereits die dritte Ernte, die nicht mehr unter den Rahmenbedingungen der EU-Zuckermarktordnung vermarktet wird. Insgesamt ist das Preisniveau aufgrund des geringen Weltmarktpreises gesunken.

LEGUMINOSEN

Unter den Leguminosen konnte lediglich die Ackerbohne um 1.200 Hektar zulegen. Schwetje sieht jedoch angesichts der zunehmenden Zahl an Vegetariern/Veganern durchaus Potenzial für den heimischen Leguminosenanbau.

MAIS

Dieses Jahr wurde aufgrund der nach wie vor sehr angespannten Grundfutterversorgung und der Aussaatschwierigkeiten im vergangenen Herbst der Maisanbau leicht ausgeweitet. Die ersten Ertragszahlen zum Silomais lassen im Mittel etwa 10 bis 15 Prozent geringeren Erträgen erwarten.

Gut die Hälfte des Maises, etwa 330.000 ha, werden als Silomais für die Rinderfütterung genutzt. Weitere rund 220.000 ha werden in Biogasanlagen zur Gas-, Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

GRÜNLAND

Betriebe mit Grünland (landesweit 700.000 Hektar) können 2020 wieder mit etwas mehr Grassilage planen. Doch ausbleibender Niederschlag führte in der ersten Jahreshälfte zu erheblichen Ertragseinbußen.

Auf durch Feldmäuse befallenen Flächen – 150.000 Hektar – war die Neuansaat zunächst oft erfolglos. Die Grundfutterlücke, die seit 2018 entstanden ist und durch teuren Futterzukauf ausgeglichen werden muss, lässt sich voraussichtlich nur unzureichend schließen.

Ernte-Ergebnisse 2020 für den ökologischen Landbau

Der Ökolandbau in Niedersachsen hat in den zurückliegenden vier Jahren um mehr als 60 Prozent zugenommen. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche lag 2019 bei 120.675 Hektar. Von den rund 36.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen betreiben 2.115 (5,5 Prozent) Ökolandbau. Die Erträge des Öko-Getreides fallen in diesem Jahr überwiegend zufriedenstellend bis erfreulich aus – außer auf leichteren, sandigeren Standorten mit wenig Niederschlag.

  • Die Backqualitäten beim Öko-Weizen und Öko-Dinkel sind überwiegend gut bis zufriedenstellend.
  • Bei den Öko-Kartoffeln sind gute, aber nicht übermäßige Erträge in Aussicht, die häufig durch Beregnung abgesichert werden mussten. Die Qualitäten dürften vergleichsweise heterogen ausfallen.
  • Beim Öko-Mais waren die Aussaatbedingungen im Frühjahr gut – auf Standorten mit guter Wasserversorgung deuten sich gute Erträge an.
  • Bei den Öko-Zuckerrüben ist wie in den Vorjahren schon eine extreme Heterogenität der Erträge zu verzeichnen. Der Ertragsdurchschnitt bewegt sich um die 52 Tonnen pro Hektar, allerdings mit einer großen Spannweite. Der Zuckergehalt liegt mit durchschnittlich 16,5 Prozent etwas unter dem Vorjahresniveau.
  • Die Anbaufläche von Öko-Feldgemüse wächst langsam, aber stetig. Möhren und auch Zwiebeln werden von Markt stetig gut nachgefragt und tendieren derzeit fest bei den Erzeugerpreisen.
  • Die Erträge der Öko-Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Körnererbsen und Lupinen sind gegenüber dem Vorjahr im Plus – aber auch hier gab es auf leichteren Standorten regional deutliche Ertragsausfälle.

Fazit: Ernte 2020 in Niedersachsen

  • Zu wenig und ungleich verteilter Niederschlag hat den Ackerbau und die Grünlandnutzung erneut beeinträchtigt.
  • Beim Getreide dürfte der Durchschnittsertrag um 2,5 Prozent unter dem Vorjahr liegen.
  • Der Raps konnte im Vergleich zum Vorjahr leicht aufholen.
  • Neben dem Klimawandel gewinnt der Naturschutz zunehmend an Bedeutung.
  • LWK unterstützt die Bauern durch zahlreiche Projekte.
  • Die Futterbaubetriebe erwarten etwas bessere Erträge, die Futtersituation bleibt angespannt.
  • Die Aussichten für die Zuckerrübenerträge sind gut, die Marktpreise jedoch reativ gering.

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