Pflanzenschutzspritze und Traktor auf Acker

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Johanna Michel | am

EU-Pflanzenschutzverordnung: Diese Risiken kritisiert der DRV

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat zu den europäischen Plänen über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln Stellung bezogen. Weil es an Alternativen mangelt, sieht der Verband in den hoch gesteckten Reduktionszielen viele Risiken.

Für den Dachverband der genossenschaftlichen Unternehmen aus der Lebensmittelbranche steht fest: Der EU-Vorschlag zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln belastet einseitig die Landwirtschaft und berücksichtigt keine möglichen Konsequenzen und Alternativen.

In den letzten zehn Jahren sei die Menge der in Deutschland eingesetzten Pflanzenschutzmittel um 15 Prozent reduziert worden. Dabei müssten heute für viele Behandlungen größere Mengen eingesetzt werden, denn die Wirksamkeit habe insgesamt abgenommen. Bestimmte Wirkstoffe wie die Gruppe der Neonicotinoide gibt es am Markt nicht mehr.

Großräumige und pauschale Anwendungsverbote wirkten sich außerdem bis hin zum Landschaftsbild aus. Sie beeinträchtigten den Wohlstand der dort lebenden Menschen. Nur auf den Pflanzenschutz dürfe sich die Transformation der Landwirtschaft nicht konzentrieren, heißt es vom DRV.

Reduktion von Pflanzenschutzmitteln: Komplexe, aber doch unvollständige Berechnung

Der Entwurf der EU-Pflanzenschutzverordnung enthält zwei konkrete Reduktionsziele: Beim ersten Ziel sollen die Verwendung und das Risiko chemischer Pflanzenschutzmittel, die im Anhang der Verordnung genau aufgelistet werden, bis 2030 um 50 Prozent reduziert werden. Das zweite Ziel sieht vor, die Verwendung von gefährlicheren Pflanzenschutzmitteln, die ebenfalls benannt werden, bis 2030 um die Hälfte zu verringern.

Ausgangspunkt für die spätere Feststellung der Reduktion soll der jeweilige Pflanzenschutzmitteleinsatz im Zeitraum von 2015 bis 2017 sein. Jeder Mitgliedstaat soll einen Beitrag zur unionsweiten Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes leisten. Das heißt, dass nicht jedes EU-Land sich ein Einsparziel von genau 50 Prozent setzen muss – die Spanne reicht von 35 bis 65 Prozent, wie die Europaabgeordnete Sarah Wiener in einem Pressegespräch erklärte.

Beim ersten Reduktionsziel vermisst der DRV eine Einschätzung zur Machbarkeit und zu den Konsequenzen. Die Reduktion werde mit Hilfe eines komplexen Punktesystems ermittelt. Jedoch beziehe sich die Berechnung nur auf den Basiszeitraum von 2015 bis 2017. Wo sich die Landwirtschaft gegenwärtig befinde, bleibe außen vor.

Hohe Reduktionsziele, keine Alternativen

Weiter kritisiert der DRV, dass der Entwurf keine konkreten Maßnahmen und Alternativen enthält. Der Verband verweist an dieser Stelle auf die modernen Züchtungstechnologien. Darüber hinaus müssten inerte Gase aus der Berechnung ausgenommen werden, weil Kohlendioxid nur in Deutschland und Österreich in der Wirkstoffliste stehe.

Für das zweite Reduktionsziel sei der Mangel an Alternativen noch stärker. Die Wahrscheinlichkeit der Zielerfüllung sei nicht abschätzbar. Innovationen müssten gefördert und praxistauglich gemacht werden.

So müssten resistente beziehungsweise tolerante Sorten erst einmal zur Verfügung stehen, bevor Landwirte dazu verpflichtet werden könnten, sie zu verwenden.

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Anwendungsverbot für Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten entzieht Existenzgrundlage

Der Raiffeisenverband verweist auf die Studie des Thünen-Instituts, die ergab, dass durch ein Anwendungsverbot für Pflanzenschutzmittel in allen empfindlichen Gebieten 3,5 Mio. Hektar Ackerfläche brach liegen, verwildern oder verbuschen würden. Aus Sicht des DRV komme das geplante Verbot einer Enteignung gleich. Geschädigt werde nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Unternehmen aus vor- und nachgelagerten Bereichen bis hin zum Tourismus.

In welchen Gebieten auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden sollte, sollten die Mitgliedstaaten selbst entscheiden. Einschalten solle sich die EU nur, wenn die Maßnahmen der Mitgliedstaaten nicht ausreichen.

Keine neue Bürokratie

Das geplante elektronische Register für den integrierten Pflanzenschutz lehnt der DRV kategorisch ab. Durch das Register könnten Dritte die Aktivitäten jedes einzelnen Landwirts verfolgen.

Auch das zentrale elektronische Register für den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln lehnt der Verband ab. Stattdessen solle der in Deutschland erforderliche Sachkundenachweis beibehalten werden.

Ein weiteres Register soll für Anwendungsgeräte eingeführt werden. Hierin sieht der Raiffeisenverband keine Notwendigkeit.

Zudem sieht der Verordnungsentwurf vor, dass jeder Verwender von Pflanzenschutzmitteln sich jedes Jahr an eine unabhängige strategische Beratung wenden muss. Der DRV lehnt diesen Teil des Entwurfs ab, da er hohe Kosten verursache, ohne dass einen entsprechenden Nutzen gebe.

Mit Material von DRV

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