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Meinung | Werner Raupert | am

Von Fair Play für Rübenanbauer keine Spur

Die EU misst mit zweierlei Maß, finden die Rübenanbauer und auch der stellvertretende LAND & Forst-Chefredakteur Werner Raupert.

Die Rübenanbauer haben lange still gehalten. Doch jetzt scheint das Maß voll zu sein. Mit ersten zaghaften Protestaktionen auf den Rübenhöfen machen sie auf die massive Ungleichheit in der Europäischen Union auf sich aufmerksam. Und alle ziehen an einem Strang: Anbauer, Verbände und die Mitarbeiter der Zuckerunternehmen.

Das ist überfällig, um auf die Schieflage aufmerksam zu machen. Unsere Politiker, allen voran Ministerin Julia Klöckner, scheinen schließlich die existenzbedrohenden Probleme unserer Bauern nicht zu interessieren.

Wegfall von Zuckerquoten und Mindestpreisen

Was ist passiert? In Zeiten der alten Zuckermarktordnung hat die Rübe über allen anderen Kulturen gethront. Mit der guten Wirtschaftlichkeit konnte so manche Delle in den Betrieben weggebügelt werden. Diese Zeiten sind mit dem Wegfall von Zuckerquoten und Mindestpreisen sowie dem Absturz der Zucker- und Rübenpreise vorbei.

Darüber beklagen sich die Bauern nicht, auch wenn viele diesen Zeiten eine Träne nachweinen. Vielmehr stellen sie alles auf den Prüfstand und richten ihre Produktionsweise nach den neuen Rahmenbedingungen aus.

Keine gleichen Wettbewerbsbedingungen

Doch alle Anstrengungen laufen ins Leere, wenn in der EU mit zweierlei Maß gemessen wird. Wie soll man auch mithalten mit Berufskollegen aus elf anderen Mitgliedsstaaten, in denen der Anbau von Zuckerrüben mit 200 bis 600 €/ha Flächenbeihilfen am Leben erhalten wird. Gleiche Wettbewerbsbedingungen sehen anders aus.

Konkurrenzschwächere Regionen bleiben somit in der Produktion, und in der Folge gerät der Anbau auf Gunststandorten wie in Niedersachsen ins Abseits. Die deutschen Anbauer bezahlen quasi die Beihilfen der anderen Länder durch niedrige Rübenpreise mit.

Neonikotinoide: Antrag auf Notzulassung abgelehnt

Dazu kommt, dass sich Rübenanbauer hierzulande beim Pflanzenschutz mittlerweile durch zahlreiche Anwendungsverbote diskriminiert fühlen. So beschlossen zwar alle 28 Mitgliedsstaaten, die Neonikotinoide aus Bienenschutzgründen zu verbieten. Acht Staaten haben aber inzwischen eine Notfallzulassung für die Neonics in 2019 genehmigt.

Und Deutschland? Wieder Fehlanzeige, der Antrag auf Notfallzulassung wurde abgelehnt.

Branche mahnt faire Wettbewerbsbedingungen an

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker hat ausgerechnet, dass dieses Verbot auf den hiesigen Höfen in Befallsjahren zu Ertragseinbußen in Höhe von 322 €/ha führen kann. Das entspricht rund 48 % des Deckungsbeitrages. Die Branche mahnt daher völlig zu Recht faire Wettbewerbsbedingungen an.

Wenn die Politiker dieses Anliegen weiterhin ignorieren, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sich der Protest ausweitet.

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