Einwinterung-Feldspritze-Außenreinigung-Feld
Ulrich Lossie, DEULA-Nienburg GmbH | am

Feldspritze: Tipps und Tricks zur Einwinterung

Alle Landwirte kennen die Angst, ob die Feldspritze wohl heil durch den Winter kommt. Doch wenn man bei der Einwinterung strukturiert vorgeht, hat Frost keine Chance und die Spritze ist fit für die kommende Saison.

Der erste Schritt, für eine perfekte Einwinterung, ist eine intensive Endreinigung. Über die Saison haben sich, an den unterschiedlichsten Stellen, Pflanzenschutzmittelreste abgelagert. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Oft ist es aber eine nicht ausreichende Reinigung nach dem Einsatz. Je schneller und besser eine Spritze nach dem Einsatz gereinigt wird, um so leichter geht es. Ist ein Mittel erst einmal polymerisiert und an einem Bauteil angelagert, ist es nur noch schwer wieder in Lösung zu bringen.

Bauteile mit Hochdruckreiniger durchspülen

Einwinterung-Feldspritze-Frostschutzmittel

Diese Eigenschaft ist im Feld gewünscht und notwendig, denn dadurch erreichen Pflanzenschutzmittel eine bessere Tau- und Regenfestigkeit. Durch den Einsatz spezieller Pflanzenschutzgerätereiniger lassen sich diese Ablagerungen zum Teil wieder beseitigen. Gerade bei den geringen Umgebungstemperaturen im Spätherbst kann eine erhöhte Wassertemperatur unterstützend wirken. Ein wohl dosiert eingesetzter Heißwasserhochdruckreiniger leistet hierbei gute Dienste. Eine Wassermenge von 20 % des Fassvolumens sollte es schon sein, dann den Reiniger im richtigen Mischungsverhältnis zugeben und bei mehrmaligem Durchschalten aller Funktionen die Bauteile durchspülen.

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Reinigungsmittel über Nacht einwirken lassen

Wer diese Vorbereitung zum Feierabend durchführt und dann das Reinigungsmittel über Nacht einwirken lässt, erreicht eine zusätzliche Wirkungsverbesserung. Am nächsten Tag kann dann nach 15 Minuten Umlaufbetrieb und Durchschalten aller Funktionen die Reinigungsflüssigkeit entsorgt werden. Hierfür haben die zuständigen Stellen der Bundesländer unterschiedliche Empfehlungen. Grundsätzlich ist eine Ausbringung der Reinigungsflüssigkeit auf der zuletzt behandelten Ackerfläche fachlich richtig. Betriebe, die bereits einen zugelassen Abfüll- und Reinigungsplatz mit Flüssigkeitsverrieselung besitzen, können natürlich über dieses System entsorgen.

Außenreinigung der Feldspritze

Nach der Innenreinigung folgt die gründliche Außenreinigung auf einer Ackerfläche. Eine praxisbewährte Variante ist die Kombination mit der Ausbringung der Reinigungsflüssigkeit. Hierzu sollte vor Abfahrt zum Feld der Frischwasserbehälter zusätzlich komplett mit Klarwasser gefüllt werden. Auf dem Feld wird dann zuerst mit der Reinigungsflüssigkeit und dem Außenreinigungsset die gesamte Spritze vorgereinigt und eingeweicht. Danach die restliche Reinigungsflüssigkeit breitflächig ausbringen und mit dem ersten Drittel der Klarwassermenge die Spritze nachspülen. Das restliche Klarwasser wird jetzt für die intensive Außenreinigung verwendet.

Lohnt sich Investition in Hochdruckreiniger?

Viele Standard-Außenreinigungssets liefern leider kein zufriedenstellendes Reinigungsergebnis. Wer hier optimieren möchte, kann mit einer Investition in einen mobilen Akku-Hochdruckreiniger (ab etwa 300,- Euro) eine erhebliche Verbesserung erreichen. Für größere Betriebe ist eine Kombination aus IBC + hydraulisch angetriebenem HD-Reiniger (ab etwa 2.000,- Euro) die sinnvollere Investition. Diese mobile Waschstation findet in der Regel vielfältige Verwendung auf dem Betrieb. Wem das Reinigungsergebnis immer noch nicht ausreicht, und wer auf dem Hof endreinigen möchte, sollte dies trotzdem auf einer begrünten und biologisch aktiven Fläche erledigen.

Verschleißteile überprüfen

Nach der Saison ist vor der Saison. Daher ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um die Feldspritze auf Verschleiß zu überprüfen und alle wichtigen Wartungsarbeiten durchzuführen. Insbesondere für größere Betriebe ist der dreijährige Rhythmus zur Gerätekontrolle zu lang und sollte freiwillig verkürzt werden. Viele Defekte fallen einem geübten Anwender schon bei der Eigenüberprüfung auf.

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Korrosion durch Flüssigdünger vorbeugen

Häufige Probleme wie abgeknickte Schläuche und Düsenverunreinigungen können so frühzeitig beseitigt werden. Eine werterhaltende Maßnahme, und somit besonders bei größeren Pflanzenschutzgeräten hochgradig wirtschaftlich, ist die Kontrolle auf Defekte der Farbgebung. Lackschäden sollten nach jeder Saison gründlich ausgebessert werden, um nachhaltig einer Korrosion, insbesondere durch Flüssigdünger, vorzubeugen.

Umwelt schonen, Kosten sparen: Maschinen entwässern

Welche Menge an Frostschutz später benötigt wird, ist sehr individuell und hängt von der technischen Restmenge der Spritze ab. Um die notwendige Menge auf ein Minimum zu begrenzen und somit Kosten zu sparen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen, sollte die Maschine an leicht zugänglichen Stellen grob entwässert werden. Hierzu werden die Filter ausgebaut, der Behälter entleert und die wichtigsten Leitungen abgezogen. Beim nachfolgenden Reinigen der Filter sollten diese auch auf Beschädigungen überprüft werden. Da sich Dichtungen bei Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln ausdehnen können, müssen schlaff sitzende O-Ringe vor dem Zusammenbau gegen neue Ringe ersetzt werden.

Flüssigdünger als Frostschutz ungeeignet

Da ein komplettes und sicheres Entwässern bei heutigen Pflanzenschutzspritzen undenkbar ist, muss ein geeignetes Frostschutzmittel aufgefüllt werden. Sparen Sie nicht am falschen Ende und lassen Sie die Finger von Flüssigdünger als Frostschutz, die Aggressivität auf die unterschiedlichen Werkstoffe ist auf Dauer nachteilig.

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Welches Frostschutzmittel für Feldspritze?

Geeignet ist sowohl Frostschutz für die Scheibenwaschanlage als auch Kühlerfrostschutz. Scheibenfrostschutz ist auf Alkoholbasis hergestellt und daher sehr umweltverträglich und preiswert. Kühlerfrostschutz besitzt die erheblich besseren Pflegeeigenschaften für alle Leitungen, Membranen und Dichtungen, ist biologisch aber schwerer abbaubar.

Genauigkeit schützt vor Schäden: Frostschutz gleichmäßig verteilen

Die Herausforderung besteht darin, dass der Frostschutz in allen Leitungen gleichmäßig verteilt werden muss. Wer das Mittel in den Frischwassertank füllt und von dort über die Innenreinigung in den Hauptbehälter pumpt, hat diese Bereiche abgesichert. Jetzt gilt es, alle anderen Leitungen, Bypässe, Rührdüsen, sowie die Einspülschleuse und das Gestänge bis zu Düsen zu durchfluten. Am häufigsten vergessen werden die Außenreinigung, die Leitung am Überdruckventil, die Randdüsenschaltung und die Kanisterreinigungsdüse.

Stressfrei in die neue Saison

Nach dem Durchspülen aller Bauteile sollten Sie die Frostschutzlösung mit einer Messpindel auf ausreichend Frostabsicherung für Ihre Region überprüfen. Bei der Verwendung von Scheibenfrostschutz auf Alkoholbasis muss die komplette Lösung über Winter in der Spritze verbleiben. Kühlerfrostschutz ist nicht verdunstungsgefährdet, wer möchte kann somit nach dem Durchfluten sofort wieder alles entnehmen und für das nächste Jahr auffangen. Im Frühjahr muss dann nur noch kurz gespült werden und die neue Saison kann stressfrei beginnen.

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