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Dr. Christine Kalzendorf, LWK Niedersachsen | am

Futterproduktion: Jeder Tag im Juli zählt doppelt

Die Futterproduktion ist dieses Jahr gut gestartet. Zumindest der erste Aufwuchs erbrachte massereiche Bestände von Grünland und Acker. Jetzt mit Sommerzwischenfrüchten die Futterreserven stabilisieren.

Der Anbau von Sommerzwischenfrüchten ist für Gemischtbetriebe eine weitere Möglichkeit zur Absicherung der Futterproduktion. Aufgrund ihres hohen Futter- und Gebrauchswertes haben sich für die Futtergewinnung im Sommerzwischenfruchtbau in erster Linie Ackergräser und ihre Mischungen mit Leguminosen bewährt, obgleich die Saatgutpreise im Vergleich zu den Kruziferen (Kreuzblütler) deutlich höher ausfallen. 

Um den erhöhten arbeitswirtschaftlichen Aufwand des Zwischenfrucht-Futterbaus effizient zu gestalten, sind hohe Nettoenergieerträge anzustreben. Sowohl das nicht winterharte Einjährige Weidelgras als auch das überjährige Welsche Weidelgras haben ein hohes Ertragspotenzial. Beide schnellwüchsigen Arten sind in der Lage, Trockenmasseerträge um die 30 bis etwa 40 dt / ha bei einem Schnitt und sogar 50 bis 60 dt /ha bei zwei Aufwüchsen zu liefern.

Frühe Saatzeit

Die Aussaat sollte möglichst noch im Juli und spätestens bis Anfang August erfolgen. Vor allem für das Einjährige Weidelgras sind spätere Aussaattermine nicht mehr ratsam, zumal neben den Ertragseinbußen die Gefahr des Fritfliegenbefalls dann noch verstärkt wird. Ist eine Bestellung der Fläche nicht bis zum 15. August möglich, kann allenfalls bei einem wüchsigen Herbst noch auf einen Beweidungsaufwuchs mit dem überjährigen Welschem Weidelgras spekuliert werden. Die Räumung der Ackerflächen nach der Getreideernte sowie die Bodenbearbeitung und Bestellung haben daher so zügig wie möglich zu erfolgen, auch wenn auf eine intensive Unkrautbekämpfung von Samenunkräutern verzichtet wird.

Anbautechnik

Um ein gleichmäßiges Auflaufen der Feinsämereien zu erzielen, benötigen die Ackergräser ein feines sowie gut rückverfestigtes Saatbett. Die Anforderungen an die Saatbettbereitung sind so hoch wie bei der Hauptfrucht. Zu bevorzugen ist die Pflugfurche, gefolgt von intensiver Durchmischung und Rückverfestigung des Bodens sowie die Drillsaat. Die Saatgutablage sollte äußerst flach erfolgen (nicht mehr als 2 cm). Bewährt hat sich anschließendes Walzen.

Bei Futter N düngen

Hohe Ertragsleistungen der frohwüchsigen Ackergräser sind nur bei angemessener N-Düngung erzielbar. Bei einer Aussaat bis zum 15. August und einer Futternutzung im Herbst besteht für Ackergräser gemäß der DüngeV ein N-Düngebedarf von 80 kg N/ha, unabhängig davon, ob die Fläche in Roten Gebieten liegt oder nicht. In Roten Gebieten ist bei späteren Saaten keine N-Düngung mehr zulässig. Außerhalb dieser Kulisse darf bei einer Aussaat bis 15. September noch eine N-Düngung (maximal 60/30-Regel) erfolgen. Die N-Gabe hat dann bis zum 1. Oktober zu erfolgen. Die N-Düngung „maximal 60/30-Regel“ bedeutet, dass eine Düngung mit maximal 60 kg Gesamt-N/ha und/oder maximal 30 kg NH4-N/ha (mineralisch + organisch) erfolgen kann. 

Einjähriges Weidelgras

Das Einjährige Weidelgras gehört zu den klassischen Sommerzwischenfrüchten, wenn es gilt, in einem kurzen Zeitraum Futter zu erzeugen. Das ist auch bei der Sortenwahl zu berücksichtigen. Für die im Sommerzwischenfruchtbau zugelassenen Sorten steht vor allem die Aufwuchsgeschwindigkeit im Fokus. Durch die Züchtung ist es gelungen, mit den sehr frühen Sorten auch im Rahmen einer kurzen Vegetationszeit die Ausbildung der generativen Phase zu ermöglichen. Eine Ernte kann bei wüchsigem Wetter bereits 60 Tage nach der Saat möglich sein. In der Regel zeichnen sich früh reifende Sorten durch hohe Erträge mit einem strukturreichen Aufwuchs aus.

Spätere Sorten punkten durch ein besseres Nachwuchsvermögen. Unter guten Wachstumsbedingungen, also bei regelmäßigen Niederschlägen, sind durchaus eine Nachweide und im günstigen Fall auch eine zweite Ernte möglich.

Welsches Weidelgras

Das Welsche Weidelgras kommt in erster Linie für den Winterzwischenfruchtbau oder für den Hauptfruchtanbau in Betracht. Bei Saaten im Sommer verharrt es in der Blattmasseentwicklung, da der Kältereiz des Winters für die Ausbildung der Ähren fehlt. Das fehlende Strukturvermögen des Welschen Weidelgrases lässt sich durch den Mischanbau in Kombination mit dem Einjährigen Weidelgras ausgleichen. In der A2-Mischung sind beide Grasarten enthalten. Das Einjährige Weidelgras liefert hierbei die notwendige Struktur und das blattreiche Welsche Weidelgras entsprechend hohe Nähstoffkonzentrationen.

Leguminosen wertvoll

Ein Plus an Rohprotein und Energie bieten die Weidelgräser im Gemengeanbau mit Leguminosen. Sie punkten aus futterbaulicher Sicht zusätzlich durch ihre Nutzungselastizität. Gleichzeitig tragen die Leguminosen sowohl zur Förderung der Insektenwelt und Artenvielfalt als auch zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei (organische Rückstände durch tiefes Wurzelwerk). Zu speziellen Kleegrasmischungen für die Futternutzung im Sommerzwischenfruchtbau gehören die A10 und A10-spät. 

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